Noch ist der Turm mit Blachen eingekleidet. «We keep it a secret», sagt Sachedanandam Mahankali Nagarajan und schmunzelt. Der Architekt aus Indien meint damit: Noch ist es ein Geheimnis, wie der 15 Meter hohe Turm des Sri-Manonmani-Ampal-Tempels in Trimbach aussieht.

Sechs Jahre nach der feierlichen Einweihung des Hindu-Tempels ist der religiöse Bau nun ganz fertig. Darüber freut sich Nadarasalingam Sathasivam besonders. Er ist der Präsident des Vereins zur Förderung der tamilischen Kultur in der Schweiz, der seinen Sitz ebenfalls in Trimbach hat. «Wir sind sehr stolz», sagt er. Für den Verein war dies denn auch ein Grossprojekt: Rund 200'000 Franken investierte er in den Torturm, von den Gläubigen auch Gopuram genannt.

Die Finanzierung war der Grund, weshalb der Turm bei der Tempeleröffnung im März 2013 noch nicht fertig war: Damals reichte es lediglich für den Rohbau aus grauem Beton. Schliesslich kostete das Projekt – inklusive Turm – rund vier Millionen Franken. «Wir haben die Prioritäten so gesetzt, dass wir als Erstes das Innere unseres Tempels ausbauen und schmücken», erklärte der damalige Vereinspräsident Ramalingam Vasanthavajan (wir berichteten). Der Hindu-Tempel in Trimbach gehört zu den grössten dieser Art in Europa. Der Lostorfer Günter Hildebrand ist der Architekt des Gebäudes.

Tempel-Architekt in zehnter Generation

Seit drei Jahren arbeitet Turm-Architekt Nagarajan mit sechs Mitarbeitenden an der Konstruktion und Ausgestaltung des Turmes. «Am wichtigsten ist, dass man unseren Tempel nun bereits von Weitem am Turm erkennt», sagt Vereinspräsident Sathasivam. Die Tempelbaukünstler verbrachten jeweils die Sommermonate in der Schweiz. Nagarajan und seine fünf Brüder haben gemeinsam das Tempelbau-Unternehmen SKN Temples aufgebaut, das zwar in Indien stationiert, aber weltweit tätig ist. Die Geschwister führen die Tradition in zehnter Generation fort. «Wir haben schon in den USA, in Deutschland, London oder Holland hinduistische Tempel gebaut», sagt Nagarajan.

Die Schweiz gefalle ihm als Arbeitsort gut. Und er kenne den Trimbacher Tempel bereits: «Ich habe bei der Konstruktion des Gebäudes mitgearbeitet.» Seit 2016 pendelt er zwischen Indien und der Schweiz hin und her. Eine tolle Arbeit, sagt er. Dennoch vermisse er seine Familie und seinen kleinen Sohn in Indien.

Aus dem schmucklosen Beton-Turm wurde in den vergangenen Monaten ein fast schon kitschiges, farbenprächtiges Erkennungsmerkmal. Auf den Stufen des Turms ist die Göttin Manonmani Ampal in hundert verschiedenen Ausführungen abgebildet. Ihr ist der Hindu-Tempel gewidmet. Die Statuen wurden aus Beton geformt und schliesslich angemalt. «Alles von Hand», sagt Nagarajan. Stolz schwingt in seiner Stimme mit. Auch wenn es sein achter Tempel ist, den er als Architekt konstruiert.

Turm darf bis 2031 nicht mehr berührt werden

In einem Monat, am 15. September, findet die feierliche Einweihung des Turmes statt. Priester Muthukkumaran wird ihn segnen. Und zum vorerst letzten Mal berühren: «Zwölf Jahre lang dürfen wir den Turm und die Statuen nicht anfassen», erklärt Architekt Nagarajan.

Kleinere Schäden durch die Witterung oder verblasste Farben, alles bleibt, wie es ist. Im Jahr 2031 wird Nagarajan wieder in die Schweiz kommen. «Dann müssen wir den ganzen Turm sanieren», so seien die Regeln. Dasselbe gelte übrigens für die Statuen, Ornamente und Altare im Innern des Tempels: Diese wurden 2013 eingeweiht und müssen 2025 erneuert werden.

Am Sonntag, 15. September, wird der Turm des Hindu-Tempels eingeweiht. Das Hauptritual findet zwischen 9 und 10 Uhr statt.