Aus Niederämter Sicht
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Thomas Vogt
Thomas Vogt
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Roland Beck (Archiv)

Die letzten Tage des Jahres werden oft für einen Rückblick genutzt. Da die Medien aber eh voll davon sind, verzichte ich gerne zugunsten eines anderen Themas. Und obwohl ich mir vorgenommen habe, nichts über Corona zu schreiben, geht es nicht ohne. Gerade die Pandemie hat aufgezeigt, wie gut es mir eigentlich geht. Dabei schliesse einen Grossteil der Leserinnen und Leser mit ein.

Es ist ein grosses Privileg, hier in diesem Land geboren zu sein oder leben zu dürfen. Für uns ist es selbstverständlich geworden, dass wir beinahe alles, zu jeder Zeit, in praktisch unbeschränkter Anzahl zur Verfügung haben. Diesen Wohlstand oder vielleicht eher Überfluss realisieren und schätzen wir zu wenig. Das Gegenteil ist momentan leider oft der Fall.

Das Klagen von wegen Beschränkungen sowie Beraubung der Freiheit, kann ich nicht mehr hören. Das Gejammer auf diesem hohen Niveau habe ich einfach satt. Dabei bin ich mir durchaus bewusst, dass es Einschränkungen gibt, mit denen wir im Moment leben und umgehen müssen. Und ja, es gibt viele Branchen, welche es wirtschaftlich hart getroffen hat, doch hier hat unser Staat in den meisten Fällen Hilfe geboten oder tut es noch immer. Zum Nachdenken angeregt in letzter Zeit hat mich aber nicht das Lamentieren wegen den Massnahmen, sondern dass diese ins Zentrum vieler Diskussionen gerückt werden.

Das hat zur Folge, dass möglicherweise falsche Prioritäten gesetzt werden. Und wenn wir das tun, stellen wir alle anderen Anliegen, die uns auch täglich beschäftigen und ebenfalls wichtig sind, hinten an. Das kann und darf nicht sein. Wir müssen lernen, mit dieser Situation umzugehen, ohne Corona zum Mittelpunkt zu machen. Sonst birgt das zusätzlich die Gefahr, dass die Pandemie so zum Sündenbock verkommt, auf den alle Schuld, Ungerechtigkeit etc. abgewälzt wird.

Vermutlich ist es ja auch menschlich, einen Schuldigen zu haben, auf dem für einmal so richtig rumgehackt werden kann. Nur geht so vergessen, dass wir für unser Tun selbst verantwortlich sind, und eben die Erkenntnis, wie gut wir es hier trotz alledem haben. In Zeiten mit angeordneten Beschränkungen habe ich mich jeweils im kleinen Kreis getroffen, wie eigentlich auch vorher schon. Sich mit nur wenigen Personen zu treffen, gibt dem Anlass eine bessere Qualität, lässt mehr Zeit füreinander und bietet mehr Raum fürs Reden, Zuhören aber auch zum Schweigen oder Nachdenken.

Diese Momente habe ich immer sehr genossen. Es würde mir viel fehlen, diese nicht mehr zu haben. Und gerade in dieser Zeit, ist der persönliche Kontakt besonders wichtig. Dabei sind meine Gedanken bei den Menschen, welche ihre Liebsten nicht sehen oder besuchen konnten. Ich danke meiner Familie für die gemeinsame Zeit, die Unterstützung sowie das Verständnis, meinen Kindern für das improvisierte Kochen und Haushalten, meinen Freunden und Bekannten für die unvergesslichen Anlässe, spannenden Diskussionen oder ausschweifenden Wanderungen, unseren Mitarbeitenden für den unermüdlichen Einsatz und die guten Neven, sowie meinem Umfeld, das mich ausgehalten hat, mit oder ohne Maske.

Ich freue mich, liebe Leserin und lieber Leser, auch im nächsten Jahr einen kleinen Beitrag mit meiner Kolumne im Oltner Tagblatt zu leisten und Sie zum Schmunzeln, Nachdenken oder Handeln anzuregen.

Ich wünsche uns allen viel Kraft und Zuversicht, Mut und Dankbarkeit, sowie etwas mehr Toleranz und Bescheidenheit.

Thomas Vogt lebt in Lostorf und ist Geschäftsführer der Vogt AG für Verbindungstechnik.

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