Bätterkinden

Widerstand gegen RBS-Depot auf der grünen Wiese

Ein RBS-Zug unterwegs in Richtung Bätterkinden und in Richtung jenes Feldes im Stockacher (hinten links), demmöglichen Standort für ein Depot.

Ein RBS-Zug unterwegs in Richtung Bätterkinden und in Richtung jenes Feldes im Stockacher (hinten links), demmöglichen Standort für ein Depot.

Der Regionalverkehr Bern-Solothurn möchte in Bätterkinden ein neues Depot bauen. Die Einwohner sorgen sich um das Ortsbild und die Lebensqualität.

Wer zu Hauptverkehrszeiten mit dem RBS-Zug zwischen Solothurn und Bern unterwegs ist, findet unter Umständen keinen Platz zum Sitzen. Das Unternehmen Regionalverkehr Bern-Solothurn will deshalb die Kapazität erhöhen und längere – 180 Meter lange – Züge auf die Strecke schicken.

Diese müssen dann nachts irgendwo abgestellt werden können, doch dafür hat wiederum der RBS keinen Platz mehr. Die vorhandenen Depots sind entweder zu klein und nicht ausbaubar oder ihr Standort ist ungünstig. Nun wäre in Bätterkinden ein idealer Platz für ein neues Depot gefunden, doch dieser liegt auf der grünen Wiese, beziehungsweise auf Landwirtschaftsland, und erst noch ganz nahe an einem Wohnquartier.

Bestes Kulturland hergeben?

Dass es dagegen Widerstand gibt, wundert niemanden. Die RBS-Verantwortlichen hatten am Donnerstag in Bätterkinden zur Präsentation des Vorhabens eingeladen und rund zweihundert Personen waren gekommen. Ihr Fazit: «Bestes Kulturland hergeben? Sicher nicht!» Und der Landbesitzer, ein Landwirt, stellte klar: «Wir werden das Land niemals verkaufen.» Immerhin: Die Diskussion blieb gesittet, auch wenn die Kritik am Vorhaben bisweilen heftig war. Es äusserte sich niemand grundsätzlich gegen den öffentlichen Verkehr. Und man zeigte auch Verständnis dafür, dass wohl ein neues Depot nötig ist. «Aber eben nicht hier bei uns, das würde die Landschaft verschandeln und auch die Qualität des nahen Wohnquartiers vermindern», hiess es aus der Versammlung.

Konkret geht es um ein etwa vier Hektar grosses Stück Land, was einer Fläche von mehr als fünf Fussballfeldern entspricht. Der Grossteil der Fläche würde offenbleiben, mittendrin käme eine Halle für den Unterhalt zu stehen. «Mehr als dreissig Standorte haben wir untersucht und uns dabei zuerst auf Gewerbe- und Industriezonen und allfällige Industriebrachen konzentriert», erklärte RBS-Direktor Fabian Schmid, «doch ohne Erfolg.» So sei nichts anderes übrig geblieben, als auf die grüne Wiese auszuweichen. Als eine Variante habe sich eine Fläche in der Rütti Zollikofen herausgestellt. «Doch aus unserer Sicht, was Betrieb und Kosten angeht, wäre der Standort hier im Stockacher in Bätterkinden der beste. Wobei . . .», betonte Schmid, «ob er gesamthaft wirklich der Beste ist, muss sich noch herausstellen.»

Nicht ganz aus dem Rennen ist nämlich das Areal zwischen der ehemaligen Station Küttigkofen-Kräiligen und dem Bahnübergang nahe der Landi Lohn, die ja ebenfalls auf Bätterkinder Boden steht. Apropos Boden: «Warum versenkt man das Depot nicht in den Untergrund?», wurde gefragt. Da sei der Landverschleiss noch grösser und die Kosten noch höher, lautete die Antwort, denn die Ein- und Ausfahrtstrecke dürfe nicht zu steil sein.

Entscheid im Herbst

Der RBS lässt nun eine unabhängige Standortbeurteilung durch ein Ingenieurbüro erstellen; das Resultat soll im kommenden Sommer vorliegen, der Entscheid im dritten Quartal fallen. Dann folgen der Antrag für einen Eintrag in den kantonalen Richtplan, 2018 das Bauprojekt und als Ziel die Inbetriebnahme des Depots gegen Ende 2023. Es wird mit Kosten zwischen 30 und 50 Mio. Franken gerechnet.

«Der RBS gehört zu Bätterkinden», stellt dessen Gemeindepräsident Beat Linder fest. Aber auch er kann sich mit dem Standort Stockacher nicht anfreunden. «Ich sehe für die Gemeinde keinen Vorteil», gibt er zu. Der Gemeinderat werde die Sache sehr aufmerksam beobachten und habe dafür einen Juristen engagiert. «Wir sind uns bewusst, dass die Einflussmöglichkeiten der Gemeinde beschränkt sind, denn hier gilt das Eisenbahnrecht.»

Dieses käme auch zum Zuge, falls sich der Grundeigentümer weigern würde, das Land abzutreten. Dann könnte es zu einem Enteignungsverfahren kommen. «Doch daran möchte ich eigentlich gar nicht denken», sagt Linder. Darin ist er sich mit RBS-Direktor Fabian Schmid einig. Dieser bedankte sich am Schluss der Versammlung und meinte: «Ich bin glücklich darüber, dass wir miteinander reden können.»

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