Vivian W.* musste sich vor zwei Wochen vor dem Amtsgericht Olten-Gösgen verantworten. Ihr wurde mehrfacher Betrug, einfache Körperverletzung und Urkundenfälschung vorgeworfen.

Die heute 44-Jährige bestritt, den Geschädigten Eduard L.* manipuliert und um 170'000 Franken betrogen zu haben. Die Verteidigung und die Staatsanwaltschaft berichteten den Vorfall aus dem Jahr 2015 in komplett anderer Art und Weise.

«Das habe ich nicht so gesagt»

Am Donnerstagmorgen fand die mündliche Urteilseröffnung statt: Vivian W. erschien mit ihrem Anwalt vor Gericht. Während Amtsgerichtspräsident Pierino Orfei den Vorfall nochmals aufrollte und das Urteil begründete, schüttelte die Angeklagte mehrmals den Kopf. Einmal unterbrach sie den Gerichtspräsidenten: «Das habe ich nicht so gesagt.»

Das Amtsgericht Olten-Gösgen spricht Vivian W. in den Punkten des mehrfachen Betrugs, der einfachen Körperverletzung und der Urkundenfälschung schuldig. Orfei erklärt: «Die Handlungsabläufe waren nicht etwa zufällig, sondern Teil des Plans der Angeklagten. Sie liess den Geschädigten im Glauben, ihn heiraten zu wollen.»

Angeklagte habe sich bereichert

Vivian W. verfüge über eine hohe kriminelle Energie, habe sie sich doch innert nur drei Tagen das Vertrauen des heute 84-Jährigen erschlichen und sich zu seinem Nachteil bereichert. Das Amtsgericht sieht deshalb einen direkten Vorsatz im Anklagepunkt des mehrfachen Betrugs. «Insgesamt lässt sich das Verschulden der Angeklagten gerade noch als leicht beurteilen», so Orfei.

Vivian W. wird vom Amtsgericht Olten-Gösgen zu einer teilbedingten Freiheitsstrafe von 36 Monaten verurteilt. Davon ist ein Jahr unbedingt. Die restlichen 24 Monate fallen bedingt aus, mit einer Probezeit von vier Jahren. Von einem Landesverweis sieht das Gericht ab. Weiter muss Vivian W. dem Geschädigten eine Genugtuung von 1000 Franken sowie Schadenersatz von 30'000 Franken zuzüglich fünf Prozent Zins zahlen.

Der Verteidiger von Vivian W. reichte direkt im Anschluss an die Urteilseröffnung Berufung ein. Die nächste Instanz wird den Fall nun behandeln.

* Namen von der Redaktion geändert.