Es ist nicht gerade ein Anblick, der an marktfrisches Frühlingsgemüse erinnert: Chamäleonartig scheinen sich die Kirschplantagen unter grauen Abdeckungen in den Nebel einzufügen. Ebenso wie bei den Vlies-Folien über den Erdbeerfeldern handelt es sich dabei um Frostschutzmassnahmen.

Die Produkte des Winznauer Gemüsegärtners Roman Grob haben den Klimaschrecken der letzten Tage nicht alle heil überstanden. Die kurzfristige Überdeckungsaktion seiner Felder bezeichnet Grob als «Alibi-Übung», um in letzter Minute noch ein wenig Widerstand gegen den Frost zu leisten. Danach könne man nur noch abwarten und hoffen.

Fast schon im Minutentakt habe er in der ersten eisigen Nacht die Bodenfeuchtigkeit und die Aussentemperatur an den Standorten Winznau und Lostorf überprüft. Jedes halbe Grad tiefer in den Minusbereich schmerze. Und mit leicht gedämpfter Stimme fügt er an: «Der Schaden ist immens.» Sicher die Hälfte der Kirschernte sei zerstört.

Ein Blick auf das Erdbeerfeld lässt nicht viel mehr Hoffnung übrig: «Die Kultur hatte dieses Jahr zwei bis drei Wochen Vorsprung.» Doch die Eile der Früchte wurde nicht belohnt, im Gegenteil. Je grösser eine Pflanze war, desto mehr war sie der Frostkälte ausgesetzt. Die Natur habe quasi selbst das Gleichgewicht des natürlichen Wachstumszyklus wiederhergestellt.

Erntezeit wieder im Durchschnitt

Bereits Anfang April, und somit rund 14 Tage früher als üblich, konnte sich die Bevölkerung dieses Jahr an Winznauer Grünspargeln erfreuen. Doch wer demnächst grüne Spargeln aus der Region kaufen möchte, muss sich gedulden. Mindestens zwei Wochen werde es dauern, bis sich die grünen Spargeln wieder vom Frost erholt hätten. Dieser wirke wie eine akute Wachstumsbremse beim Gemüse.

Leer bleibt der Marktstand von Grob deswegen keineswegs. Um die verzögerte Ernte zu überbrücken, importiert er Grünspargeln aus wärmeren Ländern. Es gebe Kunden, die auf die Produkte nicht verzichten wollten, und dieses Bedürfnis stehe dann häufig oberhalb dem eigens verordneten Prinzip der Regionalität: «Die Leute tun immer so, als hätten sie Verständnis für saisonal bedingte Angebotsschwankungen», sagt der Gemüsegärtner. Doch haben sie das auch wirklich? Manchmal zweifle er stark daran.

Ein Grossteil der Bevölkerung habe sich längst daran gewöhnt, dass im Handel alle Produkte das ganze Jahr über verfügbar wären. «Unsere Marktbesucher kaufen wöchentlich zu 80 Prozent dasselbe ein», sagt Grob und sieht darin die Bestätigung, dass die Kochgewohnheiten vieler bereits saisonunabhängig verankert sind. So gäbe es Leute, die auch im Winter bei ihm Peperoni und Brokkoli nachfragten.

Wer saisonal kochen will, muss sich während den kälteren Monaten nebst gelagertem Gemüse an Alternativen wie Wurzelgemüse oder Federkohl bedienen. Doch vielen Kunden reiche diese Produktauswahl nicht. Dies führt dazu, dass auf dem Wochenmarkt im Winter lediglich etwa die Hälfte seiner Produkte aus regionalem Anbau stammt. «Auch wir müssen dem Markt gerecht werden und eine möglichst attraktive Produktpalette für unsere Kunden anbieten», sagt Grob.

Zuversicht vor Wehmut

Gerne würde der Winznauer Gemüsegärtner ganzjährlich, so wie er es im Sommer kann, fast ausschliesslich regionale Produkte anbieten. Dies jedoch setze auch ein Umdenken der Bevölkerung voraus. «Vielleicht liegt es an uns regionalen Produzenten, die Kunden zu erziehen», sagt Grob.

Ein erster Schritt zur Sensibilisierung der Kunden sei etwa das neu lancierte Gemüsekistli von «Buur on Tour». Seit Anfang April liefert Grob gemeinsam mit zwei weiteren Gemüsebauern aus der Region einmal wöchentlich eine Auswahl an Früchten und Gemüsen direkt zum Kunden nach Hause. Der Inhalt kann beliebig zusammengestellt werden aus Waren, die allesamt aus regionaler Produktion stammen. Es sei ein Experiment, das noch in der stetigen Entwicklung stecke: «Wir sind gut gestartet, die weitere Entwicklung ist noch offen.»

Auch wird sich demnächst zeigen, wie drastisch die Auswirkungen des April-Frosts auf die Ernte tatsächlich waren. Sobald es wieder wärmer wird, wagt Grob einen ersten Blick unter die grauen Abdeckungen, um die effektiven Folgen abschätzen zu können. Ein zweiter Schreck bleibt ihm dabei womöglich nicht erspart. «Wir lassen uns überraschen», sagt Grob mit der von ihm gewohnten Zuversicht.

Und doch ist auch an seinen Augen die Wehmut deutlich abzulesen, wenn er auf seine Kirschplantagen schaut: «Die Kirschbäume waren zu Frühlingsbeginn wunderschön, noch nie zuvor habe ich so viele Knospen gesehen.» Es wäre wahrhaftig ein gutes Jahr geworden – nicht zuletzt auch dank dem Frühlingsfrost von 2016, der ideale Bedingungen für das Folgejahr geschaffen hatte.