Lostorf

Älteste Hainbuchenallee: «Diese 270 Jahre alten Bäume sind das Wertvollste in diesem Schlossgarten»

Die älteste Hainbuchenallee der Schweiz steht beim Schloss Wartenfels in Lostorf. Für den Erhalt braucht es Fachwissen und Handarbeit.

Das Schloss Wartenfels liegt an der äussersten Kuppe des Dottenbergs und thront über Lostorf. Vom Schlossgarten her sieht man die Alpen durch den Dunst schimmern. «Bei schönem Wetter sieht man den Säntis», sagt der Schlossgärtner Stefan Bernhard. «Jetzt wohne ich schon die sechste Saison hier und manchmal vergesse ich, wie schön es hier ist.»

Er hat sich ein Bild unter den Arm geklemmt und führt durch den barocken Garten. Zuerst an den akkurat geschnittenen Buchsbäume vorbei und den niedrigen Buchshecken entlang. Am Ende des Gartens stehen Bäume, die in einem akkuraten, sogenannten Kastenschnitt geschnitten sind.

Die älteste Hainbuchenallee der Schweiz

«Das ist die älteste Hainbuchenallee der Schweiz», sagt der Gärtner. Jetzt zeigt er den Stich von Emanuel Büchel, den er unter dem Arm trug. Der Stich wurde 1756 gezeichnet und zeigt die Südseite des Schlosses. Bernhard deutet auf eine Reihe Bäume, die links neben dem Gartenpavillon stehen. «Es spricht alles dafür, dass dies die gleichen Bäume sind, die hier im Garten stehen», meint er. Diese Vermutung bestätigt der Baumexperte Michel Brunner (siehe Interview unten).

«Dass Michel Brunner auf diese Allee aufmerksam wurde, ist ein Glücksfall.» Brunner hat veranlasst, dass die Allee wieder von Grund auf in Form gebracht wird. «Es gibt wenige Baumexperten in der Schweiz, die sich auch kulturhistorisch auskennen», erklärt der Gärtner. Diesen Sommer hat Brunner selber mit angepackt und mit der Baumpflege Dietrich GmbH jeden einzelnen Zweig fachgerecht geschnitten. Der Stiftungsrat der Stiftung Schloss Wartenfels musste für diese zusätzliche Ausgabe nicht überzeugt werden, erklärt Bernhard. Der Rat kenne den Wert des Gartens.

Die Substanz steht unter Denkmalschutz

Die Allee steht unterhalb des Schlosses auf einer Terrasse. «Diese Terrasse und der Garten wurden vermutlich von Franz Karl Bonaventura Grimm von Wartenfels ab 1750 errichtet», sagt Bernhard. Über die Jahre habe sie sich abgesenkt. Mit der Terrasse auch die fünfeinhalb Meter hohe und 27 Meter lange Allee.

Der kantonale Denkmalpfleger Stefan Blank erklärt: «Beim Schloss Wartenfels steht das Ensemble unter Denkmalschutz. Das heisst, nicht nur das Gebäude steht unter Schutz, sondern auch der Garten.» Dabei ginge es sowohl um das Erscheinungsbild des Gartens, als auch um die Substanz. «Dem Erhalt der alten Bäume ist deshalb allerhöchste Priorität einzuräumen. Ein Ersatz kann nur ausnahmsweise und aufgrund triftiger Gründe erfolgen», meint der Denkmalpfleger.

 Der Garten ist Kunstwerk und Biotop

Bernhard kennt sich gut mit barocken Gärten aus: «Ich fand diese Art von Gärten schon immer interessant», erklärt er. «Es ist spannend, dass dieser Garten auf der einen Seite sehr künstlich ist. Man schneidet die Büsche und Bäume auf eine Art, wie sie natürlicherweise nie wachsen würden.» Auf der anderen Seite aber, schätze er auch die naturbelassenen Elemente. «In den vielen Natursteinmauern und auch in den Bäumen wohnen viele Tiere.» So huschen Echsen über den sonnengewärmten Stein, ein Kleiber verschwindet in einer Baumkrone und überall summen Insekten in der Luft.

Bernhard führt gerne durch den Schlossgarten und teilt sein Wissen über die Flora und Fauna. Die nächste Führung findet am Mittwoch, 18. September um 19 Uhr statt.

Die Bäume sind das Wertvollste

«Diese 270 Jahre alten Bäume sind das Wertvollste in diesem Schlossgarten», meint er. «Das macht mich schon ehrfürchtig.» Die Allee steht an einem exponierten Standort. Sobald es heftig stürmt, mache er sich Sorgen um die Bäume. «Dann gehe ich nach dem Sturm immer als erstes zu der Allee und vergewissere mich, dass noch alle Bäume stehen.»

Er nimmt wieder das Bild unter den Arm, weil er weiterarbeiten muss. Abschliessend meint Bernhard schmunzelnd: «Normalerweise sagt man ja: Der Garten stirbt mit seinem Gärtner. Hier hoffe ich aber sehr, dass mich die Allee überleben wird.»

Autorin

Judith Frei

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