Aus Niederämter Sicht
Mit 99 Jahren im eigenen Haus auf dem Land

Adriana Marti-Gubler
Adriana Marti-Gubler
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Die rüstige Jubilarin Ilga Gubler-Gsteu zusammen mit Landammann Remo Ankli (rechts), Gemeindepräsident Martin Bühler (zweiter v.l.), ihren beiden Söhnen Peter (links von der Jubilarin) und Fredy Gubler (zweiter v.r.), Oasis-Geschäftsführerin Viviane Verheyen (rechts) und Standesweibel Andreas Hofer (links).

Die rüstige Jubilarin Ilga Gubler-Gsteu zusammen mit Landammann Remo Ankli (rechts), Gemeindepräsident Martin Bühler (zweiter v.l.), ihren beiden Söhnen Peter (links von der Jubilarin) und Fredy Gubler (zweiter v.r.), Oasis-Geschäftsführerin Viviane Verheyen (rechts) und Standesweibel Andreas Hofer (links).

Bruno Kissling

Kann man in einer ländlichen Gemeinde ohne Dorfladen alt werden? Leute aus der Stadt oder der Agglomeration zeigen sich meist sehr skeptisch. Sie schätzen, dass sie morgens zu Fuss im Quartierladen Brot und Butter holen können. Apotheke, Schuhgeschäft und Postschalter sind für sie ebenfalls bequem erreichbar.

Zugegeben, von Kienberg aus müssen wir mehrere Kilometer mit dem Auto oder mit den öffentlichen Verkehrsmitteln fahren, um den schmerzenden Ellbogen beim Hausarzt zu zeigen oder die Tabletten gegen den Bluthochdruck zu besorgen. Der Wocheneinkauf verlangt etwas mehr Planung, will man nicht zwei Tage später wegen der vergessenen Hefe schon wieder losrennen. Das Leben in einem ländlich geprägten Dorf hat seine Tücken.

Alt werden in Kienberg – gut möglich

Und dennoch, alt werden kann man in Kienberg sehr wohl. Wir können uns nicht mit einem belebten Dorfkern brüsten – dafür aber mit einem sozialen Netz, das seinesgleichen sucht. Nachbarschaftshilfe wird bei uns grossgeschrieben.

Das funktioniert zum Beispiel so: Eine knapp hundertjährige Frau, die ganz alleine einen Haushalt geführt hat, hat jeden Morgen nach dem Aufstehen ein Abtrocknungstuch aus dem Fenster gehängt. Dies war das Zeichen für die umliegenden Nachbarn, dass es der Frau gut geht. Ganz ohne elektronische Hilfsmittel und Sensoren.

Meist findet sich auch eine liebe Person im engeren Umfeld, die beim Einkauf oder beim Wäsche machen hilft. Oder aber die Besitzerin des Lebensmittelladens in der Nähe von Aarau organisiert einen Lieferdienst. So müssen die Seniorinnen und Senioren die schweren Milchtüten nicht mehr selber nach Hause schleppen.

Nachbarn und Spitex als Lebenshilfen

Unter Umständen genügt die Nachbarschaftshilfe alleine aber nicht mehr – professionelle Angebote und Dienstleistungen sind dann gefordert. Keine Frage, die Spitex-Angestellten leisten auch rund 15 Minuten von ihrer Basisstation entfernt beste Dienste.

Gut aufgehoben ist man im Alter in unserem Dorf zudem dank bewährten Angeboten wie Seniorennachmittag und Mittagstisch. Gerade für Witwen und Witwer, Alleinstehende, aber auch für alle anderen, ein beliebter Treff, um sich auszutauschen und unter Leute zu kommen.

Wenn man bis 99-jährig alleine im eigenen Haus auf dem Land leben will, erfordert das trotz aller Angebote etwas Glück, liebe Mitmenschen – und vor allem einen sehr starken Willen. Meine Grossmutter ist das beste Beispiel dafür.

Man muss schon ziemlich zäh sein

Sie hat sogar noch die Zeitungsbündel selber an die Hauptstrasse getragen, wenn sie befürchtet hat, die Familienangehörigen könnten es vergessen. Bis zuletzt hat sie Blumen und Tomatenstauden gepflanzt und sich um diese gekümmert. Man muss schon ziemlich zäh sein, wenn man mit über 90 Jahren noch so viel Freude an der Gartenarbeit hat.

In diesem Jahr ist allerdings der Zeitpunkt gekommen, an dem sie es sich verdientermassen im Wohn- und Pflegezentrum Tertianum Oasis in Trimbach gut gehen lässt. Dort überbrachte gestern Donnerstag Landammann Remo Ankli die regierungsrätlichen Glückwünsche zu ihrem 100. Geburtstag. Wir sind stolz auf dich Grosi. Happy Birthday!

Adriana Marti-Gubler ist seit 2017 Gemeindepräsidentin (FDP) von Kienberg.