Lohn-Lüterkofen

So wird aus einem Joghurtbecher ein Gartenstuhl

Plastik-Recycling bei der Neuenschwander AG. (Archiv)

Plastik-Recycling bei der Neuenschwander AG. (Archiv)

Das Interesse an der Verwertung von Recyclingmaterial im Rahmen von «Treffpunkt Bucheggberg» war gross.

Es ist nicht Abfall, was auf dem Gelände des Entsorgungscenters Neuenschwander in Lohn-Lüterkofen herumsteht. Fein säuberlich aufgestapelt sind Ballen aus gepressten Aluminiumdosen. Daneben türmen sich zusammengepresste Autos. Berge von Altglas, ordentlich nach Farben sortiert, erheben sich in separaten Abteilen. Es sind Materialien, die dem Kehricht entzogen wurden und den Weg in den Materialkreislauf wieder finden.

Die zweite Erlebnistour des Vereins Pro Buechibärg lockte über 100 Besucher und Besucherinnen ins Entsorgungscenter. Sie wollten wissen, wo ihr gesammeltes Recyclingmaterial hingeht. «Wir haben mit diesem Anlass anscheinend den Nerv der Zeit getroffen», stellte Vereinspräsident Bernhard von Allmen fest. Geschäftsinhaber Peter Neuenschwander senior freute sich ebenfalls über so viel Aufmerksamkeit. Er findet es wichtig und richtig, dass die Bevölkerung für dieses Thema empfänglich ist. «Denn die Zukunft liegt im Recycling», ist er überzeugt.

Grossen Eindruck machte die Autopresse. Martin Kunz demonstrierte, wie das Stahlmonster ein Fahrzeug wie ein Blechspielzeug zusammenquetscht. Die Autos kommen anschliessend in ein Schredderwerk in Kaiseraugst, wo Aluminium, Metall und Kupfer aussortiert werden, um sie neuen Bestimmungen zuzuführen, erklärte er. Er bedauert, dass es immer weniger Autos zu recyceln gibt. «Ein grosser Teil der ausgedienten Fahrzeuge kommt in den Export», begründete er. Peter Neuenschwander junior präsentierte stolz seine Erfindung einer Sortieranlage, die er vorerst als Versuch betreibt. Mit einfachsten Mitteln trennt der Mechanismus Metall von Aluminium. Ein magnetisches Förderband zieht zuerst Stahlblech heraus. Danach sortieren vier Arbeiter an Förderbändern die Alugetränkedosen von Hand aus. «Dafür setzen wir Chauffeure ein, und auch ich selber lege oft Hand an», sagte Neuenschwander. Die Dosen kommen anschliessend in Ballen gepresst zum Einschmelzen ins Ausland, wo sie erneut zu Getränkedosen verarbeitet werden.

Neuenschwander rühmte, dass in der Schweiz rund 90 Prozent der Aludosen gesammelt würden. «Wir staunen aber immer wieder, was sonst noch alles zum Vorschein kommt», berichtete er. Gurkengläser mitsamt Inhalt, ungeöffnete Konservendosen mit Pfirsichen, ein ausgedientes Handy oder eine Floppy-Disk.

Plastikteile ersetzen Holzkohle

Eine Pionierleistung vollbrachte die Neuenschwander AG mit der Einführung der Haushaltkunststoffsammlung im Jahr 2015. Christof Neuenschwander reichte Plastikbeutel herum mit feinem schwarzem Granulat, mit durchsichtigen und bunten Plastikflitterchen oder mit schwarzen Knollen, die wie Kohlebriketts aussehen. Alles völlig geruchsneutral. Der Kunststoff von höherer Qualität wird zu neuen Produkten verarbeitet wie Stühlen, Kabelschutzrohren oder Kehrichtsäcken. Minderwertiges Material kann man als Brennstoff in Kraftwerken einsetzen. «Dieses Plastik ersetzt Holzkohle.» Heute wird der Kunststoff im Ausland weiterverwertet. Eine Anlage in der Schweiz ist in Planung «Es bräuchte 10'000 Tonnen Plastik, damit eine Verwertungsanlage rentiert.» Seit 2015 hat man in Lohn 456 Tonnen gesammelt.

Die Bratwurst am Ende der Veranstaltung durften die Besucher umweltgerecht aus Mehrweggeschirr aus Kunststoff geniessen.

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