Seit rund 30 Jahren beschäftigt sich der pensionierte Kinderpsychiater Rolf von Felten aus dem bernischen Jens im Seeland mit der Geschichte seiner Familie aus dem Niederamt. «Wahrscheinlich geht es um die Verarbeitung meiner eigenen Herkunft», sagt er beim Gespräch über die Gründe seiner Motivation. «Ich finde es gut, zu wissen, welche Ahnen wir haben. Und wenn es auch nur darum geht, auszuschliessen, dass irgendeinmal ein Verbrecher darunter war», meint er belustigt.

An einem Geburtstag seines Vaters, der in Dulliken aufgewachsen war, habe er mit der Suche nach seinen Vorfahren begonnen und dazu einen Hinweis oder den Rat des Alt-Stadtarchivars von Olten, Edy Fischer, einholen wollen. Dieser erklärte ihm, dass der Namen seiner Vorfahren bereits in den Rechnungsbüchern des Stifts von Schönenwerd auftauchten. Da begriff er, dass die Wurzeln der von Felten sehr weit zurückliegen mussten. Und für ihn begann damit eine grosse Arbeit.

«Gehört zu den ältesten Familiennamen»

Von Felten hat in der Zwischenzeit schon mehrere Publikationen über seine Familie verfasst und auch auf einer Homepage ist vieles nachzulesen. So hat er herausgefunden, dass die von Felten vor rund 1000 Jahren aus dem Frickgau — also aus dem Nordwesten des heutigen Kantons Aargau — stammen und damals noch von Veltheim hiessen.

So schreibt von Felten in einer Zusammenfassung der Familiengeschichte: «Der Name von Veltheim gehört zu den ältesten Familiennamen der Schweiz. Er scheint noch älter zu sein, als jener der Habsburger, deren Burg, die Habsburg oder Habichtsburg, gleich gegenüber von Veltheim aareabwärts liegt.» Als sogenannte «Edelfreie» hätten sie als Namen ihren Herkunftsort gewählt, was damals üblich war.

Familie erhielt Grafenwürde

Der älteste Veltheimer tritt um 1020 in Erscheinung: Odilo, Herr von Veltheim. Dieser vermählte sich um 1020 mit Engela von Steusslingen und das Paar bekam drei Knaben und ein Mädchen, weiss von Felten. Die damit erste Kernfamilie wurde ab 1033 Angehörige des Deutschen Reichs und ab 1038 — nach dem Hoftag zu Solothurn — Parteigänger von Heinrich III. Dieser setzte den königstreuen Landadel an wichtige geistliche und weltliche Positionen.

Bedeutende Nachfahren von Odilo waren Anno von Veltheim, Erzbischof von Köln, und Bucco von Veltheim, der in Halberstadt Bischof wurde. Nach 1060 sei ein Teil der Sippe der von Veltheim in der Gegend von Magdeburg zu finden. In der Folge stellten sie Äbte, Bischöfe und Erzbischöfe und erlangten Ende des 11. Jahrhunderts und Mitte des 12. Jahrhunderts Grafenwürde.

Geschlecht ist in Norddeutschland bis heute vertreten

So entwickelten sich die von Veltheim zum gehobenen Landadel im Umfeld der Herzöge von Braunschweig und Lüneburg, denen sie in Hofämtern dienten und so beträchtlichen Grundbesitz erwerben konnten. «Ab 1300 ist die Familie als deutsches Uradelsgeschlecht gründlich erforscht und in Norddeutschland bis heute vertreten», schreibt von Felten.

Ein Zweig der Familie wurde um 1220 wieder in die ursprüngliche Heimat zurückgeschickt, um den alten Besitz dort wieder zu beanspruchen. Urkundlich belegt sei dies, weil um diese Zeit ein Ritter, Hugo von Veltheim, nördlich von Freiburg im Breisgau auftauchte, wo er einen Prozess gegen das Zisterzienserkloster Tennenbach und die Mühle in Mundingen führte. Sein Lehnsträger habe die Mühle ohne sein Wissen dem Kloster verkauft, klagte er. Doch Hugo bekam nicht Recht.

Schönenwerder Dorfbrief als Beweis

Um 1300 gehörten dann die von Veltheim vorübergehend zur Stadtaristokratie von Freiburg, doch im Jahr 1386 fiel ihr letzter Hoffnungsträger, Ulrich von Veltheim, bei der Schlacht von Sempach und damit starb diese Linie aus.

Ende des 13. Jahrhunderts sind weitere Namensträger als Cellerarius von St. Urban und Camerarius des Chorherrenstifts von Beromünster nachzuweisen. Mit ihnen wird ein anderer Teil des Breisgauer Familienzweigs durch Lehen, Kauf und Heiratspolitik in der Lage gewesen sein, sich als Grossbauern im Unteraargau zu etablieren. Dies beweist der Schönenwerder Dorfbrief aus dem Jahr 1410.

Victor von Veltheim war Wirt im «Löwen»

Weitere von Veltheim kamen ab 1500 über die Aare und traten danach immer wieder in Erscheinung: Mal bei einem Gehorsamseid dem Staat Solothurn gegenüber im Jahr 1514 und 1525 sowie auch rund 200 Jahre später mit Victor von Veltheim. Er amtete als Wirt der Taverne Löwen und Gerichtssäss um 1730.

Das Söldnerwesen, das dem Kanton Solothurn und der Eidgenossenschaft zwischen 1690 und 1791 Geld Reichtum bescherte, war auch im Niederamt tätig. Doch warum Johann Josef, der Sohn von Victor von Veltheim, der eigentlich die Wirtschaft Löwen hatte übernehmen sollen, sich zum Söldnerdienst meldete, ist unbekannt. Johann Josef kam dabei ums Leben — ein Drama für die Familie.

Flucht ins österreichische Frickgau

Im Jahr 1798 eroberte dann Napoleon die Schweiz und verkündete den Einheitsstaat nach französischem Muster. Opposition dagegen machte jedoch Josef von Veltheim, Müller von Obererlinsbach, dessen Söhne den aufgestellten Freiheitsbaum fällten. Sie flüchteten über die Grenze ins damals noch österreichische Frickgau.

Die Gegend zwischen Olten und Aarau kam nach den Wirren der napoleonischen Herrschaft nicht zur Ruhe. Rasches Wachstum der Bevölkerung, schwere Ernteausfälle und die wachsende Industrialisierung führten zur Verarmung der Bevölkerung. Auch die Familie, die ab diesem Zeitpunkt von Felten geschrieben wird, drohte — auch durch etliche Erbteilungsverfahren — in der Verarmung zu versinken. Die Familienmitglieder begannen in den neuen Fabriken wie Bally zu arbeiten — ihre Zeit als Landadelige, Wirte und reiche Müller war vorbei.

Noch heute im Austausch mit der Verwandtschaft

Warum aber die Schweizer Familie von Veltheim ihre ursprüngliche Schreibweise nicht behalten hat und ob es sich hierbei tatsächlich um die gleiche Familie handelt, die später mit von Felten bezeichnet wird, diesen Fragen ist Rolf von Felten natürlich auch nachgegangen. Er stellte fest: «In den nicht so zahlreichen Namendokumenten der Schweizer von Veltheim zwischen der Reformation und der Neuzeit lässt sich ein zunehmender Hang zur phonetischen Schreibweise feststellen.»

Man finde: Felten, Fälte, Velthe, Velden, Feldheim, Veldhem und mehr. Durch die Verwaltungsreform im Kanton Solothurn im 19. Jahrhundert sei dann die einheitliche Schreibweise behördlich als «von Felten» festgelegt worden. Jedoch blieben für die vorreformatorische Zeit die Rechnungsbücher des Stifts Schönenwerd mit «von Veltheim» als wertvolle Quelle zur Familiengeschichte.

Um noch mehr über seine Familie und deren weitverzweigte Verwandtschaft zu erfahren, hat Rolf von Felten bereits drei grosse Familienzusammenkünfte organisiert. Dabei konnten Wissen und Erfahrungen ausgetauscht werden. Wertvoll seien auch seine Kontakte zu den Mitgliedern der von Veltheim bei Magdeburg, die er inzwischen regelmässig besuche und die seit der Wiedervereinigung ebenfalls die Geschichte der Familie erforschen.