«Biscuits», «Bonbons», «Thé & café». Fein säuberlich sind die Vitrinen im Ausstellungsraum des Zündholzmuseums in Schönenwerd angeschrieben. Im Innern der Glasschränke befinden sich denn aber nicht Schlecksachen und Confiserie-Artikel, sondern deren Verpackungen.
Der Däniker Gemeindepräsident Matthias Suter sammelt seit seinem achten Lebensjahr leidenschaftlich Blechdosen. «Ich stamme aus einer Sammlerfamilie. Als wir einmal in Moutier an einer Brocante waren, sah ich eine Blechdose mit dem Tower von London drauf. Die hat mir so gefallen, dass ich sie vom Verkäufer gratis erhalten habe», berichtet er. Dieses Stück sei auch heute noch bei ihm zu Hause. Seither lassen ihn die Behältnisse nicht mehr los. Auch heute leuchten seine Augen auf, wenn er darüber referiert: «Die aufwendigen Sujets, Formen und Verarbeitungen finde ich faszinierend.»

Nun stellt er seine Sammlung seit April 2018 im Zündholzmuseum in Schönenwerd aus. Die komplette Sammlung ist allerdings nicht zu sehen. Im Saal werden 114 Dosen ausgestellt. Suters Arsenal hingegen ist einiges grösser: «Ich habe zwischen 2000 und 2500 Dosen in meinem Besitz.» In seinem Eigenheim in Däniken sind sie in zwei Zimmern ausgestellt. Die Älteste stammt noch aus dem 19. Jahrhundert. «Mich faszinieren auch die Firmen, die die Dosen zu Werbezwecken hergestellt haben.» Unter den vielen Namen, die heute höchstens noch in der Erinnerung existieren, tauchen auch einige Firmen auf, die es heute noch gibt: Kambly, Caran d’Ache, Wernli.

«Vieles läuft übers Internet»

Während der Politiker früher oft an eine Brocante, an Flohmärkten und in Antiquitätenläden anzutreffen war – «Wir fuhren dann einfach so schnell nach Genf oder St. Gallen» – ist er heute nicht mehr so aktiv: «Derzeit finden etwa 15 neue Stücke pro Jahr den Weg in meine Sammlung.» Sein Hobby sei halt zeitintensiv, sagt der 46-Jährige. Ausserdem sei seine Sammlung schon extrem gross. Und das Angebot der Händler sei nicht mehr das Gleiche: «Vieles läuft auch in dieser Sparte übers Internet», ist er sich bewusst. Zudem bevorzuge er Exemplare, die in einem «sammelwürdigen» Zustand sind: Sie dürfen keine oder wenig Kratzer haben und keine Dellen oder Rost aufweisen.

Der Däniker stellt Behälter um Behälter vor und weiss zu jedem etwas zu berichten, denn: «Jede Dose hat ihre eine Geschichte zu erzählen», ist der Familienvater überzeugt. «Nach dieser hier habe ich 20 Jahre lang gesucht», sagt er und zeigt auf eine Mini-Ausgabe einer hohen, rechteckigen Suchard-Dose mit einer Puppe auf der Vorderseite. Schnurstraks läuft Suter durch den Ausstellungsraum und steuert auf ein «ganz spezielles Exemplar» zu: «Dieses hier wurde explizit für die kantonale bernische Gewerbeausstellung von 1899 hergestellt. Sie ist das älteste Stück meiner Kollekte.» Er habe sich nie nur auf eine Art fokussiert, sondern immer alles zusammengetragen. Seine Sammlung geht von Motorenölkanister über Zigarettenbehälter bis hin zu grossen Guetzlidosen. Manche Blechdosen seien nur zu Repräsentationszwecken hergestellt worden. Die englische Backwarenfirma Huntley & Palmers war etwa ein Fabrikant solcher Ausstellungsstücke.

Preise zwischen 5 und 500 Franken

In der Sammlung finden sich hauptsächlich Dosen von Schweizer Herstellern. Aber auch holländische und englische Stücke sind darunter. Mehrere Zigarettenschachteln stammen aus dem ägyptischen Kairo, eine Teedose aus Colombo, einer Stadt in Sri Lanka. Manche Exemplare finden im Hause Suter auch Verwendung. Eine runde, gelbe Dose mit zwei braunen Hasen drauf ist Bestandteil der alljährlichen Osterdekoration.

Auf die Preise seiner Objekte angesprochen antwortet der Gemeindepräsident, dass Werte relativ seien. «Für jemanden ohne Bezug sind die Objekte nur Blech.» Die Preise liegen laut Suter zwischen fünf und 500 Franken. Etwa für sein Lieblingsstück hat er diesen Betrag ausgegeben: Es ist eine hohe, runde Dose mit einem weissen Porzellanknauf und einem Deckel von der Confiserie Merz & Suter. «Diese Dose mag ich so, weil mein Nachname draufsteht und die Confiserie aus der Region stammt», erklärt der Däniker. Das Unternehmen war nämlich in Aarau stationiert. Auch nach dieser Dose suchte er mehrere Jahre lang.
Die Ausstellung dauert noch bis 17. März und ist immer am ersten und dritten Sonntag im Monat geöffnet. Suter über seine Ausstellung: «Ich bin jedes Mal wieder erstaunt, wenn ich den Raum betrete.»