Kommentar

Das ständige Hin-und-Her wegen «Corona kantonal»

Im Aargau dürfen 50 Personen zum Gottesdienst, in Solothurn nur 30.

Im Aargau dürfen 50 Personen zum Gottesdienst, in Solothurn nur 30.

Als Pendlerin merke ich immer mal wieder, dass ich nicht nur an einem Ort lebe und an einem anderen arbeite, sondern dass ich auch in einem Kanton lebe und im anderen arbeite.

Das merke ich zum Beispiel, wenn ich einen Feiertag verpasst habe und vor einem geschlossenen Geschäft stehe, oder, bis vor kurzem, wenn ich in der Mittagspause rasch etwas zum Essen holen wollte und keine Maske dabeihatte. Jetzt brauche ich sie in beiden Kantonen. Das vereinfacht es.

«Corona kantonal» beschäftigt mich auch jetzt bei meinem Hin-und-her-Fahren. Im Aargau sind Veranstaltungen und damit auch Gottesdienste mit 50 Personen erlaubt, im Kanton Solothurn nur 30. Im Kanton Solothurn muss ich zudem eine «gegliederte und (...) sortierte, elektronische Gästeliste (…) erheben», im Aargau geht es auch auf Papier. An beiden Orten braucht es ein Schutzkonzept. Darf ich noch Besuche im Spital oder Altersheim machen? Ich bin verwirrt und merke so langsam, dass ich nach einem dreiviertel Jahr Corona nicht mehr ganz auf dem Schirm habe, was wann wo gilt. Offen gesagt: So langsam macht mich Corona müde. Und das schon lange vor Weihnachten. Denn das kommt jetzt in meinen planerischen Blick als Pfarrerin und auch in den Blick von uns und vielen anderen Familien, die gerne gemeinsam feiern würden. Wird das möglich sein? Wann, wo und in welchem Rahmen?

So verfolge ich die kantonalen Fallzahlen, übrigens im Kanton Solothurn bisher immer leicht unter dem Aargau. Wie sieht es aus in unserer Kirchgemeinde? Bezirke Gösgen 15, Olten:29; Gösgen 25, Olten 26. Sinken sie endlich? Ich versuche abzuschätzen, was an Weihnachten wo möglich sein könnte.

Das Hin-und-her-Überlegen versetzt mich in Stress. Und deshalb versuche ich jetzt, so früh wie möglich Klarheit zu schaffen und notfalls etwas abzusagen. Ich entscheide jetzt:

Schutzkonzepte: einfach am strengeren Kanton orientieren; die Weihnachtsfeier für die Familien der Kirchgemeinde: nach draussen verlegt; das sonst jeweils anschliessende gemütliche Würstli-Essen: abgesagt. Private Besuche bei der erweiterten Familie an den Feiertagen: auf unbestimmt verschoben.

Wie viele andere auch wünsche ich mir Klarheit, Planbarkeit und Verlässlichkeit, und natürlich auch wieder mehr Freiheit. Planungssicherheit ist in der jetzigen Situation nur sehr schwer zu haben. Wenn das ständige Hin-und-her-Überlegen ein Ende haben soll, hat das einen Preis. Zum Beispiel, dass wir jetzt schon entschieden haben, mit der Familie Online-Weihnachten zu feiern. Das geht auf jeden Fall und ist zumindest einen Versuch wert. Und bei der Familienweihnachtsfeier der Kirchgemeinde werden wir vermutlich frieren, vielleicht sogar nass werden. Vielleicht wird dieses Weihnachten nicht alles so schön wie gefühlt immer sein, jetzt zu entscheiden und je nachdem abzusagen, nimmt aber für alle Beteiligten Stress aus der Situation. Mir persönlich ist es das wert. Und ich sehe darin sogar noch eine zusätzliche Chance:

Vielleicht zeigen sich uns dieses Jahr neue Einsichten für Weihnachten 2021: Was haben wir im Nachhinein tatsächlich vermisst und was möchten wir auch zukünftig anders machen als gefühlt immer?

Für solche Einsichten braucht es auch meiner Sicht aber eins: Dass es gelingt, Weihnachten 2020 wirklich als besinnliches Fest zu feiern, dass es gelingt, zur Ruhe zu kommen und das Hin-und-Her einmal sein zu lassen und den Stress über all das Unplanbare und Ungewisse wenigstens für ein paar Tage beiseitezulegen. Das wünsche ich mir zu Weihnachten!

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