Winznau

«Eine Pappmachémaske ist wie ein Möbelstück vom Schreiner» – «Bio» hat sein Hobby zum Beruf gemacht

In Winznau werden im Fasnachtsmasken Atelier Bionda jedes Jahr über 1000 Masken hergestellt - Ein Besuch.

«Im Leben geht es darum, sein Talent zu finden», sagt Bio Bionda. Eigentlich heisst er anders, aber sein Umfeld nennt ihn nur «Bio» – sogar seine Muter – und er will nur so bezeichnet werden. Er steht in seinem Atelier in Winznau, umgeben von Masken aller Art. Der gelernte Zimmermann hat sein Talent gefunden: Er kreiert Fasnachtsmasken. Er hat es zufällig entdeckt, als er 25 Jahre alt und noch in der Oltner Guggemusig Papapalagi war. Damals ging es darum, die Kostüme, Masken und Perücken herzustellen. Für die Perücken musste eine Maschine gebaut werden und Bio's Feuer war entfacht. Seither hat er in jeder Saison Masken und Perücken für verschiedene Cliquen hergestellt. Zuerst hatte er in einem kleinen Atelier in Olten gearbeitet, heute ist er in Winznau und sein Werkstatt umfasst rund 100 Quadratmeter und mittlerweile helfen ihm sechs Leute.

«Natürlich war der Anfang nicht nur leicht.» Das Geld war knapp, da die Produktionskosten zu hoch waren. «Erst als wir 2007 mit den Polystyrolmasken angefangen haben, ging es finanziell besser», erklärt Bio. Vorher wurden die Masken aus Pappmaché kaschiert. «Eine Pappmachémaske ist wie ein Möbelstück vom Schreiner und die aus Polystyrol wie eines aus der IKEA», meint er spitzbübisch.
Wenn Bio etwas sagt, dann meint er es selten ernst. Auch wenn er über seine Gesundheit spricht, fehlt ihm nicht der Humor. Vor zwei Jahren hatte er einen Herzinfarkt, kurz nach der Fasnacht im März. «Vorher hätte ich gar keine Zeit für einen Infarkt gehabt», meint er lachend. Seit diesem einschneidenden Erlebnis hat sich seine Einstellung zur Arbeit verändert. So ärgert er sich nicht mehr wie früher, wenn der Kunde die Nase der Maske ein bisschen länger will. «Als ob beim Umzug jemand sagen würde: Die Maske ist schon schön, wäre doch nur die Nase ein Zentimeter länger.»

«Ich habe mein Hobby zum Beruf gemacht»

Im Nachbarsraum hört das Kreischen einer Maschine auf und seine Frau Sandra kommt herein. Auf ihrem Pullover kleben noch weisse Späne. Sie ist gerade dabei, Kunststoffmasken zuzuschneiden. Sie hilft ihrem Mann wo sie kann. «Für mich ist es aber wichtig, dass ich regelmässig aus dem Haus komme», erklärt sie. Denn das Atelier von Bio befindet sich in seinem Wohnhaus. So arbeitet Sandra Bionda noch als Buchbinderin und in einem Kidz Club. «Ich habe mein Hobby zum Beruf gemacht und daher hatte ich kein Hobby mehr», meint Bio. Er schätzt es zwar, dass sein Arbeits- auch sein Wohnort ist. «Aber das macht es schwierig mal einfach nichts zu tun», meint er. Seit kurzem aber hat er ein neues Hobby gefunden: Er hat sich ein Boot gekauft, dass jetzt auf dem Neuenburger See liegt. Dort ist er gezwungen nichts zu machen oder zu angeln.

Bio hat gerade Hochsaison. In seinem Atelier hängen die Masken an Wänden, von Decken, liegen auf Tischen oder schon fertig verpackt in Kisten. Er beliefert für diese Saison 50 Cliquen, einige sogar in Deutschland, die meisten aber ins Baselbiet und nach Solothurn. Letzte Saison hat er 1300 Masken hergestellt. Dieses Jahr werden es ähnlich viel sein. Die Masken kosten zwischen 33 und 3000 Franken. Für den Mindestpreis kann man einen Rohling kaufen. Das sind weisse Kunststoffmasken, die noch bemalt werden müssen. «Für 3000 Franken machen wir die grossen Masken welche vom Major getragen werden.» Die meisten Cliquen würden ein Angebot zwischendurch wählen, bei dem sie die Masken noch personalisieren.

Der lange Arbeitsprozess hat Bio über die Jahren entwickelt

«Das teuerste an der Maske machen wir fast gratis», so Bio. Damit meint er das Anfertigen der Modelle. Das dauert zwischen acht und zwanzig Stunden. Die Maske modelliert er aus einem grossen Stück Ton. Aus diesem Stück werden dann die Negative gemacht, woraus die Masken gegossen werden. Momentan befinden sich ungefähr 500 verschiedene Maskenmodelle in seinem Atelier.
«Ich bin derjenige, der in unserem Atelier jeden Schritt bei der Entstehung einer Maske austüftelt: Modellieren, giessen, ziehen, kleben, schneiden, anpassen, bemalen sowie nähen und montieren von Perücken und Hüten.» Die Arbeitsschritte hat er über die Jahre perfektioniert. In dieser Zeit hat er auch sein Markenzeichen, die bestimmte Art die Augen zu malen, entwickelt. Trotzdem: «An den Umzügen bin ich mir nicht immer sicher, ob ich die Maske gemacht habe oder nicht, weil es vermehrt wieder Cliquen gibt, die ihre Masken selber bemalen.»

Wenn vor der Fasnacht alle Masken ausgeliefert sind, dann geht auch die Familie Bionda feiern. «Mein Sohn ist in einer Gugge in Lostorf. Wir sind schon seit einiger Zeit nicht mehr aktiv dabei», so Bio. Sie geniessen aber die Fasnachts–Stimmung: «Ausser wenn wieder so ein ‹Dubel› mir die Konfetti in die Unterhose stopfen will.»Das findet Bio nicht lustig.

Früher sei die ganze Familie Bionda maskiert an verschiedene Umzüge gegangen. «So erkannte uns niemand und wir konnten ungestört den Umzug und das anschauen, was wir das ganze Jahr über produziert haben.» Erst im Mai nimmt Bionda die Arbeit in seinem Atelier wieder auf. «Wir werden nächstes Jahr unseren Online Shop ausbauen.» Er hofft, dass er durch das Internet seine Modelle unkompliziert vermarkten kann. Heute bietet er neben Masken und Perücken auch Kleister an. «Wir wollen das dann alles via Webshop vertreiben», sagt Bio. Aber zuerst müssen die letzten Masken fertig gestellt und das Saisonende gebührend gefeiert werden.

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Autorin

Judith Frei

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