Gerlafingen

Spanische Grippe als Vorläufer des Corona-Virus

Ein Bild von der Musikgesellschaft Harmonie Gerlafingen aus dem Jahr 1919.

Ein Bild von der Musikgesellschaft Harmonie Gerlafingen aus dem Jahr 1919.

Festschriften und Protokolle der Musikgesellschaft Harmonie Gerlafingen zeigen, dass die Spanische Grippe und die Maul- und Klauenseuche vor 100 Jahren das Leben ebenfalls bereits lahm legten.

Mitglieder der Musikgesellschaft Harmonie Gerlafingen haben einen Blick in die Geschichtsbücher geworfen. Dabei vergleichen sie die heutige Corona-Virus-Situation mit dem Ausbruch der Spanischen Grippe und der Maul- und Klauenseuche vor rund 100 Jahren.

«Aktuell sind wir gesund, die Proben finden normal statt, und wir gehen derzeit davon aus, dass auch unser Frühlingskonzert am 9. Mai in der Mehrzweckhalle Obergerlafingen wie geplant über die Bühne gehen kann», schreibt die Musikgesellschaft Harmonie in einem Beitrag auf «Crossiety».

Vor ziemlich genau 100 Jahren sei das aber offenbar anders gewesen. Da legte zuerst die Spanische Grippe und dann die Maul- und Klauenseuche die «Harmonie» lahm. Offensichtlich machte sich im Juli 1918 eine Grippe-Epidemie unangenehm bemerkbar. Eine Verordnung der Regierung untersagte alle Übungen, diese wurden erst im August wieder aufgenommen. Dies sei einer alten Festschrift des Vereins zu entnehmen. Und weiter: «Da wenig später die Grippe-Epidemie erneut verheerend auftrat, mussten wiederum von Amtes wegen die Proben von Mitte Oktober bis zum 24. Dezember 1918 eingestellt werden.»

Todesfall wegen eines Arbeitsunfalls

Laut Festschrift hatte die «Harmonie» zudem am 21. November 1918 einen Todesfall zu beklagen. Allerdings hatte dieser nichts mit der Grippe zu tun: «Kaum aus dem sogenannten Ordnungsdienst zurückgekehrt, musste der Tambour Albert Grütter durch einen im Eisenwerk erlittenen Unfall sein junges Leben aushauchen.» Obwohl die Grippe einen Gesamtaufmarsch des Vereins verhinderte, bezeugten ihm doch eine grössere Anzahl seiner Musikkollegen ihre letzte Sympathie.

Kaum ein Jahr später machte dann die Maul- und Klauenseuche dem Verein zu schaffen. Folgendes ist nachzulesen: «Der gefürchtete Stallfeind war wieder ausgebrochen, und es mussten die Übungen, zufolge Erlass der Regierung von Mitte Dezember 1919 bis Anfang Januar 1920 ausfallen.» Kurz darauf wurde der Probebetrieb erneut unterbrochen, «aber diesmal freiwillig. Um etwaige Meinungsverschiedenheiten während eines im Eisenwerk ausgebrochenen Streikes nicht in den Verein hineinzutragen, fand man für gut, die Proben ab 9. März 1920 bis auf weiteres ausfallen zu lassen.» Es handelte sich um den fünfwöchigen Gerlafingerstreik, der im Dorf heftiger geführt wurde und ernstere Folgen hatte, als der Landesstreik, mit Massenschlägereien und Polizeieinsätzen.

Erneut die «mörderische Viehseuche»

Kaum hatte man die Instrumente wieder hervorgenommen, mussten sie abermals versorgt werden. «Die mörderische Viehseuche will kein Ende nehmen, sie greift wieder erneut um sich, was zur Folge hat, dass die Proben noch einmal, und zwar von 24. Juni bis 29. Juli eingestellt werden müssen.»

Das Fazit der «Harmonie»: «Im Vergleich zu 1920 haben wir es heute doch ganz gut. ­Weder sterben Musikanten bei der Arbeit im Stahlwerk, noch müssen wir wegen des Corona-Virus aufs Musizieren verzichten. Hoffen wir, dass es so bleibt!»

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