Zuchwil

Weniger als die Hälfte der Sek-B-Schüler fand eine Lehrstelle

Im Oberstufenzentrum Zelgli sind die 7. bis 9. Klassen der Sekundarstufen B und E beheimatet.

Im Oberstufenzentrum Zelgli sind die 7. bis 9. Klassen der Sekundarstufen B und E beheimatet.

Laut Rechenschaftsbericht der Schule Zuchwil im Gemeinderat fand weniger als die Hälfte der schwächsten Schüler eine Lehrstelle.

Wenn jemand Rechenschaft ablegt, dann geschieht dies normalerweise ehrlicher Absicht. Diese Ehrlichkeit bewies der Schuldirektor Stephan Hug im Gemeinderat von Zuchwil. Das letzte Schuljahr sei geprägt gewesen von der historischen Schulschliessung. Aber nicht nur die Coronakrise habe ihm Sorgen bereitet, sondern auch das Los der Schülerinnen und Schüler der Sek B. «Der Prozentsatz der Sek-B-Schüler, die eine Lehrstelle finden, wird immer kleiner. Im letzten Schuljahr wurde der absolute Tiefpunkt von 42,4% erreicht.»

Die Mehrheit der Sek-B-Schüler absolviere ein 10. Schuljahr am BVJ (Berufsvorbereitungsjahr) in Olten, im Wallierhof, an einem nicht staatlich subventionierten Institut (Feusi), ein Berufspraktikum oder habe keine Anschlusslösung und mache im RAV das Step4-Programm. Die Anforderungen in Lehre und Berufsschule würden in allen Berufsbranchen zunehmen und verhindern, dass schwächere Schüler trotz etlichen Bewerbungen eine Lehrstelle finden. «Wir alle hier haben eher Kinder, die die Sek E oder P besuchen. Für die setzen wir uns ein. Aber die Sek-B-Schüler haben keine Lobby.»

In die gleiche Kerbe haut Sandro Rossetti, Schulleiter im Pisoni-Schulhaus. Er wisse von Sek-B-Schülern, die 25 bis 30 Bewerbungen ohne Erfolg machten. «Das ist frustrierend», so Rossetti. Dagegen haben aktuell bereits 7 Sek-E und 2 Sek-B Schüler eine Lehrstelle für Sommer 2021. «Alle haben einen Schweizer Namen.»

«Das müssen wir unbedingt genauer anschauen», so Stephan Hug. Ein Problem sei die Schaffung von Kategorien in der Oberstufe. «Die Segregation ab der 7. Klasse wird in anderen Ländern, Ausnahme sind die deutschsprachigen Länder, und im Welschland und Tessin nicht gemacht.» Damit fördere man zwar die E- und P-Schüler. Die B-Schüler würden aber stagnieren. Dies habe damit zu tun, dass sich die Schüler nicht mehr an besseren orientieren könnten und dass auch die Erwartungshaltung der Lehrpersonen den Schülern gegenüber in der Sek B tiefer ist als in den anderen Leistungslevels. Den Sek-B-Schülern wäre eher gedient, sie könnten weiterhin in durchmischten Klassen arbeiten.

Höchste Zeit für eine Schulsozialarbeit

Zuchwils Schulen haben bisher ein Beratungsangebot (1 Stunde pro Schulhaus und Woche), das 61'500 Franken kostet. Während die SVP das bestehende Angebot – leicht ausgebaut – verlängern möchte, will die Mehrheit im Gemeinderat eine Schulsozialarbeit einführen. Denn die aktuellen Beratungspersonen könnten bedingt durch das niedrige Pensum nur dort intervenieren, wo es bereits eskaliert.

Für die Präventions- und Beratungsarbeit oder für die Früherfassung von keimenden Problemen bleibe keine Zeit übrig. Oberstes Ziel sei es, die Schüler und Schülerinnen mit ihren Problemen nicht fallen zu lassen, sondern zu versuchen, diese an der Schule zu halten. Das zahle sich auch finanziell aus, weil Sonderbeschulung oder gar eine Fremdbetreuung viel Geld kostet.

Eine Arbeitsgruppe hat eine Variante einer Schulsozialarbeit diskutiert und beantragt, den dafür erforderlichen Betrag von 225'000 Franken jährlich zu sprechen. In der Diskussion wurde klar, dass der Gemeinderat zu wenig Entscheidungsgrundlagen hat. Er wünscht sich eine Auswahl mit mehreren Varianten und eine Klärung der Frage, ob die Schulsozialarbeit in einem Mandat vergeben werden soll oder der Verwaltung angegliedert werden soll.

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