Trimbach

Als das Trinkwasser aus den Röhren kam

Aussstellungsmacher Urs Ramseier vor dem Ton-Wasserrohr von 1860 und zwei Kunststoff-Rohren der neueren Zeit.

Aussstellungsmacher Urs Ramseier vor dem Ton-Wasserrohr von 1860 und zwei Kunststoff-Rohren der neueren Zeit.

Der Verein Trimbacher Kulturgut eröffnet am Freitag seine neue Ausstellung zur Geschichte der Wasserversorgung.

Urs Ramseier schmunzelt. Der Trimbacher Lokalhistoriker weiss, dass gegenwärtig das Wasser im Dorf ein grosses Thema darstellt. Die Gemeinde gehört zu den Spitzenreitern der Trinkwasser-Belastung durch Pflanzenschutzmittel. Unter seiner Leitung hat der Verein Trimbacher Kulturgut wieder eine sehenswerte Ausstellung erarbeitet, die sich mit der hiesigen Wasserversorgung und den öffentlichen Brunnen befasst. «Wir haben uns schon vor über einem Jahr auf diese Ausstellung festgelegt. Mit der aktuellen Wasser-Diskussion hat unsere Wahl nichts zu tun», hält Ramseier fest.

Die Geschichte der Wasserversorgung geht zurück ins 19. Jahrhundert. 1838 stimmte die Gemeindeversammlung dem Vorhaben zu, allen Brunnenbesitzern gleich viele «Deuchel» abzugeben. Diese acht bis zehn Zentimeter dicken Röhren wurden mit «Deuchelbohrern» ausgehöhlt, mit Pech oder Lehm abgedichtet und durch einen Metallsteckring verbunden. Ein Exemplar aus Föhrenholz, der aus der Zeit zwischen 1750 und 1800 stammen dürfte, kann in der Ausstellung besichtigt werden. Nicht umsonst weist der Gemeindename auf Wasser hin: Über 80 Quellen waren im Trimbacher Bann bekannt. Der Bau der Eisenbahnlinie nach Läufelfingen ab den 1850er-Jahren brachte etliche zum Versiegen. Heute sind 52 Quellen bekannt, die ca. 7000 Liter Wasser pro Minute liefern.

Die nächste Etappe des Leitungsbaus markiert ein Leitungsrohr aus Ton, das 1860 bei der Firma Ernst in Aarau hergestellt und 1990 in der Brühlmattstrasse gefunden wurde. «Von denen liegen wohl noch etliche im Boden», vermutet Ramseier. Später kamen Gusseisen-Rohre und schliesslich solche aus Kunststoff in Gebrauch. Drei Hydranten vervollständigen die Objektsammlung. Historisch besondere Dokumente sind das Pflichtenheft für den Brunnmeister von 1913 oder die erste Verordnung zur Wasserversorgung von 1909. Der Feuerwehrplan von 1898 zeigt die ehemaligen Bachläufe des Dorf- und Mühlebaches mit dem Mühleweiher, der später trockengelegt wurde.

Ehemaliger Trimbacher Brunnen steht heute in Zug

In seiner übersichtlichen Publikation dokumentiert Ramseier auch die Reservoirs und Pumpwerke sowie die 22 verschiedenen Brunnen. Zu jedem Bild ist ihre Bauart und ihr Entstehungsjahr vermerkt, soweit dieses bekannt ist. Dabei kommen auch kuriose Begebenheiten zu Tage: Während der Korrektur der Baslerstrasse «verschwand» der Brunnen südlich des Konsum (CVO). 1980 ist er auf dem Lindenplatz in Zug wieder aufgetaucht, wohin er angeblich verkauft wurde. Zurück kommt er wohl nicht mehr.

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