Schönenwerd

«Der Garten soll helfen, die Artenvielfalt zu erhalten»

Im «Naturgarten» von Werner Geissmann in Schönenwerd leben einheimische und fremdländische Pflanzenarten nebeneinander.

Jenseits der Schwelle beim Gartentor, in die mit Steinen die Jahreszahl «1901» eingelassen ist, beginnt ein verwunschenes Pflanzenreich. Werner Geissmann (70) führt die Besucher in seinen «Naturgarten», wie er die Anlage bezeichnet. Ein schmales Weglein führt durch dichten Bewuchs verschiedener Sträucher zu einer Art Lichtung hinter dem Haus. «Das Gras mähe ich nur zweimal im Jahr», kommentiert Geissmann den hohen Bewuchs, der allerdings vom kürzlichen Hagelschlag niedergedrückt wurde. Auch am kleinen Teich, den Geissmann anlegte, hat der Hagel seine Spuren hinterlassen. Ein Bild der Verwüstung, was Geissmann aber mit einem Schulterzucken quittiert. Die Natur ist hier sich selber überlassen.

Als der gebürtige Freiämtler vor zwölf mit seiner Partnerin einzog, faszinierte ihn sein Garten sosehr, dass er begann, ein «Gartentagebuch» zu führen. Sorgfältig notierte er alle vorhandenen Pflanzen und Tiere und fotografierte sie. Aus dieser minutiösen Arbeit ist ein Buch entstanden, das er im Selbstverlag herausgegeben hat: «Wildnis im Naturgarten» heisst das reich bebilderte Werk. «Naturschutz war mir immer ein grosses Anliegen», sagt der ehemalige Maschinenbauer. «Der Garten soll helfen, die Artenvielfalt zu bewahren.»

Daher hat er auch ein «Insektenhotel», eine Art Setzkasten mit löchrigem Holz und Astwerk, sowie ein Vogelbecken aufgestellt.

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Da sich der Mensch immer mehr Siedlungsraum beanspruche, werde der Platz für Flora und Faune immer kleiner. «Dieser Garten soll auch eine Verbindungsfunktion haben, damit Tiere einen Lebensraum im Dorf vorfinden.» Die Asthaufen entlang der Gartenmauer dienen Igeln als Unterschlupf.

Viele Pflanzen, die seine Vorgänger des Hauses, unter anderem ein Notar, aufgezogen haben, liess Geissmann stehen. «Als das Haus gebaut wurde, war es Mode, Arten aus allen Erdteilen herbeizuschaffen.» So finden sich ein Japanischer Schneeball oder eine Scheinzypresse auf dem Grundstück. Teils lässt Geissmann sie stehen, teils entfernt er sie und ersetzt sie durch einheimische Sorten.

Gemüse und Obst findet sich auf dem Grundstück fast nicht. «Dafür habe ich keine Zeit», meint Geissmann lachend und pflückt ein paar reife Sanddorn-Früchte direkt vom Baum.

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Hinweis: Der Garten von Werner Geissmann an der Burgstrasse 8 in Schönenwerd ist im Rahmen der «Offenen Gärten» am kommenden Samstag und Sonntag von 12 bis 16 Uhr geöffnet. Eintritt frei. Das Buch «Wildnis im Naturgarten» kann bei ihm direkt bezogen werden.

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