FREIWILLIGENARBEIT IN DER REGION OLTEN: TEIL III

Einsatz im Tierdörfli: Sie sind ganztags auf Abruf für Tiere in Not

Die Lostorfer Beatrice und Alfred Markstahler mit zwei Hunden aus dem Tierdörfli.

Die Lostorfer Beatrice und Alfred Markstahler mit zwei Hunden aus dem Tierdörfli.

An vier Tagen pro Woche sind Beatrice und Alfred Markstahler für das Tierdörfli in Wangen einsatzbereit. Teil III unserer Serie zur Freiwilligenarbeit in der Region Olten.

Am frühen Morgen mit dem Auto ein fremdes Tier zum Tierarzt fahren. Neben einem Baum warten, bis das Eulen-Mami ihr verloren geglaubtes Junges wieder abholt. Eine verletzte Ente aus dem Sumpf retten und über und über dreckig werden. Hunde aufnehmen, die äusserst viel Geduld im Umgang benötigen.

Das sind die Geschichten, die Beatrice und Alfred Markstahler aus Lostorf zu erzählen haben, wenn sie auf ihre Freiwilligenarbeit fürs Tierdörfli in Wangen bei Olten angesprochen werden.

Angefangen hat alles vor etwa zwei Jahren, als Beatrice Markstahler begann, mit den Hunden im Tierdörfli spazieren zu gehen. Da sie selbst nicht Auto fährt, bringt sie jeweils ihr Mann Alfred ins Tierdörfli und wieder zurück. Er selbst wartete im Tierdörfli, da er mit seiner Prothese am linken Bein keine langen Strecken laufen kann. «Irgendwann kam dann die Idee, dass wir ja als Fahrdienst aushelfen könnten», so Alfred Markstahler. «Da wir pensioniert sind, haben wir Zeit dafür.»

Vier Tage pro Woche auf Abruf

Und seither kann Tierdörfli-Leiterin Susanne Klein an vier Tagen pro Woche darauf zählen, dass Alfred und Beatrice Markstahler abrufbereit sind. Jederzeit. Sei es, um Tiere vom Tierdörfli in die Klinik zu fahren oder umgekehrt, halbverwilderte Katzen zu füttern, bei Kastrationsaktionen von besitzerlosen Katzen mitzuhelfen oder schlecht gehaltene Tiere zu fotografieren.

«Zuerst haben wir uns an sieben Tagen pro Woche zur Verfügung gestellt», so der 67-jährige Alfred Markstahler. «Aber das war zu viel.» Wenn sie an einem der Tage verhindert sind, rufen die beiden bei Susanne Klein an, um sich abzumelden. «Das ist kein Problem, schliesslich machen wir alles freiwillig», so die 63-jährige Beatrice Markstahler.

Tierschutzfälle gehören nicht zum Einsatzgebiet. «Wir sind nicht die Leute, die Klingeln gehen, wenn irgendwo Missstände herrschen», so Alfred Markstahler. «Dafür sind wir nicht ausgebildet, das überlassen wir denen, die eine Ahnung davon haben.»

Zu Hause geht das Engagement weiter: Sie nehmen öfters Hunde vom Tierdörfli auf. Aktuell lebt die Appenzeller-Hündin Kira bei ihnen, neunzehnjährig. Frisch bei Markstahlers angekommen, liess sie sich nicht streicheln. Unterdessen fasste sie Vertrauen, einige Macken seien aber geblieben. «Sie frisst nur, wenn wir beide im Raum sind», grinst Beatrice Markstahler.

Die Motivation für ihr Engagement schöpfen die beiden aus ihrer Tierliebe, insbesondere der Liebe zu Hunden. Dass die beiden von ihrer Arbeit überzeugt sind, ist ihnen anzumerken. Deshalb machen sie sich auch nichts aus Meinungen anderer. «Der Nachbar sagt manchmal, wir spinnen», so Alfred Markstahler lachend. «Wenn ich beispielsweise mit einem Jungvogel nach Sempach fahre und wieder zurück. ‹Wegen einem Vogel nach Sempach›, ruft der dann aus. Aber das ist uns ja egal, wir machen das gern für die Tiere.»

Die beiden sehen sich als perfektes Team: Beatrice Markstahler kann Tiere aus unglücklichen Situationen retten, während Alfred Markstahler die Fahrdienste übernimmt.

Nicht jedes Tier hat Glück

Ihre Arbeit hat aber nicht nur schöne Seiten. Nicht jedes gerettete Tier schafft es über den Berg. «Manchmal ist es schwierig, nicht an den Leuten zu verzweifeln, die ihre Tiere nicht artgerecht halten», so Alfred Markstahler. Er sieht aber: «Es gibt ja auch viele, die gut mit den Tieren umgehen können.» Und oftmals geschähen Fehler in der Haltung nicht aus bösem Willen, sondern aus Unwissen.

Einem Umstand, dem das Tierdörfli mit Kursen und Führungen entgegenkommen will. «Und oft sind es ja schöne Momente, die wir bei unserem Engagement erleben», so Beatrice Markstahler. Beispielsweise den Werdegang eines Tiers zu erleben, das sie gerettet haben – von der Genesung bis zur erfolgreichen Weitervermittlung oder zumindest bis zu einem Platz im Tierdörfli. «Wir bekommen durch unsere Arbeit auf jeden Fall etwas zurück», so ihr Fazit. Und so seien sie abends jeweils zufrieden mit der getanen Arbeit. «Das gibt dann ein Highfive – gut gemacht!»

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