Trimbach

Ein Sprung durch die Ballettgeschichte mit dem Dance Studio Olten

Die langjährige Tanzpädagogin Rosmarie Grünig choreografierte die Aufführung des Dance Studios Olten. Im Mühlemattsaal in Trimbach ging die anderthalbstündige Zeitreise über die Bühne.

Man weiss es ja, der König tanzte gerne: 1653 trat Ludwig XIV. im Pariser Louvre gemessenen Schrittes als aufgehende Sonne am Ende eines Tanzstücks auf, mit güldener Sonne als Kopfputz, in goldglänzendem Anzug. Der 15-Jährige, damals schon seit einem Jahrzehnt in seinem königlichen Amt, war ein passionierter Tänzer. Und mit eben dieser legendären Tanzszene eröffnete die Ballettabteilung des Dance Studio Olten eine getanzte, mehr als anderthalbstündige Zeitreise im Trimbacher Mühlemattsaal vom barocken Hof des Sonnenkönigs bis ins tanzfreudige Olten von heute.

Einige der wichtigsten Tanzszenen aus der 350-jährigen Ballettgeschichte choreografierte Rosmarie Grünig, die initiative Leiterin der Ballettabteilung, im ersten Teil der Jubiläumsaufführung. Im Dance Studio Olten von Ursula Berger unterrichtet die Tanzpädagogin seit 40 Jahren; für ihre Tätigkeit erhielt sie im letzten November den kantonalen Preis für Tanz. Die sorgfältig einstudierten Tanzvignetten sind alle den Originalchoreografien nachempfunden, angepasst aber sind sie auf das unterschiedliche Können der gegen 100 Schülerinnen aller Altersstufen – von den quirligen 4-jährigen Mädchen bis zu den jungen Ballerinen am Ende ihrer vorprofessionellen Ausbildung.

Augenzwinkernd, aber immer mit der nötigen Ehrerbietung vor den grandiosen Vorbildern erzählt Grünig beispielsweise von der Erfindung Spitzentanzes durch die Pariser Ballerina Marie Taglioni und deren Rivalität zu einer österreichischen Kollegin. Und zum Spitzentanz gehören Szenen aus der Ballettpantomime «La Sylphide», die in der Kopenhagener Fassung seit 1836 bis heute ununterbrochen aufgeführt wird. Rosmarie Grünig erweiterte jedoch die traditionellen Bournonville-Tänze durch eine Szene mit den Allerjüngsten, die als kleine Sylphiden über die Bühne huschten und ihren Spass am Tanzen dem begeisterten Publikum zeigten.

Auch die Feen aus dem «Dornröschen» waren noch sehr jung, die zwei putzigen Katzen überzeugten und ebenso witzig gelang die Überraschung in den «Schwanensee»-Szenen, wo zum guten Schluss aus den üblichen vier kleinen Schwänen gar stolze sechzehn wurden. Wenn die kleinen Ballett-Elevinnen mit den fast professionellen Ballerinen gemeinsam auf der Bühne waren, liess sich besonders schön beobachten, welch weiter Weg zurückzulegen ist vom spielerischen Durcheinander der Kleinen in bonbonbunten Tutus bis zur Präzision der stolzen Schwanenkönigin im weissen Rock und ihrem Gefolge in makellos weissen Tüll-Tutus.

Packende Ballettmoderne

Wie sich der Tanzstil in unserer Zeit wandelt, zeigten Rosmarie Grünig und ihre Tänzerinnenschar nach der Pause. Eine Hommage an den Ausdruckstanz der Jugendstilzeit und an das skandalträchtige Strawinsky-Ballett «Le Sacre du Printemps» liessen erahnen, dass Ballett mehr sein kann als bloss lieblich-romantische Unterhaltung. Die beiden Stücke leiteten über zu den witzigen Hühnerszenen der Londoner Fassung der Tanzkomödie «La Fille mal Gardée», des ersten Handlungsballetts, das nicht in höfischen Kreisen spielt.

Und wieder wurden die Kleinen einbezogen: In einem vorgespielten Examen der Royal Academy of Dance, nach deren bewährtem Lehrplan Grünig unterrichtet. Ein Höhepunkt folgte dem anderen, drei seien noch besonders erwähnt: «Rubinrot», die Adaption eines Teils von George Balanchines neoklassischem Tanzjuwel «Jewels» war ein Augenschmaus, von der Erinnerung an «Chäs», Heinz Spoerlis ironisch-heiterer Auseinandersetzung mit Schweizer Volkstänzen, hätte man liebend gerne mehr gesehen. Und mit «Blossom» brillierten die besten Tänzerinnen des Dance Studios. Eine gelungene Jahrespräsentation.

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