Bibern

«Wir wollen ein nachhaltiger Betrieb sein» – Der Biohof bereitet sich auf den Winter vor

Mitarbeiter vom Biohof Müller aus Bibern ernten Federkohl.

Mitarbeiter vom Biohof Müller aus Bibern ernten Federkohl.

Zuckerhut ist abgeerntet, nun folgen Federkohl, Wirz, Rosenkohl oder Frivole – ein Augenschein im Biohof von Hans-Ulrich und Niklaus Müller in Bibern.

Abgerissene Zuckerhutblätter bedecken das Gemüsefeld auf dem Bleichenberg vollständig. Man möchte sich hineinlegen ins gemachte Bett. Die polnischen Angestellten haben ganze Arbeit geleistet. In Gummihosen knieten sie im Feld und entblätterten das Salatgemüse. Stundenlang. Das Gemüse muss sauber und gesund sein. So hält es im Kühllager auf dem Biohof von Hans-Ulrich und Niklaus Müller in Bibern bis nächsten März, im besten Fall. Dann können vielleicht bereits die ersten feinen Salatblätter im Tunnel geerntet werden, und ein Ziel der Müllers wäre erreicht: «Nahtlos den Winter überbrücken mit eigenen Produkten», erklärt Hans-Ulrich Müller.

Am nächsten Tag sind die Ernter im Bucheggberg unterwegs. Auf den Gemüsefeldern zwischen Hessigkofen und Bibern schneiden sie Federkohl. Diesmal nicht kniend, der Federkohl wächst hoch, aber wieder in den Plastikkleidern. Es regnet.

Der Biohof ist inzwischen ein KMU

Mit den Waren in den Kühllagern sollen die Kunden, unter anderem auch die Abnehmer von Gemüse-Abos, durchgehend bedient werden können. Zwiebeln, Rüebli oder Kartoffeln sind längst unter Dach und Fach. In den letzten Wochen wurden die Wintersalate geschnitten wie Zuckerhut, Endivie, Cicorino. «Nun folgen Federkohl, Wirz, Rosenkohl oder Frivole.» Letzteres ist eine Mischung aus Federkohl und Rosenkohl und wird andernorts als «Flower Sprout» vermarktet. «Bei uns heisst das Gemüse Frivole.»

Die Familie Müller bewirtschaftet inzwischen 36 Hektaren Land. «Im Sommer haben wir 25 Angestellte.» Ab 1. Dezember werden es noch zwölf Angestellte sein sowie drei Lehrlinge. «Einen Mann braucht es beispielsweise ständig in der Werkstatt, wo er Maschinen repariert.» Natürlich ist der Biohof ein arbeitsintensiver Saisonbetrieb. Er versuche aber, möglichst vielen Angestellten eine Ganzjahresbeschäftigung anbieten zu können. «Wir wollen ein nachhaltiger Betrieb sein und die Leute durchbeschäftigen», so Hans-Ulrich Müller. Acht Angestellte stammen aus dem Asylbereich. Zwei haben aufgehört und besuchen bis April einen Deutsch-Intensivkurs. «Ab Mai können sie wieder bei uns arbeiten.»

Ferien würden hauptsächlich in der Wintersaison bezogen. Manche seiner polnischen Angestellten nehmen dann auch länger unbezahlte Ferien und arbeiten in der Heimat an ihren Häusern, so Müller. Die Arbeit geht im Winter aber nicht aus. Die Lager müssen überwacht, das Gemüse gerüstet und die Kunden beliefert werden, 52 Wochen im Jahr. Grösster Abnehmer des Saisongemüses vom Biohof Müller ist Coop. Dann folgen schon die Kunden mit den Gemüse-Abos.

Die Produkte für die Abos stammen nicht nur vom Biohof der Müllers. Für das Gemüseabo und das erweiterte Angebot besteht ein Verbund mit anderen Bucheggberger Biohöfen und Anbietern. Das Brot beispielsweise stammt von der Familie Jaggi in Gossliwil. Müllers beliefern zudem einen Berner Grossisten, der die Produkte wiederum an Hofläden oder Restaurants vertreibt. Nicht zuletzt kaufen Private Waren direkt vom Hof.

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