Aus Niederämter Sicht
Elektrisierend

Thomas Vogt
Thomas Vogt
Merken
Drucken
Teilen

Ziemlich genau 8 Jahre ist es nun her, seit bei der Vogt AG erstmals ein Elektromobil im Einsatz stand. Höchste Zeit also, einen Erfahrungsbericht zu schreiben vom Beginn dieser Ära. Den Start machte damals ein auffälliges Modell aus dem Hause Renault. Es trug den etwas sonderbar klingenden Namen Twizy. Mit einer Länge von gut 2,3 Metern und einem Gewicht von knapp 500 Kilogramm fiel dieses Leichtfahrzeug überall auf. Doch es war kein vollwertiges E-Auto. Dazu geriet es zu klein und die Alltagstauglichkeit liess zu wünschen übrig.

Doch eines war nach kurzer Fahrzeit sofort klar. Ich fuhr noch nie ein Auto, welches mehr Aufmerksamkeit als ein Lamborghini erweckte, und dir als Fahrer so viel Sympathie und Bewunderung entgegenbrachte, als würde James Bond am Morgen in Lostorf auf einem Fahrrad frische Gipfeli von Bachmann verteilen. Als ich an einem kühlen Frühlingstag auf dem Pausenplatz im Schulhaus 1912 in Lostorf vorfuhr, war ich nach der lautlosen Ankunft sofort von neugierigen Primarschülern umringt, als wäre ein neuer Prototyp der Hybridklasse von einem anderen Stern gelandet. Die jungen Menschen konnten sich kaum sattsehen und stellten Fragen über Fragen wie: Warum hat der keine Fenster, oder wieso gehen die Türen nach oben auf und wie da kann hinten noch eine Person sitzen? Dies waren die ersten Eindrücke, welche ich nach der Inbetriebnahme sammeln durfte.

Doch kommen wir nun zu den echten Eigenschaften, welche bestimmt auch heutzutage noch gelten. Die kleine E-Rakete lässt sich gut fahren, überrascht mit einer zügigen Beschleunigung, welche erst bei 80 km/h eingebremst wird und bietet zwei erwachsenen Personen Platz. Ist die 2. Sitzreihe besetzt, schrumpft das Kofferraumvolumen allerdings gegen null. Den Gang auf die Rennstrecke habe ich dem Twizy erspart. Das sollen die Jungs von Top Gear wagen. Eher weniger positiv aufgefallen sind die fehlenden Seitenscheiben. Der Wind und der horizontale Niederschlag dringen gnadenlos in den Innenraum ein. Bei kälteren Temperaturen muss neben einer Outdoor Ausrüstung auch ein Enteisungsspray mit an Bord sein, denn eine Heizung fehlt. Kritik bieten daneben auch die etwas gefühllosen Bremsen und die fehlende Sicht nach hinten. Beim Rückwärtsfahren sucht man vergebens eine Heckscheibe oder ein Guckloch. Wer sich nicht genug weit aus dem Fenster lehnen kann oder aussteigen will, dem bietet sich ausschliesslich das gefühlvolle Fahren nach Gehör an. Als Kleintaxi zwischen den Werken und für einen Kurzbesuch in den umliegenden Städten taugt der Twizy allemal, als Transporter aber fällt er durch. Übrigens ist der E-Zwerg auch in seinem 8. Betriebsjahr noch immer unterwegs, die neue Besitzerin, eine langjährige Mitarbeiterin, nennt ihn liebevoll Mondmobil.

Die nächsten E-Fahrzeuge, welche bei uns in den Einsatz gestellt wurden, waren bei weitem nicht mehr so spannend und aussergewöhnlich, denn die Entwicklung in diesem Bereich nahm rasant an Fahrt auf. In der Zwischenzeit bieten zahlreiche Automobil-Hersteller verschiedenen Modelle an. Als Produzent von Verbindungsteilen für die Elektrotechnik können wir jetzt diverse Kunden in diesem neuen Markt beliefern. Und einige Mitarbeitende haben sich in den letzten Monaten für ein Elektrofahrzeug entschieden. Diese können an verschiedenen Standorten in den Betrieben kostenlos aufgeladen werden.

Bei der Vogt AG werden wir in Zukunft bei den Werkfahrzeugen vorzugsweise auf jene mit Elektromotor setzen. Ob allerdings die Batterie als Energiespeicher dafür die richtige Wahl ist, oder die Brennstoffzelle bessere Chancen aufweist, wird sich in Zukunft zeigen. Es bleibt spannend, elektrisch und elektrisierend zu gleich. Fortsetzung also folgt.

Thomas Vogt ist Geschäftsführer der Vogt AG Verbindungstechnik in Lostorf und lebt in Stüsslingen.