Nach 2 Unfällen

Schülerlotsen sollen in Biberist die Sicherheit erhöhen – noch fehlen aber Freiwillige

Oft queren die Kinder die Strassen während der Stosszeiten, wo lange Kolonnen stehen.

Oft queren die Kinder die Strassen während der Stosszeiten, wo lange Kolonnen stehen.

In Sachen Verkehrssicherheit besteht in Biberist Handlungsbedarf. Der Elternrat sucht Schülerlotsen, um die Schulkinder sicher über die Strasse zu begleiten. Die Suche nach Freiwilligen gestaltet sich aber schwierig.

Die Erhöhung der Verkehrssicherheit für Schulkinder beschäftigt den Elternrat in Biberist – insbesondere im Hinblick auf die anstehenden dunkleren Jahreszeiten. Zwei Verkehrsunfälle in diesem Jahr beim Fussgängerstreifen Grütt hätten gezeigt, dass dringend Handlungsbedarf besteht. So ist der Elternrat überzeugt, dass es nur noch eine Frage der Zeit ist, bis auch ein Schulkind in einen Unfall involviert wird, sollte nichts unternommen werden.

Aus diesem Grund trat der Elternrat mit einer Reihe von Forderungen an die Gemeinde heran. Dort zeigte man teilweise Verständnis für das Anliegen des Rates: «Wir unterstützen dies gerne, aber die Eltern sollen ebenfalls in die Verantwortung genommen werden», erklärt Gemeindepräsident Stefan Hug-Portmann. Denn immer gleich nach der öffentlichen Hand zu schreien, könne nicht die Lösung sein.

Hug schlug den Eltern daher die Schaffung eines Verkehrslotsendienstes vor. Konkret lautet die Abmachung zwischen dem Gemeindepräsidenten und dem Elternrat, dass von Seiten des Rates zunächst genügend Personen gefunden werden müssen, die sich bereit erklären, den Lotsendienst auf sich zu nehmen. «Wenn wir keine Lotsen haben, dann können wir auch keinen Lotsendienst aufbauen», so Hug. Erst wenn dies der Fall ist, wird die Gemeinde aktiv.

Das bedeutet, dass Biberist die Lotsen mit den nötigen Materialien wie beispielsweise Leuchtwesten und Kellen ausstattetet sowie mit administrativen Arbeiten in Form von Einsatzplanungen unterstützt. Auch die Versicherung läuft über die Gemeinde, wenn die Helfer im Auftrag von Biberist unterwegs sind. Die Einweisung der Verkehrslotsen wiederum würde durch die Kantonspolizei erfolgen.

Weniger Lücken für die Kinder

Wie viele Strassenübergänge letztlich gesichert werden, ist abhängig von der Anzahl Personen, welche sich zur Verfügung stellen. Die Priorität liegt aber vor allem bei zwei Schulweg-Fussgängerstreifen: Zum einen geht es um die Überquerung der Hauptstrasse beim unteren Schulhaus, welche viele Schulkinder der 1. bis 6. Klasse in Angriff nehmen müssen, um die Schulhäuser Bleichematt und Mühlematt erreichen zu können. Denn die Fussgängerquerung beim unteren Schulhaus sei seit dem Pförtnersystem für die Kinder anspruchsvoller geworden. Dadurch, dass der Verkehr flüssiger geworden sei, ergebe sich seltener eine Lücke.

Den zweiten kritischen Standort verortet der Elternrat beim Kindergarten Grütt – just bei jener Passage, an der in diesem Jahr die besagten Unfälle geschahen. Den Fussgängerstreifen an der Kreuzung Derendingenstrasse/Grüttstrasse müssen alle Kinder der Quartiere Grütt und Hechtring passieren, um in den Kindergarten sowie die 1. bis 9. Klasse zu gelangen.

Probleme sind bekannt

Zur Sicherung der Schulwege in Biberist sind auch bauliche Massnahmen angedacht. Auf der Derendingenstrasse wurde für diesen Zweck bereits eine kleine Verkehrsinsel umgesetzt. Zusätzlich ist ein Halteverbot in der Bleichemattstrasse bei der Baukommission zur Prüfung hängig. «Obwohl dort eine Verengung herrscht, stellen wir immer wieder fest, dass die Eltern trotzdem anhalten», so der Gemeindepräsident. Dies führe regelmässig zu Konflikten. Weil bisher aber keine Regelung bestehe, könne man die Anhalter auch nicht büssen.

Da bei den Risikostandorten allerdings auch Kantonsstrassen involviert sind, sind der Gemeinde für grössere bauliche Vorhaben ohnehin die Hände gebunden. Aus diesem Grund wird das angestrebte Verkehrslotsensystem grundsätzlich von allen Beteiligten begrüsst.
Allerdings besteht beim Engagement der Eltern noch Luft nach oben. «Von der Elternseite haben wir bis dato drei Personen, die sich gemeldet haben», erklärt Patrick Eichhorn vom Elternrat auf Nachfrage. 10 bis 20 Personen sollten es sein, um einen reibungslosen Ablauf gewährleisten zu können.

Dabei liegt das Problem nicht bei der fehlenden Resonanz, denn der bisher publizierte Flyer findet durchaus Anklang. «Die Idee wird auf Facebook und Crossiety rege geliked und geteilt», sagt Eichhorn. Das Problem liege viel eher bei einer fehlenden «Ja, ich mache mit!»-Mentalität. Immerhin konnte Eichhorn bei der letzten Plenarsitzung des Elternrates 15 Mitglieder zur Teilnahme an der Pilotphase motivieren. Zudem scheine sich für den Fussgängerstreifen Grütt derzeit eine eigene Gruppe zu bilden, wodurch dieser ebenfalls «bedient» wäre. «Fakt ist», so Eichhorn weiter, «für den Start sind mal genug Leute da». Für ein längerfristiges Bestehen fehle es aber nach wie vor an sehr vielen Leuten.

Dabei sollen nicht nur die Eltern, sondern beispielsweise auch die Grosseltern ins Auge gefasst werden. Überhaupt will der Elternrat versuchen auch rüstige Senioren für die Sache zu gewinnen. So sei etwa auch ein Aufruf beim Schwarzen Brett bei der bonacasa-Wohnsiedlung ein Thema. Das Kernklientel bleiben aber die Eltern. Vor allem jene, welche ihre Kinder so oder so in die Schule begleiten. «Und von denen gibt es in Biberist reichlich», sagt Eichhorn.
Ob sich die Verkehrslotsenidee in Biberist auf längere Sicht durchsetzen kann, wird sich weisen. Dass das Konzept durchaus fruchten kann, zeigt ein Blick in den Bucheggberg. In Schnottwil bewirtschaftet die IG Schülertransport die Thematik und leistet mit einem Team aus Freiwilligen rund 1700 Einsätze jährlich.

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