Aus Niederämter Sicht
Mit ungleichen Ellen gemessen

Raphaela Glättli-Gysi
Raphaela Glättli-Gysi
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Manuela Jans-Koch

Lostorf goes Instagram – sprich die offene Jugendarbeit (ojalo) wurde vom Gemeinderat beauftragt, ein Konzept zu erarbeiten, wie Wissenswertes und Neuigkeiten aus der Gemeinde den Jugendlichen auf der online-Plattform zugänglich gemacht werden kann. An der Jungbürgerfeier im letzten Jahr, mitten in der Corona-Verschnaufpause, wurde deutlich, dass die meisten der Jugendlichen einen Instagram-Account besitzen und sich nicht nur während der Pandemie hauptsächlich über die sozialen Medien informieren.

Die Kultur- und Sportkommission, welche die Jungbürgerfeier organisiert, unterstützt das Projekt voll und ganz. Den Jugendlichen die Gemeinde so näher zu bringen, macht Sinn und ist bei der ojalo in besten Händen. Nun aber, was macht Lostorf für die Seniorinnen und Senioren im Dorf? Viele von ihnen sind modern, haben einen Facebook- oder sogar auch einen Instagram-Account, nehmen aktiv am Vereinsleben teil, nehmen ihre Bürgerrechte vermutlich viel gewissenhafter wahr als die jüngeren Generationen und lassen keine Abstimmung aus, gehen an Gemeindeversammlungen, springen ein, wenn es bei der arbeitstätigen Generation helfende Hände braucht. Und zu guter Letzt; sie zahlen auch Steuern hier.

Viele der heutigen Seniorinnen und Senioren machen dennoch nie Gebrauch vom inzwischen sehr vielfältigen lokalen oder regionalen Angebot für 65+-jährige, zum Beispiel von Pro Senectute, weil sie es schlicht nicht brauchen. Vieles für die Senioren läuft nach wie vor über die Kirchgemeinden oder die Turnvereine. In Lostorf gibt es die Stubete. Bevor ich Mitglied der Kultur- und Sportkommission hier wurde, wusste ich nicht recht, was das ist.

Das Stubete-Team organisiert mit viel Herzblut Anlässe wie die Seniorennachmittage und alternierend mit der Kultur- und Sportkommission auch den Seniorenausflug. Von den über 600 Seniorinnen und Senioren im Dorf nahmen immer etwas mehr als 150 Personen an den Reisen teil, 2018 musste die Kommission sogar einen Antrag für einen Nachtragskredit stellen, weil mehr Leute teilnahmen. Budgetiert waren jeweils etwas mehr als 14'000 Franken für das Car-Unternehmen, für das Essen am Ausflugsziel, für Begleitpersonen von der Spitex und viele kleinere Posten. Dass der Seniorenausflug 2020 nicht stattfinden konnte, versteht sich von selbst.

Die Kommission hätte den Ausflug gerne in diesem Frühjahr nachgeholt aber die pandemische Lage verhinderte dies abermals. Nun gut, die Kommission wollte gerne den Seniorinnen und Senioren anstatt der Reise eine kleine Aufmerksamkeit zukommen lassen. In Obergösgen erhielten alle einen Gutschein, den sie im lokalen Gewerbe einlösen konnten. Das Echo fiel lobend aus.

Wir fanden die Idee gut und beantragten der Gemeinde, eine ebensolche Gutscheinaktion zu unterstützen. Auch weiter entfernte Gemeinden wie Balsthal haben Gutscheine verschickt, der einzelne Gutschein sogar im Wert von 35 Franken. Weit mehr als wir beantragt haben. Leider fand unser Anliegen keine Mehrheit im Gemeinderat. Mit den beiden nicht stattfindenden Seniorenausflügen und anderen Anlässen, welche im letzten und in diesem Jahr nicht stattfinden konnten, wie etwa die 1. Augustfeier oder der Neujahrs-Apéro, welche auch überwiegend von der älteren Bevölkerung besucht werden, wurden Kosten eingespart.

Für diese kleine Aufmerksamkeit hätte es Platz gehabt.

Raphaela Glättli-Gysi ist Sprachkursleitende für Deutsch, ECAP. Sie lebt mit ihrer Familie in Lostorf.

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