Was auf die reformierte Landeskirche generell zutrifft, gilt auch für die evangelisch-reformierte Kirchgemeinde Niederamt: Die Mitgliederzahlen befinden sich im Rückgang. Unmittelbare Folge dieser Entwicklung: Die Steuereinnahmen gehen zurück. Da der Aufwand vorderhand gleich bleibt, drohen finanzielle Engpässe. Gottfried Dörfelt, Präsident der Kirchgemeinde Niederamt, hält fest: «Wenn wir jetzt keine Gegenmassnahmen treffen, schreiben wir in zwei bis drei Jahren rote Zahlen.» Damit es nicht so weit kommt, wurde bereits im Jahr 2016 eine Arbeitsgruppe mit dem Namen «Kirche 2020» eingesetzt.

Diese hatte zur Aufgabe, sich mit den finanziellen Aussichten der Kirchgemeinde auseinanderzusetzen. Vergangene Woche hat die Arbeitsgruppe ihre Ergebnisse der Kirchgemeindeversammlung vorgestellt. In ihrer Situationsanalyse hat sie zwei Problemfelder identifiziert: zum einen die Bewirtschaftung der Liegenschaften, zum anderen die organisatorische Struktur der Kirchgemeinde.

Gebäudeunterhalt geht ins Geld

Die Kirchgemeinde Niederamt erstreckt sich über mehrere Gemeinden und verfügt über zahlreiche Liegenschaften (siehe Kontext links). Der Unterhalt der verschiedenen Gebäude belastet das Budget: Die Aufwendungen für den Gebäudeunterhalt betragen rund 7 Prozent der jährlichen Ausgaben. Zudem wurden in den vergangenen Jahren grössere Investitionen in Aufwertungen und Renovationen getätigt. So wurden zum Beispiel behindertengerechte WC-Anlagen installiert, Fassaden neu gestrichen, Heizungen saniert und Fenster ersetzt. In nächster Zeit stehen weitere kostspielige Sanierungen an.

In Zukunft wird der Unterhalt der Gebäude angesichts der immer geringer ausfallenden Steuereinnahmen nicht mehr tragbar sein, hält die Arbeitsgruppe «Kirche 2020» fest. Sie empfiehlt daher, sich auf drei Kerngebäude zu konzentrieren – nämlich auf die Kirchen in Lostorf und Däniken sowie auf das Gemeindehaus in Schönenwerd. Für die übrigen Liegenschaften soll nach einer gemeinsamen Nutzung mit anderen Institutionen Ausschau gehalten werden. Wie Präsident Dörfelt sagt, werden diesbezüglich bereits einige Verträge ausgehandelt. So ist angedacht, dass in Obergösgen der Kindergarten einen Unterrichtsraum im Gemeindehaus mietet und eine Kindertagesstätte ins Pfarrhaus einzieht.

Ähnliches ist in Schönenwerd vorgesehen: Hier soll sich die Schule ins Kirchgemeindehaus einmieten. Apropos Miete: Die Kirchgemeinde Niederamt ist selbst Mitbenützerin einer fremden Liegenschaft, und zwar der christkatholischen Stiftskirche in Schönenwerd. Dafür zahlt sie jährlich 45 440 Franken. Die Mitbenutzung ist in den Ausführungsbestimmungen eines Dienstbarkeitsvertrages geregelt. Diesen möchte die Kirchgemeinde Niederamt nun auflösen. Die Chancen hierfür stehen laut Dörfelt gut: Auch die christkatholische Kirchgemeinde Schönenwerd-Niedergösgen sei daran interessiert, die Dienstbarkeit zu löschen, da sie auf der Suche nach einer neuen Trägerschaft für die Stiftskirche sei.

Schlankere Strukturen

Ursprünglich bestand die Kirchgemeinde Niederamt aus neun Ortskirchgemeinden. Die Anzahl wurde durch Fusionen zunächst auf sechs, kürzlich gar auf drei reduziert. Auch die Anzahl der Pfarrkreise wurde vor einigen Jahren auf drei herabgesetzt. Die Arbeitsgruppe «Kirche 2020» empfiehlt nun eine weitere Reduktion: Künftig soll es nur noch zwei Pfarrkreise mit zwei vollamtlichen Pfarrstellen geben. Der Zeitpunkt für die Umsetzung dieses Vorhabens hängt von den bevorstehenden Pensionierungen ab, erklärt Präsident Dörfelt: Pfarrer Ulrich Wilhelm werde voraussichtlich im Jahr 2020, Pfarrer Michael Schoger im Jahr 2021 pensioniert. Denkbar wäre eine Einteilung in einen Pfarrkreis Süd und einen Pfarrkreis Nord, wie Dörfelt weiter ausführt.

Angebote statt Gebäudeunterhalt

Der Mitgliederrückgang betrifft auch andere reformierte Kirchgemeinden der Region. Gemäss den Daten vom kantonalen Amt für Gemeinden sank die Zahl der Mitglieder in den letzten 10 Jahren wie folgt: in der Kirchgemeinde Olten von 11 080 auf 9149 (–17 Prozent), in der Kirchgemeinde Thal von 2631 auf 2395 (–9 Prozent) und in der Kirchgemeinde Gäu von 2435 auf 2305 (–5 Prozent). Damit verbunden ist ein Rückgang der Steuereinnahmen.

Im Fall der Kirchgemeinde Niederamt beträgt er für den Zeitraum 1997 bis 2017 rund 3 Prozent. Künftig ist mit einem jährlichen Rückgang von zirka 0,4 Prozent zu rechnen. Damit steigt der finanzielle Druck. Präsident Dörfelt zeigt sich zufrieden damit, dass das Problem in seiner Kirchgemeinde frühzeitig angegangen wurde. In Bezug auf die beschlossenen Gegenmassnahmen ist für ihn vor allem eines wichtig: »Die verbleibenden Mittel sollen in kirchliche Leistungen und Angebote fliessen – nicht in den Gebäudeunterhalt.»