Biberist

Von der Quartiermetzgerei zum ­Geflügelverarbeiter entwickelt – jetzt schliesst der Betrieb

Käthy und Erwin Jenny in den ehemaligen Geschäftsräumlichkeiten.

Käthy und Erwin Jenny in den ehemaligen Geschäftsräumlichkeiten.

Die ehemalige Metzgerei Jenny an der Bleichenbergstrasse in Biberist schliesst, weil die Inhaber in Pension gehen.

Die Geschäftsräumlichkeiten sind fast leer, die Maschinen in der Zwischenzeit alle verkauft. Die Erwin Jenny AG in Biberist schliesst. Schuld ist nicht die Coronakrise, auch nicht die finanzielle Lage der Firma. Auf diese Aussage legen Erwin und Käthy Jenny Wert. Sie sind ganz einfach beide schon länger im Pensionsalter und haben keine Nachfolge gefunden.

Begonnen hatte alles im Jahr 1949, da wurde die Metzgerei Jenny in Biberist gegründet. «Das war damals eine typische Quartiermetzgerei mit Schlachtbetrieb und Laden. Pro Woche wurden in aller Regel ein bis zwei Schweine, ein Kalb und ab und zu ein Rind geschlachtet.» 1962 realisierte die Familie dann einen Neubau – mit Metzgerei und Restaurant – an der Bleichenbergstrasse 48. Dort wo der Betrieb auch heute noch steht. 1979 beschlossen die drei Brüder der zweiten Generation das Geschäft aufzuteilen. Erwin Jenny führte den Produktions- und Schlachtbetrieb weiter und gründete dafür eine Aktiengesellschaft. Hans Jenny übernahm den Metzgereiladen in der Neumatt in Biberist und Walter Jenny das Restaurant Bleichenberg. Wobei das Restaurant weiterhin durch «Grosi» Helen Jenny geführt wurde.

Einschnitt mit Aufgabe des Schlachtbetriebes

In den nächsten Jahren bauten Erwin und Käthy Jenny ihr Geschäft – vor allem den Schlachtbetrieb und den Fleischhandel – laufend aus. Schon bald übernahmen sie auch den Laden in der Neumatt, verkaufte ihn dann später und eröffneten wieder einen Laden im Bleichenberg. Ein Einschnitt kam 1992. «Wir mussten den Schlachtbetrieb aufgeben, wie andere Metzger auch», so Erwin Jenny.

Es wurde in eine industrielle Produktion, Schneiderei und Verpackerei investiert. Wobei der Verkaufsladen im Bleichenberg in Büroräume umgenutzt wurde. Von nun an richtete man die Tätigkeit auf die Veredelung und Verarbeitung von Fleisch- und Wurstwaren aus. «Womit wir unabhängige Detaillisten, Tankstellenshops, Vereine, Restaurants und Grossverteiler belieferten», erinnert sich Käthy Jenny. «Zu Beginn hatten wir eine sehr grosse Palette an Produkten. Wir haben dann aber sukzessive damit begonnen, diese zu verkleinern und uns zu spezialisieren», so Erwin Jenny.

Ab 2007 habe man sich ausschliesslich auf die Verarbeitung von Speckprodukte und Geflügelwurstwaren konzentriert. «Wir haben die Produkte verarbeitet, geschnitten und abgepackt.» In dieser Zeit beschäftigte die Firma zwischen 25 bis 30 Mitarbeitende. «Wir wurden im Bleichenberg all die Jahre von den Behörden, der Nachbarschaft und den langjährigen Kunden immer stark unterstützt», bedanken sich Jennys.

Neubau wurde nicht mehr realisiert

Durch das stetige Wachstum brauchte die Firma mehr Platz. Das Non-Food-Material wurde bereits in einem anderen Gebäude gelagert und auch die Abteilung Warenauszeichnung / Spedition wurde aus Platzgründen in ein externes Kühllager verschoben.

Deshalb kaufte man vor einigen Jahren in der Industriezone in Wiedlisbach Land, um einen Neubau zu realisieren. Doch dieses Projekt wurde nicht umgesetzt. Dies, weil in der Zwischenzeit klar wurde, dass die beiden Söhne das Geschäft nicht weiterführen werden.

Arbeit im Garten und Fahrten mit dem Velo

Erwin Jenny stand jahrzehntelang jeden Tag morgens vor sechs Uhr in seiner Firma und begann mit der Arbeit. Es fällt ihm auch mit 70 nicht leicht, aufzuhören. «Wir haben aber Freude, dass alle unsere Angestellten eine neue Stelle gefunden haben.» Er habe sich ein Fahrrad gekauft und wolle sich jetzt noch ein Stand-up-Paddle zutun. «Dann bin ich am Morgen auf der Aare.» Käthy Jenny freut sich darauf, mehr Zeit für ihren Garten und die Enkelkinder zu haben. «Dass am Morgen kein Wecker mehr läutet, ist ein Luxus für mich. Wir stehen allerdings trotzdem immer noch früh auf», lacht sie.

«Nach ein paar Wochen Ferien werde ich mich wohl umsehen, was es für mich noch zu tun gibt», meinte Erwin Jenny. «Nur pensioniert sein, ist mir zu wenig.» Und im Haushalt wird er auch künftig mithelfen. «Wir haben die Arbeiten schon vor vielen Jahren aufgeteilt», erklärt Käthy Jenny. Sie habe ja ebenso wie ihr Mann immer auch im Geschäft mitgearbeitet.

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