Schönenwerd

Bald stehen Kunstwerke aus Schokolade statt Filets im Teig auf dem Programm

Bald gibt es in Schönenwerd süsse Kunst – auch als Workshop. Denn Markus Wehner ist Chocolatier aus Leidenschaft.

Bis vor vier Jahren gingen an der Bahnstrasse 63 noch Saltimbocca, Lammracks und allerhand Würste über die Ladentheke. In zweiter Generation betrieb Urs Stöckli dort zusammen mit seiner Frau die «Stöcklimetzg». Er übernahm den Betrieb 1979 von seinem Vater. Zuletzt nutzten sie die Räume noch für den Engroshandel. Nun soll neues Leben in die Räume kommen und mit diesem ein frischer Geruch, ein zartbitteres Konzept. Es soll ein Ort werden, an dem Kunstwerke aus Schokolade hergestellt werden. «Wir werden von A bis Z alles selbst machen», sagt Markus Wehner. Er ist Geschäftsführer von der AO Genial GmbH, zusammen mit seiner Frau Doina.

Alpha und Omega, von A bis Z. Schokolade produzieren von Grund auf: Damit eine zarte Milchschokolade gelingt, braucht Markus Wehner eigens eine Handvoll Zutaten. «Das Rezept besitze ich schon lange», erklärt er. «Doch niemand verrät einem, wie man es richtig anwendet.» Schon als Teenager habe er sich in der Herstellung von Schokolade versucht: «Das erste Ergebnis war eine Katastrophe, die war ganz sandig.» Im Jahr 1991 schloss Wehner im Kanton Zürich die Ausbildung zum Konditor-Confiseur ab. Danach arbeitete er in zwei Betrieben und spezialisierte sich auf die in der Schweiz äusserst beliebte Schokolade. Als Wehner nach einem längeren Aufenthalt im Ausland zurückkehrte, fand er eine Anstellung in der Schweizer Schokoladenindustrie. Wehner lässt nicht durchblicken, bei welchem Produzenten er arbeitete, nur so viel: «Ich dachte mir bloss: Nein!» Mit seinen Fähigkeiten wollte er lieber Leute begeistern und leckere Dinge zu einem fairen Preis verkaufen. An Menschen, die sich darüber freuen. So machte sich Wehner vor rund sieben Jahren selbstständig. In dieser Zeit stellte er in angemieteten Räumen seine Kreationen her, zuletzt in Wohlen AG. «Wir suchten schon lange nach einem eigenen Objekt, welches in einer Wohn- und Gewerbezone liegt.»

Jetzt glaubt Wehner, in Schönenwerd das Richtige gefunden zu haben: «Weil hier bereits Lebensmittel verarbeitet wurden, stimmen die Grundvoraussetzungen.» Doch es bleibt noch viel zu tun. Markus Wehner steckt mitten im Umbau. «Wir müssen die ehemaligen Kühlräume abbrechen und die Rauchanlage entfernen, es hat hier ganze Berge von Schutt.» Doch er freut sich: «Vielleicht schon Ende August kann es losgehen.»

Das Spezielle an Wehners Sortiment: Jedes Stück ist ein Unikat und wird von Hand zubereitet. Gemeinsam mit seiner Frau tüfteln sie an neuen Rezepten. Dass Wehner ein Chocolatier aus Leidenschaft ist, erkennt sofort, wer mit ihm spricht. «Manchmal sind unsere Kunden überfordert, denn bei uns wählen sie nicht aus einem Katalog.» Er richte sich nach deren Wünschen und versuche, alles möglich zu machen, auch Torten oder Patisserie jeglicher Art, nach hauseigenen Rezepturen und auf Bestellung.

Umhüllte Objekte ohne künstlichen Glanz

Was Wehner auch beherrscht; das Umhüllen von Zutaten mit Schokolade, die Technik nennt sich «Dragieren». «Die Zutaten sind naturbelassen und werden weder karamellisiert oder kandiert.» Und Wehner weist auf einen zusätzlichen Arbeitsschritt hin: «Es bedeutet für mich zwar einen grossen Mehraufwand, doch ich fertige die Dragées mit natürlichem Glanz, ohne jegliche Glanzmittel. Die Liebe zum Detail ist Wehner wichtiger als die Menge. Auch plant er kein grosses Eröffnungsfest. Er sagt: «Mir ist lieber, die Leute kommen nicht alle auf einmal, so habe ich mehr Zeit für jeden einzelnen Kunden.» Wehner teilt seine Leidenschaft gerne. Darum veranstaltet er Workshops und Kindergeburtstage. Dabei können Schulklassen, Teambildungsgruppen oder die ganze Familie auf einem Ausflug selbst etwas mit Schokolade kreieren, dabei kreativ lernen und etwas mit nach Hause nehmen. Ob Wehner seinen Gästen das geheime Rezept zur Herstellung von Schokolade verrät? «Es ist so: Die Leute kriegen hier ziemlich viel vom Vorgang mit.»

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