Lostorf

«Briefmärkeler» mit Leib und Seele: Das teuerste Stück kostete ihn einen mittleren vierstelligen Betrag

Rolf Leuthard neben seinem Einrahmenexponat zum Bad Lostorf. Es beinhaltet zwölf Blätter à je zwei bis drei Belege (Briefe, Karten oder Marken)

Rolf Leuthard neben seinem Einrahmenexponat zum Bad Lostorf. Es beinhaltet zwölf Blätter à je zwei bis drei Belege (Briefe, Karten oder Marken)

Der Lostorfer Rolf Leuthard ist seit einem Monat Zentralpräsident der Schweizer Philatelisten-Verbände und widmet seinem Hobby viel Zeit.

Rolf Leuthard ist eine umtriebige Persönlichkeit. Erst recht seit seiner Pensionierung im Jahr 2011: Er macht Führungen auf Schloss Wartenfels, referiert und berät für das Schweizerische Rote Kreuz über Patientenverfügungen und kümmert sich immer montags mit seiner Frau um die Enkel.

Viel Zeit nimmt sein langjähriges Hobby, das «Briefmärkele», in Anspruch. «Ich sammle schon seit 60 Jahren Briefmarken. Philatelist bin ich jedoch erst seit deren sieben.» Dem Laien erklärt er den Unterschied zwischen dem Briefmarkensammler und dem Philatelisten so: Der Sammler sei jener, der einfach Briefmarken sammle. Der Philatelist hingegen interessiere sich auch für die Geschichte der Marken, Briefe und Postkarten und betreibe entsprechende Forschung. Ziel sei oft, mit Sammlungen oder Exponaten die Geschichte des Postwesens eines Gebiets, eines bestimmten Themas oder einer Briefmarkenausgabe zu erforschen und dies aufzuzeigen.

Gute Punktzahl bei Bewertung

Über Kollegen fand Leuthard zum Verein für Briefmarkenkunde Aarau, zur Schweizerischen Vereinigung für Postgeschichte sowie zu den Philatelisten Olten. Später packte ihn die Faszination Niederamt und er begann zu recherchieren. Seit 2011 nimmt er an postgeschichtlichen Seminaren teil und lernte, wie er seine Recherchen in einem Exponat präsentieren kann. Ein Exponat beinhaltet Marken, Briefe, Postkarten oder Ganzsachen (der Kenner nennt sie Belege) und geschichtliche Informationen.

Nach mehrmaligem Überarbeiten war es 2013 so weit und Leuthard konnte sein Exponat über das Niederämter Postwesen an einer Ausstellung präsentieren. Bei der Bewertung erhielt er auf Anhieb eine Goldbewertung, was ihn dazu qualifizierte, an einer Ausstellung im nächsthöheren Rang teilzunehmen. «Das war ein gewaltiger Ansporn für mich», meint Leuthard rückblickend.

Eine Postkarte vom alten Gebäude des Bad Lostorf.

Eine Postkarte vom alten Gebäude des Bad Lostorf.

Nachdem er auf der höchsten Stufe wieder ausgezeichnet wurde, wurde ihm nahegelegt, damit aufzuhören, weil der Niederämter Postgeschichte keinerlei Bedeutung zufalle. Leuthard: «Meine Ehefrau hat mich im Anschluss wieder aufgepäppelt. Sie meinte, ich solle nicht einfach so aufgeben.» Also begab er sich auf die Suche nach etwas Bedeutungsvollerem, was er 2014 in der Solothurner Postgeschichte fand. «Solothurn kam als Ambassadoren-stadt und Bischofssitz mehr Bedeutung zu.»

Auch mit diesem Exponat besuchte er Ausstellungen im In- und Ausland und wurde prämiert. Darin ist Leuthards liebstes Stück enthalten: Ein Brief von 1673, den ein Schultheiss einem Landvogt vom Bucheggberg geschrieben hat. Das teuerste Stück, dass der mehrfache Grossvater jemals erworben hat, hat einen mittleren vierstelligen Betrag gekostet – das günstigste etwa zehn Franken. Um sie zu ergattern, besucht er Auktionen oder durchsucht das Internet. «Manchmal kommen auch Philatelistenkollegen auf mich zu.»

Neue Themen ausgesucht

Parallel dazu widmete sich der ehemalige Oberst im Militär einem neuen Thema: dem Schweizer Wehrwesen. Er trug Militärbelege zwischen 1798 und 1900 zusammen und kreierte ein Exponat, um die Entwicklung der Armee aufzuzeigen. 2017 stellte er dieses Werk erstmals aus. Daraufhin nahm er sich des Bad Lostorf an, sammelte Belege und stellte ein Einrahmenexponat zusammen. «Bei Themen, die nicht so ergiebig sind, wird nur ein Rahmen gefüllt», erklärt der 68-Jährige. In einem Rahmen sind zwölf Blätter à je zwei bis drei Belege drin. Für eine Ausstellung auf der Einsteigerstufe muss ein Teilnehmer drei bis fünf Rahmen zur Schau stellen. Je höher die Stufe, desto mehr Rahmen sind gefragt.

Ein besonderes Exemplar: Ein Brief aus Paris, adressiert an Madame Scheurer, wohnhaft bei den Gebrüdern Guldimann in Lostorf bei Olten.

Ein besonderes Exemplar: Ein Brief aus Paris, adressiert an Madame Scheurer, wohnhaft bei den Gebrüdern Guldimann in Lostorf bei Olten.

Seit dem 1. Januar 2019 amtet Rolf Leuthard als Zentralpräsident des Verbands der Schweizer Philatelisten-Vereine und ist «Schirmherr über 4500 Philatelisten und 110 Vereine», wie er sagt. An der Philatelie fasziniert Rolf Leuthard nicht nur die Materie selbst, sondern auch die «Kontakte mit Menschen in diesem Netzwerk».

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Autor

Rahel Bühler

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