Aus Niederämter Sicht
Japanische Netflix-Serie sorgt für Trend im Volleyball

Yves Künzli
Yves Künzli
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Die Schweizer Damen Volleyball Nationalmannschaft posiert im April 2021 für das Team-Foto anlässlich des Media Day in Schönenwerd (Symbolbild).

Die Schweizer Damen Volleyball Nationalmannschaft posiert im April 2021 für das Team-Foto anlässlich des Media Day in Schönenwerd (Symbolbild).

Urs Flüeler

Netflix knackte im Januar dieses Jahres die 200-Millionen-Marke, damit gemeint sind «subscribers», zu Deutsch zahlende Abonnenten. Ebenfalls beeindruckend ist die mittlerweile rund 200 Mrd. Franken starke Marktkapitalisierung. Serien und Filme, die Netflix streamt, werden anhand ihrer Beliebtheit analog den Musik-Charts gelistet. Serien die besonders gut ankommen, werden hervorgehoben und als Vorschlag dem Nutzer angezeigt. Damit möchte Netflix erreichen, dass sich Freunde, Familie und Arbeitskollegen austauschen und so die Nutzungszeit steigt. So ist es auch bei den Jugendlichen in den Schulen gleich.

«Haikyu!!» Nennt sich eine momentan äusserst beliebte Jugendserie auf Netflix. Diese belegt Platz 6 in der entsprechenden Kategorie der Netflix-Charts und erreicht mit dieser Rangierung viele junge Nutzer. Haikyu (zu Deutsch «Volleyball!!») ist eine gezeichnete Manga-Serie die in den Genres Comedy, Drama und Sport spielt. «Von einem Meisterschaftsspiel im Fernseher inspiriert, tritt der Schüler Hinata trotz seiner geringen Körpergrösse einem Volleyball-Klub bei.» So lautet die offizielle Beschreibung auf Netflix.

Ja, Volleyball war in den letzten Monaten oft im Schweizer Fernsehen zu sehen, das «SRF» verstärkte sein Engagement im Hallensport und zeigte neu ausgewählte Spiele der Playoffs und die Finale der Frauen sowie der Herren in voller Länge. Das ist für uns Volleyballer, als zweitgrösste Teamsportart der Schweiz mit 43'000 Lizenzierten, eine tolle Werbung.

Klar hat sich auch Volley Schönenwerd davon Zulauf erhofft. Jedoch waren es in den letzten Wochen mehrheitlich Jungs, welche Interesse an einem Eintritt in den Verein zeigten. Dies ist insofern besonders, da in allen Kategorien unter 20 Jahren bislang doppelt so viele Mädchen wie Jungs am trainieren und spielen sind. Erst bei den Aktiven ab 23 Jahren ist es ausgeglichen und ab 30 sind es dann doppelt so viele Männer wie Frauen. Als sich die Jungs dann beim Probetraining über Shōyō Hinata und seine abenteuerlichen Spiele austauschten, wurde uns klar, woher das Interesse am Volleyball stammte. In den Grossstädten Bern und Zürich müssen Klubs derzeit Wartelisten für Probetrainings bei den Junioren führen.

Es ist zwar bekannt, dass sich in einem Fussball-WM-Jahr mehr Jugendliche für’s Fussball anmelden. Doch dieses Jahr scheint die Kombination aus Netflix-Chartliste und Fernsehübertragung dem Volleyball als Sportart tollen Zulauf zu bescheren. In weniger als 100 Tagen stehen die olympischen Spiele 2021 in Tokio, also im Heimatland von Hinata, an. Japan steht zurzeit bei den Herren auf Weltrangliste 9 und hat sich als Gastgeberland qualifiziert, ebenso auch die japanische Frauennationalmannschaft.

Die Herren holten bisher neun Titeln bei Asienmeisterschaften und wurden 1972 bereits einmal Olympiasieger. Die höchste japanische Liga nennt sich V.League Division 1, sie ist gespickt mit internationalen Topspielern und gleichzeitig breit auf lokalen Spitzenspielern abgestützt.

Wenn also die olympischen Spiele am 23. Juli im Olympiastadion von Tokio eröffnet werden, könnte die Heimnation von Netlix-Hinata durchaus für eine Überraschung sorgen. Die Sympathien der jungen Schweizer Volleyball-Generation sind ihnen sicher. Es bleibt zu hoffen, dass die 11 000 Athleten und etwa ebenso viele Betreuer aus aller Welt gesund in Tokio antreten und alle Wettkämpfe planmässig durchgeführt werden können.

Dies könnte das Haikyu-Fieber nochmals verstärken und für Zulauf von begeisterten Jugendlichen in den Vereinen sorgen – wir würden uns freuen!

Yves Künzli lebt in Erlinsbach. Er ist Unternehmer und Präsident von Volley Schönenwerd.