Riedholz
Belastetes Sediment wird aus der Aare abgesaugt

Der Startschuss für umfangreiche ökologische Massnahmen in der Aare beim Attisholz-Areal ist gefallen. Bei der Spundwand im Wasser soll eine grosse Maschine mit Quecksilber belastetes Sediment aus dem Wasser absaugen.

Urs Byland
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Martina Sommer, Arcadis, und Rolf Peruzzo, Halter AG, erklären die anstehenden Massnahmen. Rechts ist ein Teil der Spundwand im Aarewasser sichtbar.

Martina Sommer, Arcadis, und Rolf Peruzzo, Halter AG, erklären die anstehenden Massnahmen. Rechts ist ein Teil der Spundwand im Aarewasser sichtbar.

Urs Byland

Einige Äste im Stillwasser hinter der Spundwand reichen der Ente. Sie hat bereits begonnen, zwei, drei Meter vom Ufer entfernt ein Nest zu bauen. Aber sie wird ein neues Nest bauen müssen. Hier wird bald eine grosse Maschine auffahren und mit Quecksilber belastetes Sediment in der Aare absaugen. Die Halter AG als Eigentümerin des Attisholz-Areals in Riedholz setzt zwischen Mai und September gemeinsam mit spezialisierten Unternehmen verschiedene ökologische Massnahmen im Uferbereich der Aare um. Dabei steht die rund 600 Meter lange Spundwand längs des linken Flussufers im Zentrum der Arbeiten.

Die Spundwand wurde 1973 für die Prozesswasserentnahme aus der Aare erstellt. Damit gelangte das manchmal verschmutzte Wasser der Emme nicht mehr in die Produktion der Cellulose AG, wie Rolf Peruzzo von der Halter AG vor Ort erklärt. Die Spundwand wurde deshalb bereits vis-à-vis der Emmemündung in die Aare gesetzt.

Attisholz Nord: Die Karte zeigt den Ort des Sedimentabbaus.

Attisholz Nord: Die Karte zeigt den Ort des Sedimentabbaus.

Zvg

Sauberes Wasser der Aare zur Cellulosefabrik geleitet

Das von der Cellulose AG genutzte Wasser wurde bis 1975 hinter der Spundwand wieder in die Aare eingeleitet, ungefähr dort, wo heutzutage zwischen dem oberen und unteren Bereich unterschieden wird (siehe Abbildung), und führte im unteren Bereich der Spundwand auf einem Abschnitt von rund 200 Metern zu einer Verschmutzung der Sedimente.
Mit der Transformation des Attisholz-Areals von einem Industriegebiet in ein Wohn- und Arbeitsgebiet wird die Spundwand nicht mehr benötigt und kann rückgebaut werden. Beim Verkauf des Areals verpflichtete sich die Halter AG zu dieser Massnahme.

Quecksilber in den Sedimenten der Aare

Nun ist es so weit, alle involvierten Stellen beim Kanton haben die Bewilligung erteilt für den nicht einfachen Rückbau. Denn vorgängig müssen die von der Verschmutzung betroffenen Sedimente entfernt und fachgerecht entsorgt werden. Verschmutzt ist das Sediment mit Quecksilber, wie Martina Sommer von der Firma Arcadis, welche die Bauleitung ausübt, erklärt. Angenommen wird, dass rund 20 Kilogramm Quecksilber in den Sedimenten gebunden sind. Mit der Entnahme von Sediment, die vom Ufer aus mit einem «grossen Staubsauger» erfolgt, bedarf es gleichzeitig umfangreicher Böschungssicherungsmassnahmen, um die Sedimententnahme zu kompensieren. Die Menge des Sediments, das abgesaugte wird, entspricht ungefähr hundert Lastwagenladungen.

Die Spundwand auf der linken Seite der Aare wird zurückgebaut.

Die Spundwand auf der linken Seite der Aare wird zurückgebaut.

Zvg

Mit der Spundwand entstand im oberen Bereich an der Aare ein wertvoller Lebensraum für Vögel und Fische. Letztere erhielten einen Unterschlupf und die Vögel einen längeren Bereich mit Stillwasser, der sich beispielsweise für die Brut eignet. Dies im Perimeter eines nationalen Zugvogelreservates. Deshalb werden im Zuge der Arbeiten auf dem rund 400 Meter langen Uferabschnitt im oberen Bereich verschiedene ökologische Massnahmen zur Erhaltung und Aufwertung der Stillwasserzone unternommen. «Wir wollen einen gleichwertigen Ersatz leisten», sagt Peruzzo. Während der Planungsphase wurden die zuständigen Ämter und Naturschutzorganisationen miteinbezogen.

Kosten von zwei bis drei Millionen Franken

Kiesschüttungen und Totholzstrukturen (Totholzinseln, Raubäume und eingebaute Wurzelstöcke) werden teilweise über den Wasserspiegel ragen und den Wasservögeln als Ruheplätze sowie diversen Fischarten als Unterstände dienen. Alle Strukturen werden im Aarebett oder an der Uferböschung fixiert. Die Bucht beim Einlass der Spundwand wird mit Kiesschüttungen beibehalten, wobei diese mit der Zeit mobilisiert und abgetragen werden. Weiter werden auf der gesamten Länge strömungslenkende Strukturen errichtet, um das Wasser stellenweise zum Ufer zu lenken. In diesem Uferabschnitt werden sämtliche Arbeiten auf dem Wasser von einer schwimmenden Plattform aus verrichtet, um das Waldareal und die Uferzone so gering wie möglich in Anspruch zu nehmen.

Im Stillwasser hinter der Spundwand finden Tiere einen einzigartigen Lebensraum. Hier wurde das Ufer bereits gerodet.

Im Stillwasser hinter der Spundwand finden Tiere einen einzigartigen Lebensraum. Hier wurde das Ufer bereits gerodet.

Urs Byland

Die Arbeiten dürfen zum Schutz der Tiere nur zwischen Mai und September durchgeführt werden. Gestartet wird im oberen Bereich mit der Entnahme der Spundwand und gleichzeitig im unteren Bereich mit dem Absaugen der Sedimentschicht. Gerechnet wird mit Kosten von zwei bis drei Millionen Franken. Mit 80000 Franken leistet der Fonds «Naturemade Star» einen willkommenen Beitrag.