Fünf Kienberger bestimmen, welche Themen die Gemeinde als Nächstes in Angriff nimmt oder wie Finanzen, Bildung oder öffentliche Sicherheit geregelt werden. In einem Dorf wie Kienberg mit etwas mehr als 500 Einwohnern ist es keine einfache Aufgabe, die Ämter zu besetzen. Als der bisherige Gemeinderat Peter Gubler auf den 1. November seinen Rücktritt gab, befürchtete man gar, keinen Nachfolger zu finden.

Für ein Mal ist diese Sorge nun unbegründet. Dieser Tage wird auf der Gemeinde-Website die Gemeinderatswahl vom 24. März angekündigt. «Wir vom Gemeinderat freuen uns sehr, dass sich sogar zwei Kandidaten zur Wahl stellen», sagt Gemeindepräsidentin Adriana Gubler auf Anfrage.

«Das hatten wir schon lange nicht mehr»

Das sei eine «Luxussituation», dass die Kienberger aus zwei Kandidaten auswählen könnten. Gubler: «Das hatten wir schon lange nicht mehr. Ich selbst konnte jedenfalls noch nie einen Gemeinderat in Kienberg wählen.»

Trotz der guten Ausgangslage musste der jetzige Gemeinderat einiges an Vorarbeit leisten, damit diese Wahl stattfinden kann: «Wir haben selbst Leute aus unserem erweiterten Umfeld angefragt, ob sie Interesse am Amt hätten», sagt die Gemeindepräsidentin.

Ein Neuling mit Fachwissen

Gubler selbst fragte einen der beiden Kandidaten an: Martin Hummel. Der 55-Jährige wohnt seit zwei Jahren mit seiner Partnerin in Kienberg. Er kommt eigentlich aus Oberwil BL, sie aus dem Aargau. Für Kienberg hätten sie sich entschieden, da «das wunderschöne Dorf trotz seiner Abgeschiedenheit und Ruhe sehr zentral liegt».

Als Adriana Gubler ihn kontaktiert habe, habe er spontan zugesagt. Hummel: «Mich reizt die neue Herausforderung und ich möchte in der Gemeinde meinen Beitrag leisten.» Sein Ziel sei es, «frischen Wind» in den Gemeinderat zu bringen.

«Irgendwo zwischen der SP und der GLP»

Zudem könne Kienberg von seinem Fachwissen im Bereich technischer Einrichtungen profitieren: «Ich bin Elektroingenieur und Entwicklungsleiter für Produkte der Zählerwirtschaft und dem Abrechnungswesen.»

Der Parteilose würde sich in der Parteilandschaft «irgendwo zwischen der SP und der GLP» einordnen — wenn er denn müsste. Ökologie und Umweltschutz liegen dem Vater zweier erwachsener Kinder am Herzen.

Zwar habe er noch nie ein politisches Amt innegehabt, in mehreren öffentlichen Ämtern habe er aber schon Erfahrungen sammeln können. So war Hummel etwa im Vorstand des Natur- und Vogelschutzvereins Oberwil, Exkursionsleiter beim Basellandschaftlichen Natur- und Vogelschutzverband und Präsident des Orchesters Binningen.

Ein Kienberger, durch und durch

Sein Gegenkandidat ist in der Gemeinde kein Unbekannter, sondern ein waschechter Kienberger: Michel Gubler erhielt als Sohn des abgetretenen Gemeinderats Peter Gubler bereits Informationen über das Amt aus erster Hand. «Durch ihn kenne ich die Pflichten und Arbeiten des Gemeinderats schon ein wenig.» Dass er sich jetzt selbst zur Wahl stellt, habe er aber unabhängig von seinem Vater entschieden.

Auch er hat sich wie Hummel zum Ziel gesetzt, der Gemeinde etwas zurückzugeben: «Ich bin in Kienberg aufgewachsen, zur Schule gegangen und arbeite hier. Darum stelle ich mich jetzt zur Wahl», sagt der 37-Jährige. Er arbeitet als Sager im Kienberger Familienbetrieb Gubler Holz, zusammen mit seinem Vater.

«Vielleicht kann ich da etwas bewegen»

Auch Gubler kandidiert ohne Partei im Hintergrund: «Ich sehe mich zwischen der FDP und der SVP.» Als Gemeinderat wolle er Kienberg vorwärtsbringen. Gubler: «Dazu gehört auch der recht hohe Steuerfuss in unserer Gemeinde. Vielleicht kann ich da etwas bewegen.»

Knapp zwei Wochen haben die beiden Kandidaten nun Zeit, die Kienberger Stimmberechtigten von sich zu überzeugen. Auf der Gemeinde-Website sind die Kurzporträts und Wahlslogans von Hummel und Gubler aufgeschaltet: «Frisch, aktiv, dynamisch» gegen «ehrlich, engagiert, zuverlässig».

Wahlkampf in Kienberg? «Da sind wir unaufgeregt»

Noch ist es aber ruhig um beide Anwärter. Wird es in der kleinen Niederämter Gemeinde nun einen hitzigen Wahlkampf geben? «Da sind wir eher unaufgeregt», meint Gemeindepräsidentin Adriana Gubler lachend. Die Kienberger könnten sich selbst ein Bild über die zur Wahl stehenden Männer machen.

Sie könne mit beiden gut leben: «Michel Gubler kennt das Dorf bestimmt besser als Martin Hummel. Dafür ist Martin Hummel unbefangener, da er noch nicht so lange in unserem Dorf lebt», sagt Gubler diplomatisch. Die unterschiedlichen Ausgangslagen beider Anwärter könnten Vor- und Nachteil sein.

Hummel sieht seine Lage pragmatisch: «Mir ist bewusst, dass ich einer von zwei Kandidaten bin. Kienberg muss nun entscheiden zwischen einem ‹Einheimischen› und einem ‹Fremden›. Das ist Demokratie.»