Däniken/Niedergösgen
Betreiber des AKW Gösgen wollen unbefristete Konzession für Wasserentnahme aus der Aare

Für das AKW Gösgen läuft die laufende Bewilligung für die Entnahme und Rückgabe von Kühlwasser aus der Aare im September 2018 aus. Nun beantragt das Kernkraftwerk eine Konzession, die bis zur Stilllegung verlängert wird.

Christoph Zehnder
Merken
Drucken
Teilen
Das Wasser aus der Aare wird im Kernkraftwerk Gösgen zur Kühlung verwendet. Emanuel Freudiger

Das Wasser aus der Aare wird im Kernkraftwerk Gösgen zur Kühlung verwendet. Emanuel Freudiger

Emanuel Freudiger

Das Kernkraftwerk Gösgen wird mit Wasser aus der Aare gekühlt. Für die Kühlwassersysteme werden dem Fluss durchschnittlich 2,2 Kubikmeter Wasser pro Sekunde entnommen. Nach der Kühlung werden im gleichen Zeitraum rund 1,5 Liter wieder an den Oberwasserkanal abgegeben (s. Kontext unten). Die Kernkraftwerk Gösgen-Däniken AG – mit der Alpiq Holding als Hauptaktionärin – hat dafür unter anderem zwei Konzessionen und eine Bewilligung vom Kanton Solothurn. Denn spätestens seit der Einführung des neuen Eidgenössischen Gewässerschutzgesetzes (GSchG) von 1991 sind alle Wasserentnahmen aus Oberflächengewässern bewilligungspflichtig.

Die Konzessionen geben der Kernkraftwerkbetreiberin das Recht, Wasser aus der Aare respektive aus dem Oberkanal zu entnehmen und teilweise in den Oberkanal zurückzuführen. Ausserdem erlaubt sie die Rückführung von Geschwemmsel und den Betrieb einer Grundwasserfassung für Notfälle. Am 28. September 2018, also in etwas mehr als einem Jahr, laufen die Konzessionen aus.

Gesuch bis zur Abschaltung

Die Kernkraftwerk Gösgen-Däniken AG hat bereits ein Gesuch für eine Neuvergabe der Konzessionen gestellt. Die neuen Konzessionen sollen kein fixes Ablaufdatum mehr haben wie bisher, sondern die Wasserentnahme bis zur endgültigen Stilllegung erlauben. Wann diese erfolgen wird, steht noch in den Sternen.

Die Energiestrategie 2050 des Bundes sieht zwar den Ausstieg aus der Atomenergie vor. Kernkraftwerke werden am Ende ihrer Laufzeit nicht ersetzt. Sie dürfen aber so lange weiterbetrieben werden, wie es die Sicherheit zulässt. Somit wäre auch die Konzession für die Wasserentnahme unbefristet. Ein ähnliches Gesuch hat der Energiekonzern Axpo für die Aargauer Kraftwerke Beznau I und II gestellt, deren Wasser-Konzession 2020 ausläuft.

Das Gesuch für eine unbefristete Konzession zur Wasserentnahme und -rückführung für das Kernkraftwerk Gösgen geht an die beiden Standortgemeinden Däniken und Niedergösgen. Die Gesuchunterlagen liegen vom 16. August bis 14. September im Gemeindehaus Däniken auf.

So funktioniert die Flusswasserkühlung im AKW

Im Normalbetrieb werden dem Oberwasserkanal des Wasserkraftwerks Gösgen rund 2,2 Kubikmeter Wasser pro Sekunde entnommen und auf das nukleare und das konventionelle Nebenkühlwassersystem verteilt. Das Hauptwasserkühlsystem mit dem 150 Meter hohen Kühlturm führt die nicht mehr nutzbare Wärme aus den Turbinenkondensatoren ab und nutzt dabei Wasser aus dem Aus dem Kühlturmbecken. Durch die Turbinenkondensatoren wird das Wasser um 14 Grad Celsius erhitzt und im innern des Kühltrums versprüht. Durch Kaminzug verdunsten so je nach Witterung durch den Kühlturm 400 bis 700 Liter Wasser pro Sekunde. Dieses wird durch aufbereitetes Zusatzwasser aus dem Oberwasserkanal des Wasserkraftwerks Gösgen ersetzt.

Das Nebenkühlwassersystem kühlt die konventionellen Anlagen im Maschinenhaus, die Hauptkühlwasserpumpen und Kältemaschinen. Auch das Zusatzwasser für den Kühlturmbetrieb wird diesem System entnommen. Überschüssiges Wasser, das maximal um 6,5 Grad Celsius erwärmt wird, fliesst zurück in den Oberwasserkanal, im Schnitt rund 1,5 Kubikmeter pro Sekunde. Sollte das Ablaufsystem zum Oberwasserkanal gestört sein erfolgt die Ableitung über ein Ablaufsystem zur Aare. Eine zweite Wasserfassung befindet sich am Unterwasserkanal. Das Wasser fliesst hier mithilfe zweier Diesel-Pumpen über eine Rohrleitung ins Nebenkühlwasserpumpenhaus. Diese redundante Kühlwasserversorgung wird nur im Notfall benötigt, wenn die Kühlwasserversorgung aus dem Oberwasserkanal versagen sollte.