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Radio-Party statt Rave: Solothurner DJ darf trotz Corona für Street Parade-Fans auflegen

Die Street Parade findet dieses Jahr zwar nicht statt. DJ Anthik aus Obergerlafingen, der seit 1999 in Zürich dabei ist, darf dennoch Raver-Herzen höher schlagen lassen und am Radio auflegen.

Die legendäre Street Parade in Zürich kann wegen Corona in diesem Jahr nicht wie gewohnt durchgeführt werden. Die Organisatoren der Street Parade tun sich aber mit Virgin Radio Switzerland zusammen und bringen am eigentlichen Tag der Street Parade, am 8. August 2020, während einem 11-stündigen Livestream die Musik einfach in die Schweizer Wohnzimmer. 11 nationale und internationale DJs sorgen an der Radio-Party für Stimmung in Wohnungen, Gärten oder auf Balkonen (siehe Kasten). Darunter auch der 48-jährige DJ Anthik aus Obergerlafingen.

Er bezeichnet sich als «fester Bestandteil» der Street Parade. Das kommt nicht von ungefähr: 1999 war er das erste Mal auf einem Lovemobil dabei. Seither legt Ibrahim Kaptanoglu, wie er richtig heisst, jedes Jahr dort auf.

 Impressionen der Street Parade 2019 mit 850'000 Techno-Fans:

Er war sofort dabei

Es sei «mega schade», dass die Street Parade mit Hunderttausenden Feiernden dieses Jahr ausfalle, meint er. Umso mehr freut er sich, dass am Samstag doch noch Musik im Zentrum steht. Vor zirka drei Wochen sei er von den Organisatoren angeschrieben worden. Er erfuhr vom geplanten Radiotag. «Für mich stand sofort fest, dass ich mitmache. Wenn schon nicht an der Street Parade kann man doch zumindest auf diese Weise Vibes verbreiten. Für mich ist es eine super Sache, dass ich einer der Auserwählten bin.»

Anthik wird von 21 bis 22 Uhr ein DJ-Set im Tech- und Deep-House Bereich spielen. Musik, die man von ihm gewohnt sei. «Ich bereite meine Sets nie vor. Ich spüre den Vibe im Club oder am Rave und passe mich an.» Bei seinem Set am Samstag wird er kein Feedback von den Partygängern um ihn herum erhalten, denn die feiern in ihren eigenen Stuben. «Aber dennoch weiss man als DJ, was gerne gehört wird», meint er.

Schon seit 25 Jahren DJ

Der gebürtige Türke begann seine Karriere im Club «N8schicht» neben der Papierfabrik in Biberist und war dort mehrere Jahre Resident-DJ. Der Club existierte zwischen 1994 und 1998 und war erfolgreich. «Damals war es eine ganz andere Ära», blickt Anthik heute zurück. Es habe noch sehr wenige DJs gegeben. Der Solothurner bekam ziemlich schnell Aufträge aus anderen Kantonen – und auch aus dem Ausland. «Ich war in ganz Europa unterwegs. Das Highlight war Ibiza.»

So tönt es, wenn DJ Anthik auflegt

Mittlerweile ist er schon 25 Jahre DJ und legt hauptsächlich in Zürich auf. Von Freitag bis Sonntag heizt er in verschiedenen Clubs dem Partyvolk ein, dann kehrt der Familienvater zurück nach Obergerlafingen. «Die Familie ist für mich ein sehr guter Ausgleich zum Partyleben am Wochenende.»

Ob er denn übe? «Nein, aber unter der Woche bin ich immer auf der Suche nach neuer Musik, die ich in meine Sets aufnehmen kann.» Daneben plant der 48-jährige Veranstaltungen im Raum Solothurn mit seiner Firma Cosmic Circle GmbH. Etwa einen Daydance beim TCS-Camping oder der Kantine Attisholz sowie Partys im «P9» in Biberist. Seine Songs produziert er auch selbst. «Das ist ein sehr grosser Zeitaufwand.»

«Es hat gereicht zum Leben»

Die Coronakrise hat ihn hart getroffen. Genau wie den Rest der Musikbranche. Es gab plötzlich keine Partys mehr, keine Aufträge. DJ Anthik wurde während zwei Monaten mit einer Erwerbsausfallentschädigung vom Bund unterstützt. Dafür ist er froh. «Es hat gereicht zum Leben.»

Während dem Lockdown von März bis Ende Mai habe er nonstop Livestreams gemacht für verschiedene Clubs und Veranstalter. «Es gab keine andere Möglichkeit, seine Musik zu präsentieren.» Die Streams hätten es einfacher gemacht, die zwei Monate – «eine lange Zeit» – zu überbrücken. «Ich bekam immer super Resonanz von den Leuten.»

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