Aus Niederämter Sicht
Alpha und Omega

Antje-Kirchhofer-Griasch
Antje-Kirchhofer-Griasch
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Das Alphabet von «A» bis «Z».

Das Alphabet von «A» bis «Z».

Walter Schwager (Archiv)

Mit Alpha und Omega kenne ich mich als Theologin aus. Jesus sagt im biblischen Buch «Johannesoffenbarung», dem letzten Buch in der Bibel: «Ich bin das Alpha und das Omega, der Erste und der Letzte, der Anfang und das Ende.» Auch Gott selbst wird als Alpha und Omega bezeichnet. Für mein Studium habe ich Griechisch, die Sprache des sogenannten Neuen Testaments, gelernt und dazu natürlich auch deren Grundlage: das griechische Alphabet.

Alpha und Omega sind der erste beziehungsweise letzte Buchstabe darin. Sie sind der Anfang und das Ende. So bieten sich Alpha und Omega zum Beispiel immer gut an als Leitgedanken für Gottesdienste zum Jahreswechsel. Mit diesen Themen bin ich als Pfarrerin bestens vertraut.

Im griechischen Alphabet gibt es den Buchstaben «O» zweimal. Es gibt das bereits genannte Omega, das einen langen, offen O-Laut anzeigt. Und es gibt Omikron, ein kurzes, geschlossenes «O». Omikron ist der 15., Omega der 24. Buchstabe im Griechischen.

Seit der Corona-Pandemie haben die griechischen Buchstaben eine ganz neue Bedeutung bekommen. Dabei war Alpha gar nicht die erste Corona-Variante, mit der wir es zu tun hatten, und Omikron ist vermutlich auch nicht die letzte. Immerhin sind es jetzt Namen, die man im alltäglichen Gebrauch gut benutzen kann. B.1.1.7. fand ich doch komplizierter als Alpha. Übrigens, das kann ich als Theologin vielleicht noch beisteuern: So eine Seuche gibt nicht zum ersten und wohl auch nicht zum letzten Mal.

Die Bibel hat dazu sehr viele und eindrückliche Geschichten im Repertoire. Diese Seuchen hiessen dann nicht Alpha, Beta oder Delta, sondern zum Beispiel Aussatz. Ich hoffe jedenfalls inständig, dass wir nicht auch noch von allen weiteren neun Buchstaben-Wellen beeinträchtigt werden, bis wir endlich bei Omega, dem Ende der Corona-Pandemie angelangt sind.

Zum jetzigen Jahreswechsel ging es tatsächlich viel mehr um Omikron als um Alpha und Omega. Dabei wäre es trotz Omikron vielleicht gerade jetzt hilfreich zu fragen, was uns Alpha und Omega sagen könnten. In christlicher Perspektive sagt die anfangs zitierte Bibelstelle aus, dass Gott alles umfasst und damit aus Sicht des Glaubens das Wichtigste ist.

Was ist aktuell das A und O? Diese Wendung haben wir in unseren alltäglichen Sprachgebrauch so übernommen. Worauf kommt es jetzt in unserem Alltag an, angesichts von Omikron?

A könnte zum Beispiel für Akzeptanz stehen. Ein Krankheitserreger bestimmt unseren Alltag. Das Virus ist das Problem. Mitmenschen, die in manchen Fragen eine andere Meinung als wir selber haben, sind nicht unsere Gegner. Meistern könnten wir diese Situation nur zusammen.

O steht für Optimismus. Die Krise mit ihren vielfältigen Auswirkungen ist bewältigbar, mit vereinten Kräften.

Mit fielen da noch einige andere Begriffe quer durchs Alphabet ein, die nützlich sein könnten. Zum Beispiel B wie meinen Beitrag leisten, D wie Durchhalten, G wie Gesprächsbereitschaft, M wie Mut, S wie Solidarität oder V wie Vertrauen in Expertenwissen. Ich zum Beispiel kenne mich mit Alpha und Omega wesentlich besser aus als mit Omikron. Ich bin dankbar für die Expertise von anderen Menschen und deren Pläne zur Krisenbewältigung und halte mich an die vorgegebenen Massnahmen.

Das ist aus meiner Sicht das A und O. Am Ende unseres lateinischen Alphabets könnte vielleicht Z wie Zuversicht stehen. Das alles können wir sicherlich gut gebrauchen, nicht nur zum Jahreswechsel und nicht nur für die Corona-Krise.

Antje Kirchhofer-Griasch wohnt in Aarau und ist Pfarrerin in der christkatholischen Kirchgemeinde Schönenwerd-Niedergösgen.

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