Gretzenbach

Der Dorf-Biber hat ausgeknabbert

Anton Küpfer und seine Frau Grazyna zeigen die Biberspuren am Rest des mittlerweile gefällten Apfelbaums.

Anton Küpfer und seine Frau Grazyna zeigen die Biberspuren am Rest des mittlerweile gefällten Apfelbaums.

Seit September war in der Weid ein Biber unterwegs – nun ist der Nager tot.

Es war der Morgen vom 2. September, als Grazyna Küpfer das Bild auf Facebook entdeckte: Drei junge Apfelbäume, einer davon gefällt – deutlich das Werk eines Bibers. Das Foto hat ein Nachbar Küpfers, Kurt Spielmann, geschossen. In der Nacht hat offensichtlich ein Biber im Garten des Gretzenbachers gewütet.

Die Story machte im Dorf schnell die Runde, denn damit, in einem rund zwei Kilometer von der Aare entfernten Wohnquartier einen Biber anzutreffen, hätte niemand gerechnet. Der Biber hinterliess aber nicht nur in Spielmanns Garten seine Spuren, auch an anderen Orten konnte man diese entdecken.

«Mein Mann und ich gingen mit dem Hund am Bach spazieren und sahen dann auch dort angeknabberte, alte Apfelbäume», so Küpfer. Auch ihr Ehemann Anton Küpfer war vom aussergewöhnlichen Standort des Bibers überrascht und begann sogleich damit, den Arbeitsfortschritt des Tiers an den Apfelbäumen fotografisch zu dokumentieren.

Anwohner freuen sich über Biber

«Am Anfang sah man nur einige Späne, die Bäume waren nur leicht angekratzt», so Anton Küpfer. Wegen des Tempos, in welchem die Baumstämme schrumpften, war für ihn klar, dass es sich um einen Einzelgänger handeln musste. Von dessen Arbeit berichtet das Ehepaar begeistert: «Es ist unglaublich faszinierend, zu sehen, wie ein solches Tier arbeitet und wie viel es ausrichten kann», so Grazyna Küpfer.

Fast täglich ging ihr Ehemann vorbei, um sich das Werk des Nagers anzusehen, und freute sich jedes Mal über die fortgesetzte Arbeit. «Interessant ist auch, dass er nur zwei der drei Bäume angefressen hat. Der dritte ist innen morsch, das muss er gerochen haben», so Küpfer. Auf seinen Fotos kann man den Fortschritt gut erkennen – vom Anfang, als die Stämme nur leicht angeknabbert waren, bis die Bäume am Schluss fast umzufallen drohten.

Reklamationen über den Eindringling gab es im Quartier keine, alle haben sich über das Tier gefreut. Manche Anwohner sollen ihn sogar gesehen haben. Die Küpfers gehören jedoch nicht dazu: «Natürlich haben wir das gehofft, aber er verschwand wahrscheinlich immer, sobald er Menschen hörte», so Grazyna Küpfer enttäuscht.

Trotzdem sei es schön gewesen, die Spuren des Nagers zu erkunden. Die einzige Sorge, die man sich gemacht habe, sei die Gefahr umfallender Bäume gewesen. Bevor dies geschehen konnte, wurden die Apfelbäume jedoch präventiv gefällt.

Biber-Premiere am Wissbächli

Offen blieb für die Anwohner die Frage: Wie kam der Biber ins Quartier? «Wir sind schliesslich ungefähr zwei Kilometer vom Aareufer entfernt», staunt Anton Küpfer. Laut Gabriel van der Veer von der Fachstelle Fischerei des kantonalen Amts für Wald, Jagd und Fischerei ist dies jedoch ein normales Verhalten für diese Tierart: «Die Jungbiber bleiben zwei Jahre im Familienrevier, dann verlassen sie die Familie und suchen ein eigenes Revier an einem freien Gewässerabschnitt. Im oberen Abschnitt des Gretzenbachs war dieser Biber aber der erste seiner Art», so van der Veer.

Auch dass der Gretzenbacher Biber vorerst alleine unterwegs war sei normal. Grund für das Suchen eines neuen Reviers sei oft, dass es zu viele Jungtiere gibt. «Der Biber sucht sich zuerst ein geeignetes Revier, folgt dann noch eine Partnerin oder einen Partner wird im neu besiedelten Gewässer eine Familie gegründet», erklärt van der Veer.

Fahrer liess sterbenden Biber liegen

Beim Biber von Gretzenbach dürfte dies allerdings schwierig werden, denn seit ein paar Wochen lebt das Tier nicht mehr. Der Gretzenbacher Jagdaufseher Roger Widmer erhielt einen Anruf: «Es hiess, ein Reh sei angefahren worden. Da ich nicht selber vorbeigehen konnte, kümmerte sich ein anderer Jäger um den Fall. Dieser Jäger hat dann festgestellt, dass es sich um einen Biber handelte», so Widmer.

Die Person, die den Nager angefahren hatte, war geflüchtet und hatte den Biber verletzt liegen gelassen. Wegen der Verletzungen und der Schmerzen musste das leidende Tier darauf erlöst werden.

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