Aus Niederämter Sicht
Autokaufjahr – soll ich mich elektrifizieren lassen?

Yves Künzli
Yves Künzli
Drucken

Zvg

Alle in meinem Umfeld, die mich kennen, wissen, in meinen Adern fliesst Benzin - bislang der Hauptkraftstoff im motorisierten Individualverkehr. Die Frage, die sich stellt, ist: wie lange noch?

Meinen Eindruck nach wurde ich das noch nie so oft in einem Jahr gefragt, wie im bald verstrichenen 2021. Fakt ist, der europäischen Automobilindustrie steht im heimischen Markt ein Wandel bevor. Die regulatorischen Anforderungen und die wachsende Konkurrenzsituation mit aufkommenden Mitbewerbern aus Übersee drängen zum Handeln.

Das Auto ist nach der Wohnung der grösste Budgetposten im Schweizer Durchschnittshaushalt. Deshalb überlegen sich viele Leute gut und lange, was sie kaufen. Diese Zeit braucht man auch, denn die Modellvielfalt der Hersteller war noch nie so gross wie aktuell. Neben der neuen Karosseriebauform, wie diejenigen von Coupé-SUV oder Crossover und einer Vielzahl an Sicherheitsfördernden Fahrassistenzsystemen, gesellen sich noch unzählig viele Komfort- und Entertainment-Optionen dazu. Die wichtigste Frage stellt sich allerdings heute beim Antriebssystem. Gemäss aktueller Statistik von auto-schweiz über die Zulassungen neuer Personenwagen liegt ein rein elektrisches Auto bereits auf Platz zwei.

Doch ist der Konsument willig, das finanzielle Risiko welches ein solcher Technologiewandel im Antriebssystem mitbringt, zu tragen? Viele Leute fragen sich, ob bei einem Neukauf noch zu viel vom Ersparten in die teuren Batterien fliesst. Auch persönlich habe ich mich mit dieser Frage beschäftigt, mir dann aber verschiedene elektrische Fahrzeuge zum Probefahren organisiert. Ausschlaggebend war ein verlängertes Skiweekend mit einem Batterie-elektrischen Fahrzeug und vier erwachsenen Personen mit Vollgepäck. Sicher die Königsdisziplin in der sich Fahrzeuge in der Schweiz messen müssen. Ich möchte privat nur ein Fahrzeug haben, welches dann auch alles abdeckt.

Kurzgefasst hat mir die Reichweite im Praxistest noch nicht ausgereicht. Und ich habe mich dann für ein Mild-Hybrid-Fahrzeug ohne externe Lademöglichkeit entschieden. Auch die Marktanteile dieser hybriden Antriebe mit und ohne externe Ladevorrichtung steigen monatlich. Genau in diesen Antriebsvarianten sehe ich auch das grösste Potential für unseren Schweizer Markt. Denn diese Systeme vereinen, mit einem verlustarmen 48-Volt Boardnetz und in Kombination mit einer mittleren Batterie für die Speisung aller Nebenaggregate, die Vorteile aller marktreifen verfügbaren Technologien zu vernünftigen Preisen. Somit sind dann auch keine Kompromisse bei Reichweiten oder beim Gepäckraum zu erwarten.

Yves Künzli ist Unternehmer, Präsident von Volley Schönenwerd und lebt in Erlinsbach.