Schönenwerd

Ein mörderisches Abendessen sorgt für beste Unterhaltung

Der «Käse Killer» ist die Käse-Komödie schlechthin. Mit der vierten Aufführung des Stücks trat die Dinner-Krimi-Gruppe am Sonntag im Hotel Storchen in Schönenwerd auf und sorgte für drei Stunden Unterhaltung.

Ein Dinner-Krimi, was darf man sich darunter vorstellen? «Ich möchte einfach nicht tot sein und dann nicht essen können», sagt eine Teilnehmerin lachend vor dem Beginn des Events. Das Hotel Storchen in Schönenwerd veranstaltete am Sonntag ab 17 Uhr erneut das beliebte «Dinner-Krimi»-Programm, das nun seit bald zehn Jahren im Hotel durchgeführt wird.

Keiner der rund 70 Besucher scheint jedoch zu wissen, was auf ihn zukommt, als plötzlich beim Apéro in der Bar des Hotels Schauspieler den Raum betreten und sich unter die Leute mischen. Jedem Besucher wird mit einer Karte eine Rolle im Stück zugeteilt.

Unerwartete Einladung zu einer Hochzeit

«Herzlich Willkommen zur Vermählung unserer Tochter Babybelle Tilsiter mit Edam Sbrinz!» Man ist also zu einer Hochzeit eingeladen! Vater und Mutter Tilsiter bitten die Gäste, sich in den zweiten Stock zu begeben, wo sie ein vollständig und gediegen gedeckter Saal erwartet. Kaum haben alle Platz genommen, geht es weiter: Pfarrer Gerber — ja, Gerber, wie das Fondue — startet die Trauung.

Doch Bräutigam Edam geht es nicht so gut und Braut Babybelle rennt weinend zu ihrer Trauzeugin. Beide möchten nicht heiraten, doch das hält den Pfarrer nicht auf, sie zu trauen. Kurz nach dem Ja-Wort, fällt Edam Sbrinz wie vom Blitz getroffen tot um. Dann kommt auch noch die Frau Tilsiter hineingerannt: Theo Tilsiter sei mit 67 Schusswunden «durchlöchert wie ein Emmentaler» tot aufgefunden worden.

Raffinierte Käse-Wortspiele und ein Vier-Gänge-Menü

Überfordert von den vielen Informationen kommt die Vorspeise den Gästen dann gerade recht: Enten-Mousse und Campari-Gelée, Brüsseler Spitzen an Walnuss-Dressing und ein Brioche-Brötchen sowie — selbstverständlich — Weisswein wurden serviert. Zwischen den Akten wird jeweils ein Gang des Vier-Gänge-Menüs serviert. Und Zeit für Diskussionen und Unterhaltung gegeben.

Manche der Besucher erhielten den «mörderischen» Abend als Geburtstagsgeschenk und hatten bis vor einigen Minuten noch keine Ahnung, worauf sie sich eingelassen hatten. Andere verbringen einen unterhaltsamen Abend mit der Familie oder im Rahmen einer Firmenfeier mit Arbeitskollegen. Nach rund einer halben Stunde kulinarischem Genuss und zuvorkommendem Service geht die Aufführung mit steigender Komplexität, herrlicher Situationskomik und raffinierter sowie zum Teil flachen, aber schlichtweg genialen Käse-Wortspielen weiter.

Peng, peng! Und schon gab es vier Morde

Der «sexy Geheimagent Fort, Rock Fort» ist nun vor Ort, um den Fall mit bisher zwei Toten aufzuklären: Wer ist der Mörder von Theo Tilsiter und woran starb Bräutigam Edam Sbrinz? Mit dem Auftauchen der verführerischen Laborantin Raclette verkompliziert sich die Situation: Streckt die Familie Tilsiter etwa ihren Käse mit Glutamat? Eine attraktive italienische Dame namens Bufala Mozzarella bringt noch mehr Chaos ins Spiel: Sie wirft den Tilsiters vor, Babybelle als Baby von ihr, der leiblichen Mutter, entführt zu haben.

Während draussen vor den Fenstern des Hotels Storchen ein kräftiger Sturm tobt und der Wind pfeift, geht es im Saal heiss zu und her: Peng, peng! Innerhalb weniger Augenblicke steigt die Zahl der Toten auf vier und die Hirne der Gäste laufen auf Hochtouren.

Doch wer ist der Mörder?

Die zwei nächsten Gänge schaffen Zeit für noch mehr Diskussionen und Gespräche an den runden Esstischen. «Es ist schön, nicht einfach nur Unterhaltung zu konsumieren, sondern sich zwischendurch auch unterhalten zu können», kommentiert eine Besucherin aus dem Freiamt. In der Tat bereitet es grosse Freude, während dem Essen über die Handlung zu sprechen und über die Identität des Mörders zu spekulieren. Nach köstlicher Morchel-Velouté und einem saftigen Stück Rindshohrücken an Bourbon-Whisky-Jus beginnt dann der letzte Akt.

Was dort passiert, wird hier jedoch nicht verraten, doch Vergnügen und «Aha-Effekt» sind in der mit allerlei Klischees beladenen Komödie garantiert. Zum Abschluss verwöhnte die Küche ihre Gäste mit dem Dessert — ein Pistazien-Haselnuss-Parfait im Schokoladenmantel mit Röteli-Zwetschgen — und rundete den Abend ab.

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