Riedholz
Zustupf von 19 Mio. Franken dank Verhandlungen zwischen der Gemeinde und der Halter AG

Die Gemeinde Riedholz darf sich auf eine künftige Mehrwertabschöpfung von 19 Mio. Franken im Areal Attisholz-Nord freuen.

Gundi Klemm
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2023 soll die erste grosse Umbauetappe auf dem Attisholz-Areal starten.

2023 soll die erste grosse Umbauetappe auf dem Attisholz-Areal starten.

Tom Ulrich

Sozusagen als «Dessert» der Riedholzer Rechnungsgemeindeversammlung informierte Gemeindepräsidentin Sandra Morstein über die ausgehandelte, künftige Mehrwertabschöpfung von 19 Mio. Franken im Areal Attisholz-Nord. Man habe bis jetzt Stillschweigen zwischen der Gemeinde und der Attisholz-Eigentümerin Halter AG vereinbart, um die Bevölkerung an der Rechnungsgemeinde als Erste in Kenntnis zu setzen. «Wir haben wirklich einen Meilenstein erreicht», freute sich Morstein gemeinsam mit 27 Stimmberechtigten.

Der Betrag ist zweckgebunden

In wertschätzender Atmosphäre sei die Planungsausgleichsvereinbarung erarbeitet worden, die auf dem neuen kantonalen Gesetz und strengeren Regelungen in der Raumplanung fusst. Die auf eine längere Periode geplante Gebietsentwicklung im ehemaligen Industriestandort Attisholz-Nord wird der Grundeigentümer mit einer Mehrwertabschöpfung von 30 Prozent oder in Zahlen 19 Mio. Franken ausgleichen.

Der Betrag ist zweckgebunden und dient reglementarisch festgehaltenen Massnahmen, die für die Gemeinde aus dem Planungsgesetz beispielsweise für Auszonungen erwachsen. Allerdings erhält die Gemeinde den Planungsmehrwert jetzt nicht bar auf die Hand sondern etappenweise mit der Fertigstellung von Teilen des Areals. Der Zeithorizont ist bekanntlich weit gesteckt.

Halter AG hat damit Planungssicherheit

Als Vertreter der Halter AG dankte Andreas Campi den Gemeindebehörden für die professionelle Zusammenarbeit:

«Die Zukunft ist durch den Nutzungsplan rechtlich gesichert, die Zuständigkeiten geklärt, und wir erreichen damit Planungssicherheit.»

Im Herbst 2023 soll die erste grosse Umbauetappe starten. «Aber jetzt schon freuen wir uns über die Arealöffnung für regionale und nationale Veranstaltungen».

Die Gemeindepräsidentin hatte zuvor kurz die Schritte zur Nutzung des ehemaligen Industriegebiets aufgezeigt. Nach dem Verkauf 2016 an die Halter AG entstanden 2017 das Teilleitbild und ein Nutzungsplan. 10 Eingaben, die mehrheitlich berücksichtigt wurden, erbrachte das Mitwirkungsverfahren, das 2020 zur Vorprüfung des Projekts durch den Kanton führte. Nach der öffentlichen Auflage 2021 gingen drei Einsprachen ein, die indes nach Gesprächen von niemandem weitergezogen wurden.

Rechnungsabschluss mit einem kleinen Überschuss

Martin Reber, Ressortchef Finanzen und Soziales, erläuterte das Ergebnis der Jahresrechnung 2020 mit einem Gesamtertrag von 10,1 Mio. Franken. Möglicherweise wegen Minderausgaben durch die Corona-Einschränkungen aber auch wegen sparsamer Haushaltsführung zeigte die Erfolgsrechnung einen Ertragsüberschuss von rund 90'000 Franken. Das Budget erwartete noch ein Defizit von 200'000 Franken.

Kennzahlen der Rechnung 2020 von Riedholz

Rechnung 2019 Rechnung 2020
Erfolgsrechnung
Gesamtaufwand 10’152 10’577
Gesamtertrag 10’241 10’893
Jahresergebnis 89 316
Steuereinnahmen nat. Pers. 7’602 7’341
Steuereinnahmen jur. Pers. 354 560
Übrige Steuereinnahmen 206 399
Gesamtabschreibungen (inklusive Spezialfinanzierung) 764 764
Investitionsrechnung
Investitionsausgaben 622 869
Investitionseinnahmen 184 15
Nettoinvestitionen 438 854
Weitere Kennzahlen
Steuerfuss nat. Pers. 115 115
Steuerfuss jur. Pers. 115 115
Selbstfinanzierungsgrad 229.69 109.97
Eigenkapitaldeckungsgrad 36.73 34.47
Netto-Vermögen pro Kopf 728 549
Netto-Schulden pro Kopf

Der Fiskalertrag in Höhe von 8,1 Mio. hat sich gegenüber 2019 um rund 200'000 Franken verringert. Mit einem Eigenkapital von 3,6 Mio. und dank Rückzahlung der Schulden von 7,7 Mio. auf jetzt 5,2 Mio. Franken ist die Gemeinde laut Reber durchaus in der Lage, jährlich 1 Million zu investieren. Auch wenn es in dieser Periode wegen Aufgabenverschiebungen nur 437'000 Franken waren.

«Wir haben viele Kredite für Vorhaben bereits beschlossen: es kommt einiges auf uns zu, was die Verschuldung wieder steigen lässt.»

Die Versammlung war mit der Jahresrechnung einhellig zufrieden, nahm von den laufenden und von den positiv abgeschlossenen Investitionskrediten Kenntnis. Nicht vorhersehbare Kosten für die externe Besetzung der Bauverwaltung im Umfang von 127'000 Franken wurden mit 25 Ja, einer Gegenstimme und einer Enthaltung gebilligt. Bei den Spezialfinanzierungen erzielte nur die Abfallentsorgung ein Minus von rund 7460 Franken.

Reglemente hinterfragt

Zur Verabschiedung der beiden überarbeiteten Reglemente für das Schularzt- und das Schulzahnarztwesen hatte Willi Lindner diverse Fragen. Genau wissen wollte er den Sinn etlicher Formulierungen, die sich auf die kantonalen Musterreglemente stützen. Als Referent gab sich Gemeinderat Michael Järmann alle Mühe, die Anpassungen zu erläutern. Das Plenum belohnte ihn schliesslich mit Einstimmigkeit.

Sanierungen sind auf Vorprojektniveau

«Die Detailinformation zu unseren Sanierungsvorhaben in gemeindeeigenen Liegenschaften erhalten Sie an der Gemeindeversammlung im Dezember», erklärte Gemeinderat Beat Graf. In der Überprüfung bezüglich Energieverbrauch und Raumbedarf sind das Schulhaus, der Kindergarten, die Mehrzweckhalle, die Gemeindeverwaltung, Feuerwehr und Werkhof einbezogen.

Im Einzelnen ging er auf angestrebte Erneuerungen ein, wie etwa in der MZH mit energetischer Lösung für die Gebäudehülle und der Sanierung der sanitären Anlagen. Kernaufgabe des gesamten Vorhabens wird aber die Umstellung der Heizung sein, die mittels Wärmepumpe von einem Erdsondenfeld und einer Fotovoltaikanlage gespeist wird.

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