Aus Niederämter Sicht
Kein schlechtes Wetter – nur schlechte Kleidung

Melina Aletti
Melina Aletti
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Symbolbild: PD (Archiv)

Sobald die Temperaturen steigen und die Sonne wieder öfter scheint, strömen die Menschen nach draussen. Im Bally-Park oder den Wäldern unserer Region trifft man vermehrt Spaziergänger*innen. Allen ist klar: Es tut gut, an der frischen Luft zu sein. Leider müssen wir heuer noch etwas länger auf das Frühlingswetter warten als letztes Jahr. Das heisst aber nicht, dass wir zuhause rumsitzen müssen.

Es ist ein unglaublich gutes Gefühl, wenn man an einem Tag mit sehr unfreundlichem Wetter von draussen nach Hause kommt. Ich ziehe dann jeweils die dreckigen Schuhe, Regenhose und Regenjacke noch vor der Haustüre aus, steige unter die heisse Dusche und setze mich anschliessend in Trainerhose und mit einer Tasse Tee aufs Sofa. Wunderbar! Es stellt sich Zufriedenheit über das Geschaffte und eine gesunde Müdigkeit ein, ganz anders als im Home Office.

Damit man dieses Heimkommen geniessen kann, muss man aber zuerst einmal bei schlechtem Wetter nach draussen gehen. Das ist der eher schwierige Part. Da hilft es, wenn man einen konkreten Grund hat. Bei mir übernimmt die Pfadi diese Aufgabe. Ganz nach dem Motto «es gibt kein schlechtes Wetter, nur schlechte Kleidung» treffen wir uns jeden Samstag draussen. Sogar jetzt während der Pandemie konnten wir unser Programm mehrheitlich aufrechterhalten, da es sich um ein Angebot für Kinder und Jugendliche handelt. In etwas kleineren Gruppen als normalerweise, an verschiedenen Treffpunkten im ganzen Dorf, sieht man nun also Kinder, die an Pfadi-Aktivitäten teilnehmen. Doch was machen die genau?

Von Aussenstehenden wird die Pfadi fast immer mit Feuermachen und Wandern in Verbindung gebracht. Ich selber wurde schon zig mal gefragt, ob ich beim Bräteln nicht das Feuer vorbereiten könne. «Du bisch doch i de Pfadi», heisst es dann jeweils. Ja, das ist ein Teil der Pfadi. Die Kinder lernen, wie man ein Feuer macht und darauf kocht, eine Blaulichtorganisation alarmiert, ein Zelt aus Blachen baut, Landkarten liest oder eine Wunde versorgt. Das alles passiert nach dem Prinzip «learning by doing», also in direkter Anwendung. Aber es steckt noch viel mehr dahinter.

Ich finde den gesellschaftlichen Aspekt wichtiger als die praktischen Fähigkeiten. Bei den Pfadi-Aktivitäten ist das Leben in der Gruppe zentral. Kinder und Jugendliche lernen, wie man sich in eine Gemeinschaft einfügt, wie man Kontakte knüpft und auch, welches Verhalten von anderen nicht akzeptiert wird. Gleichzeitig erhalten die Teilnehmenden Freiräume, die sonst im Alltag oft fehlen. Raum zum Kind sein, Raum zum Ausprobieren, Grenzen kennenlernen und Spass haben. Da kann es schon mal sein, dass die Hose nachher einen Riss hat oder die Jacke nur noch für die Pfadi gebraucht werden kann. Doch die Erfahrungen und Erlebnisse, welche die Kinder mitnehmen können, sind unbezahlbar.

Früh ist auch das Übernehmen von Verantwortung ein Thema. Im ganz kleinen Rahmen werden schon die Wölfe (7-10 Jahre) in Aufgaben miteinbezogen. Diese Fähigkeiten werden kontinuierlich aufgebaut, bis die Pfadis dann mit 17 Jahren bereit sind, ins Leitungsteam zu wechseln. Dann besuchen sie die Kurse von Jugend+Sport und lernen, wie man einer neuen Generation Kinder tolle Erlebnisse ermöglicht. Zum Schluss ist es mir wichtig zu betonen, dass auch andere Jugendorganisationen wie Jubla oder Cevi hervorragende Arbeit leisten. Verteilt im ganzen Niederamt gibt es fast in jedem Dorf eine Abteilung oder Schar, die Kindern und Jugendlichen eine sinnvolle Freizeitbeschäftigung ermöglicht. Sie freuen sich sicher alle über neue Kinder.

Melina Aletti, Pharmazie-Studentin, wohnt in Niedergösgen.