Saint-Ursanne

Ein Bijou plätschert wieder wie neu – auch dank eines Schönenwerders

Als die Sanierung anfing: Jean-Pierre Racine (Mitte) mit dem Steinmetz André Vuille (links) und Stadtpräsident Jean-Paul Lachat.

Als die Sanierung anfing: Jean-Pierre Racine (Mitte) mit dem Steinmetz André Vuille (links) und Stadtpräsident Jean-Paul Lachat.

Jean-Pierre Racine aus Schönenwerd engagierte sich für die Sanierung eines Brunnens in Saint-Ursanne JU.

Es war Liebe auf den ersten Blick: «Saint-Ursanne ist ein wunderschönes Städtchen», schwärmt Jean-Pierre Racine (80). Durch seine Bekannte Lisbeth Felber, die dort ein Zweitdomizil besitzt, kam der Schönenwerder vor einigen Jahren hinunter ins stille Doubs-Tal. Felber hat sich als Spezialistin für alte Natursteinbrunnen einen Namen geschaffen und betreibt im aargauischen Suhr das «Brunnen-Paradies».
Beim Gang durch die mittelalterliche Altstadt fiel Racine auf, dass die spätmittelalterlichen Brunnen marode ausschauten. «Die Steintröge waren ramponiert, die Wasserröhren defekt, da und dort wurden Risse einfach mit Zement geflickt.»

Als Racine hörte, dass für eine Sanierung Geld gesammelt werde, entschloss er sich, die Kosten für einen Brunnen zu übernehmen. «Ich habe mir den Brunnen ‹Fontaine de la Laiterie› ausgesucht, weil mit der so gut gefällt.» Der «Brunnen der Molkerei» besteht aus einem hohen Brunnenstock, auf dem ein Kapitel mit einer Kugel auf einem Blattgeflecht ruht. Seitlich liegen zwei grosse Brunnentröge. Mit diesen verbunden sind zwei kleine Becken, sogenannte «Sudelbrunnen».

Einst eine Viehtränke

Der Brunnen aus dem Jahr 1677 ist ein historisches Baudenkmal in der autofreien Altstadt von Saint-Ursanne. Seine Funktion hat sich geändert: «Der Brunnen wurde nicht, wie andere Brunnen, zum Waschen benutzt, sondern diente als Viehtränke», weiss Racine. Heute gibt es zwar keine Kühe mehr, die sich am kühlen Nass gütlich tun. Aber Kinder spielen gerne im Sommer darin und Touristen fotografieren das formschöne Ensemble.

Racine sorgte dafür, dass die Finanzierung für die Sanierung sichergestellt war. Es handelt sich um eine fünfstellige Summe, den genauen Betrag möchte er nicht nennen. Steinmetz André Vuille aus Glovelier JU machte sich an die Arbeit. «Er demontierte den Brunnen und brachte die beiden kleinen Tröge in seine Werkstatt.» Dort flickte er die undichten Stellen mit dem passenden Stein. Als er den Sockel hochheben wollte, zerbrach dieser und musste vor Ort repariert werden.

Die Sanierung sollte letztes Jahr beendet werden. Doch es kam anders: «Die Archäologen fanden im ganzen Städtchen Skelette, auch vor dem Brunnen, daher dauerten die Bauarbeiten über zwei Jahre», so Racine. Am 26. September 2020 war es nun so weit: Der frisch sanierte Brunnen wurde eingeweiht.

Tagesprogramm war eine Überraschung

Racine wusste nicht, was an diesem Tag alles geschehen würde. Gut hundert Gäste reisten aus der Region an, manche gratis mit einem Car, andere selbstständig. Schon der Anfang überraschte ihn: «Meine Frau und ich wurden von einer Kutsche mit zwei weissen Schimmeln angeholt.» Zwei Mädchen überreichten ihm den Schlüssel, den er dem Brunnmeister weitergab. Dieser drehte damit die Wasserzufuhr auf und das Wasser plätscherte in die neu renovierten Tröge.

Racine hielt eine Dankesrede auf Französisch. Die Bevölkerung nahm das Geschenk sehr wohlwollend auf. «Die Jurassier sind ein festfreudiges Völklein, man geht gerne zusammen in die Beiz.» So wurde aus der Brunneneinweihung ein kleines Volksfest mit Musik. Auch ein jurassischer Regierungsrat und der Gemeindepräsident von Sainte Ursanne nahmen an der Zeremonie teil.

Racine ist sehr zufrieden mit dem Resultat. «Alles ist tipptopp.» Nun werden noch die Pflastersteine auf dem Platz angepasst. Diese wurden provisorisch verlegt, denn eigentlich sollte dieses Jahr noch das Bergrennen nach Les Rangiers stattfinden. «Wegen Corona wurde dieses aber abgesagt», sagt Racine. Dafür kann nun die definitive Umgebungsgestaltung zügig ausgeführt werden.

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