Recherswil
Umstrittener Fragebogen zu Tempo 30

Wie steht die Bevölkerung von Recherswil zur Massnahme: Das will der Gemeinderat von Recherswil mit einer Umfrage herausfinden.

Patric Schild
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Mit einer Aktion «Freiwillig Tempo 30» haben sich Quartierbewohnerinnen und -bewohner schon früher in Recherswil für diese Verkehrsmassnahme eingesetzt.

Mit einer Aktion «Freiwillig Tempo 30» haben sich Quartierbewohnerinnen und -bewohner schon früher in Recherswil für diese Verkehrsmassnahme eingesetzt.

Urs Byland

Die Diskussion um Tempo 30 geht in Recherswil in die nächste Runde. Im März beschloss der Gemeinderat eine Konsultativbefragung durchzuführen, um festzustellen, wie die Bevölkerung zur flächendeckenden Einführung von Tempo 30 – mit Ausnahme der Haupt- und Gerlafingenstrasse – im Dorf steht.

Gemeindepräsident Hardy Jäggi präsentierte dem Rat nun einen ausgearbeiteten Fragebogen. Damit eine möglichst hohe Rücklaufquote erzielt wird, wurde dieser mit lediglich vier Fragen bewusst kurz gehalten. Nebst der direkten Erfragung, ob Tempo 30 gewünscht wird, soll erhoben werden, wie das allgemeine Befinden zur Verkehrssicherheit in den Quartieren ist.

Während in diesen Bereichen noch Einstimmigkeit herrschte, förderte die darauffolgende Debatte aber auch strittige Punkte in der Befragung zu Tage. Irene Rüfenacht störte sich etwa daran, dass direkt nach der Bereitschaft, für die Einführung von Tempo 30 eine Steuererhöhung in Kauf zu nehmen, gefragt wird.

Die Frage erhalte aufgrund der geringen Länge der Umfrage ein enormes Gewicht und fungiere dabei schon fast als Killerkriterium. Zudem werde bei anderen Geschäften auch nicht ständig auf die finanzielle Lage der Gemeinde hingewiesen. «Es wird der Eindruck erweckt, als wäre Tempo 30 dann alleine schuld, wenn die Steuern erhöht würden», so Rüfenacht. Dabei gebe es noch ganz viele andere Punkte, die zu einer Steuererhöhung führen könnten.

«Einführung Tempo 30 kann Steuern beeinflussen»

Jäggi entgegnete, es müsse klar daraus hervorgehen, dass Tempo 30 auch Konsequenzen haben könne und «nicht einfach so und für nichts» zu haben sei. Wenn sich die Finanzen leicht verschlechtern und zusätzlich auch noch Tempo 30 umgesetzt wird, könne es durchaus sein, dass deswegen ein zusätzliches Steuerprozent von Nöten sei.

Auch die restlichen Ratsmitglieder vertraten die Ansicht des Gemeindepräsidenten und sprachen sich dafür aus, die Meinung der Bevölkerung in dieser Angelegenheit einzuholen. Allerdings soll die Frage für die definitive Fassung noch entschärft und umformuliert werden. Der Fragebogen wird alsbald via Anzeiger an alle Haushalte verteilt. Jäggi hofft derweil, noch in der letzten Sitzung vor den Sommerferien die ausgewerteten Ergebnisse im Rat präsentieren und zur Diskussion stellen zu können.

«Wir müssen die Kröte schlucken»

Anfang Jahr beantragte der Gemeinderat beim Kanton die Aufhebung der Bushaltestelle «Schreinerei». Diese wird lediglich auf Verlangen bedient, und darüber hinaus ist nur das Aussteigen möglich. Dementsprechend wenig wird die Bushaltestelle genutzt. Von den kantonalen Behörden gab es nun aber eine klare Absage: Die Haltestelle muss bleiben. Romana Wimberger plädierte dafür, den im Vorfeld verworfenen Ausbau zu einer Doppelhaltestelle wieder ins Auge zu fassen. Zwar hätte auch sie eine Auflösung bevorzugt, aber die jetzige Situation mit der Bushaltestelle sei schlicht ein «Nonsens».

Aus Sicht von Peter Gehrig würde sich der Rat mit einer solchen 180-Grad-Kehrtwende unglaubwürdig machen. Schliesslich seien vor allem auch Einsparmöglichkeiten von rund 17 000 Franken Grund für die geplante Auflösung gewesen. Mit einer weiteren Doppelhaltestelle im Dorf würden hingegen zusätzliche Kosten auf die Gemeinde zukommen. Auch andere Schritte, wie erneut beim Kanton vorstellig zu werden, wurden wegen der geringen Erfolgsaussichten aufgegeben.

«Das Amt ist am längeren Hebel, uns bleibt nichts anderes übrig, als die Kröte zu schlucken», sagte Jan Flückiger. Der Gemeinderat beschloss daher, die Angelegenheit ruhen zu lassen und keine weiteren Massnahmen zu ergreifen – zumindest für den Moment.

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