Schönenwerd

Er gab den Anstoss für die Heimstätte der «poetischen Maschinen»

Ohne den persönlichen Einsatz von Jean-Pierre Racine gäbe es kein Museum Gugelmann.

Ohne den persönlichen Einsatz von Jean-Pierre Racine gäbe es kein Museum Gugelmann.

Der Schönenwerder Jean-Pierre Racine schlug Paul Gugelmann vor, seine Werke in einem Museum auszustellen. Mehr noch: Er fand die Örtlichkeit und suchte auch das Geld für das Museum Gugelmann, das vor 25 Jahren eröffnet wurde.

Damals sprach keiner von «poetischen Maschinen» oder gar über ein Museum. Jean-Pierre Racine (80) und Paul Gugelmann (90) lernten sich als Jugendliche in der Pfadi kennen. Danach trennten sich ihre Wege. Gugelmann ging für Bally nach Paris, Racine reiste als Hoteltester für Kuoni um die Welt. In Schönenwerd trafen sie sich später wieder. Inzwischen hatte sich Gugelmann seiner Leidenschaft, dem Konstruieren der klingenden Kunstwerke, gewidmet. Das Publikum interessierte sich bereits in Paris sehr für diese einzigartigen Werke, die allerdings keine feste Bleibe hatten, sondern für Ausstellungen immer wieder an einen anderen Ort gebracht werden mussten: Unter anderem nach Aarau, Flüelen, Rapperswil, Zürich und Ascona.

Racine, selber fasziniert von Gugelmanns Schaffen, fragte seinen Pfadi-Freund: «Du Fax, was machst du später mit den Maschinen?» Er wolle sie nicht verkaufen, sagte dieser. Racine schlug ihm vor, ein Museum zu gründen. «Gut, dann mach’ du mir ein Museum», gab Gugelmann zur Antwort.

Das war vor über 25 Jahren. Racine hatte keine leichte Aufgabe übernommen. «Im Stillen sondierte ich nach möglichen Standorten.» Als er eines Morgens mit seiner Frau durch den Kreuzgang des Stiftes Schönenwerd schritt, sah er die Kornschütti. Ein altes Gebäude, das der Gemeinde als Bauschopf und Lagerstätte von Gerätschaften diente. Racine überlegte. «Das wär’s doch», schoss es ihm durch den Kopf. Eine gute Lage mitten im Dorf und Paul Gugelmann war erst noch unweit davon aufgewachsen. Dieser war mit dem Gebäude als künftiges Museum einverstanden. «Ich hatte das Gefühl, der Kreis schliesst sich», so Racine. Damit war ein erster Schritt gewagt.

Nun begann die Geldsuche. Racine griff zunächst tief in die eigene Tasche. «Ich bin zwar nicht der Rockefeller», meint er heute lachend. Die Hürde habe er bewusst hochgelegt, «damit niemand darunter gehen kann.» Seine Lostorfer Rotarier-Freunde Heinz Amweg und Peter Vogt beteiligten sich ebenfalls grosszügig, Private, Firmen und Gemeinden kamen dazu.

Der damalige Schönenwerder Gemeindepräsident Peter Meier war dem Anliegen wohlgesonnen, fragte aber Racine: «Wie willst du das Museum betrieben?» Daraufhin kam Racine auf die Idee, einen Verein zu gründen, der heutige Förderverein des Museums. Der namhafte Architekt Alfons Barth (1913–2009) leistete Gratisarbeit, als es um den Umbau der Kornschütti ging. Mit vielen Helferinnen und Helfern erstand darin das Museum Gugelmann, das den «poetischen Maschinen» ihres Erschaffers seither eine Heimstätte bietet. Besucherinnen und Besucher aus der ganzen Schweiz und dem Ausland erfreuen sich an den geistreichen Kunstwerken, durch die Schönenwerd in der hiesigen Museumslandschaft einen besonderen Platz einnimmt.

Sonderausstellung auf den Herbst verschoben

Das Museum Gugelmann ist derzeit wie alle andern Museen in der Schweiz geschlossen. Wie Stiftungsrat Christian Tännler mitteilt, wird es erst nach den Sommerferien wieder aufgehen. «Es hat keinen Sinn, dass wir am 8. Juni öffnen würden, da viele unserer ehrenamtlichen Mitarbeitenden und Besuchern der Risikogruppe angehören.» Auch muss die geplante Sonderausstellung, die am 5. Juni 2020 hätte eröffnet werden sollen, auf den Herbst verschoben werden. Zudem ist ein neues Buch in Arbeit, das die Geschichte des Museums dokumentiert.

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