Schweizer Premiere

Neues Tanzstück mit Oleg Kaufmann startet diese Woche

Tanz im Campus Attisholz Nord mit Oleg Kaufmann, Tanzpartner Bryce Kasson  (links) und Choreografin Marion Dieterle.

Tanz im Campus Attisholz Nord mit Oleg Kaufmann, Tanzpartner Bryce Kasson (links) und Choreografin Marion Dieterle.

Auf dem Campus Attisholz Nord in Riedholz findet die Schweizer Premiere eines Tanzstücks mit dem Recherswiler Oleg Kaufmann statt. Die Choreografie der Deutschen Marion Dieterle thematisiert Körper und Raum und will Menschen von 5 bis 99 Jahren ansprechen.

Die Tänzer auf der Bühne könnten unterschiedlicher nicht sein. Da der Riese Oleg Kaufmann (1973) aus Recherswil und dort sein kleinerer Tanzpartner Bryce Kasson (1972, USA). Sie proben in einem der unzähligen Räume der ehemaligen Industrieanlage in Attisholz Nord ein Tanzstück der Choreografin Marion Dieterle (1979, BRD) ein. Der Titel des Stücks «Bitte, nehmen Sie doch etwas Platz!» ist wortwörtlich zu verstehen und dient als Anleitung, das Geschehen auf der Bühne einzuordnen: Körper in Relation zum Raum.

Auf der Bühne nähern sich Oleg Kaufmann und Bryce Kasson einander in feinen Bewegungen. Kasson mit einer einfachen Maske und Kaufmann in einer Hülle, die einem Ei gleicht. Dinge, die eine unterschiedliche Wahrnehmung erlauben, wie Marion Dieterle ergänzt. Die Filzobjekte wurden von Julia Stefanovici entworfen.

Die Tänzer werden aufeinander aufmerksam, betasten sich, und plötzlich verschwindet auch Kasson in der engen Hülle von Kaufmann. Was dort geschieht, entzieht sich dem Blick des Betrachters, aber dann wachsen Beine aus der Hülle, und ein Vierbeiner wackelt davon.

Dann schubst der Riese den Kleineren vom Podest

«Im Ringen um das Zusammenleben geht das Absurde mit dem Existenziellen einher», schreibt die zierliche Kölner Choreografin im Begleittext zum Tanzduett für Gross und Klein passend zu dieser Szene. Dann kriechen sie beide aus der Hülle, nehmen einander wahr. Kasson ist beeindruckt von der Grösse seines Partners und will seinen Platz einnehmen. Eine Erhöhung am Boden hilft. Aber Kaufmann schubst ihn weg, steigt selber auf die Anhöhe und wirkt noch grösser.

Es gehe darum, den Platz in dieser Welt zu finden, erklärt Marion Dieterle. «Das ist für mich ein zentrales Thema.» Wie nehmen wir Platz ein? Wie viel Raum nimmt sich ein Individuum? Was gilt es zu verteidigen? Oder: Wie viel Abstand brauchen wir voneinander? sind die Themen, mit denen sich die beiden Tänzer in diesem Stück auseinandersetzen. «Es gibt auch viele unschöne Arten, seinen Platz zu erkämpfen», ergänzt Dieterle. «Es kann aber auch etwas Schönes sein, sich anzunähern, sich zu begegnen.»

«Ich wurde von Oleg Kaufmann 2017 an die Kettenreaktion hier im Campus Attisholz eingeladen und habe auch kleine Arbeiten, fotografische, und Bewegungssequenzen gemacht. Diese ganz verschiedenen Räume hier haben mich beeindruckt», beschreibt Marion Dieterle den ersten Kontakt. Sie hatte Lust, wiederzukommen und eine ihrer Tanzchoreografien hier zu zeigen. Das Tanzstück «Bitte, nehmen Sie doch etwas Platz!» wurde im letzten Herbst in Deutschland erstmals gezeigt. Die Schweizer Premiere findet nicht wie vorgesehen im Neuen Theater Dornach statt. Die Coronakrise vereitelte dies. Sondern jetzt mit einigen Monaten Verspätung auf dem Campus Attisholz.

Ein Stück für Erwachsene und Kinder

Das Tanzduett für Gross und Klein spricht in seiner Einfachheit auch Kinder an. «Es ist schön für Erwachsene, das Stück mit ihren Kindern zu schauen», wirbt Dieterle. In einem separaten Raum findet zum Tanzstück eine Ausstellung mit Bildern von ihr statt, die in der Entstehungsphase des Tanzstücks entstanden sind. Sie zeichnete Szenen, die wesentliche, archetypische Momente darstellen, wie sie anschliessend im Tanz, der teilweise mit Livemusik geboten wird, wiederentdeckt werden können.

Hinweis:

Geplant sind drei öffentliche Vorführungen von «Bitte, nehmen Sie doch etwas Platz!», das Menschen von 5 bis 99 Jahren ansprechen will, am Freitag 25. September, um 18 Uhr und am Samstag und Sonntag, 26. und 27. September, jeweils um 15 Uhr. Tickets: www.eventfrog.ch

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