Subingen
Paro AG setzt zum Jubiläum auf Industrie 4.0

Die Automationsfirma baut und verkauft mit Erfolg seit 30 Jahren ihre Anlagen. In Subingen wurde die neue Eigenentwicklung, pünktlich zum Jubiläum, den geladenen Gästen vorgestellt.

Urs Byland
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Jubiläum der Paro AG in Subingen
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Mitarbeiter bereiten Teile der Automationsanlage vor
Martin Frauenfelder erklärt die Nespressoanlage
Ein Mitarbeiter an der Automationsanlage der Nespressokapsel
Martin Frauenfelder erklärt was die Automationsanlage im Hintergrund an der Nespressokapsel macht
Automationsanlage für einen Prozess an der Nespressokapsel
Die Flextreme 4.0 ist eine Eigenentwicklung der Paro AG
Martin Frauenfelder demonstriert eine Eigenentwicklung
Martin Frauenfelder erläutert einen Produktionsablauf, dritter von links Firmengruender Urs Steiner

Jubiläum der Paro AG in Subingen

Hansjoerg Sahli

In ihrem Namen ist die industrielle Zukunft enthalten: Flextreme 4.0. Die Rede ist von Industrie 4.0, der nächsten industriellen Revolution, in der die industrielle Produktion mit modernster Informations- und Kommunikationstechnik verknüpft wird.

Martin Frauenfelder steht in der Maschinenhalle vor einer Flextreme 4.0. Anlass ist das 30-Jahr-Jubiläum seiner Firma Paro AG, die er 2003 von Gründer Urs Steiner aus Obergerlafingen übernommen hatte. Stolz präsentiert er die neue Eigenentwicklung den geladenen Gästen. Der Ablauf scheint einfach. Einige verschiedene Teile werden ineinandergefügt. Von Hand eine Angelegenheit, die in 2,5 Sekunden erledigt ist. Der Automat schafft es in 1,5 Sekunden. Die Teile liegen willkürlich in einer Schale und werden durch Schüttelfunktion in die richtige Lage zum Greifen gebracht. Vier Greifer sind nebeneinander angeordnet. Elegant packen sie die Teile, fügen sie auf einer kleinen Arbeitsplattform aneinander, holen neue Teile, das Laufband positioniert eine neue Arbeitsplattform und so weiter. Am Ende sorgt die entsprechende Befehlskette der Software dafür, dass der Automat die Teile wieder auseinanderbaut, denn die Maschine muss nicht produzieren, sie wird ausgemessen. Weil die Greifarme kurzerhand ausgewechselt werden können, eignet sich die Anlage für verschiedene Anwendungen. Die Anlage ist nicht nur schneller als der Mensch, sie produziert auch 24 Stunden am Tag.

Geschäftsmodell angepasst

Jede Anlage, die während des Rundgangs angepeilt wird, ist faszinierend. Denn es sind fast alles Einzelstücke, in Zusammenarbeit mit dem Auftraggeber konzipiert, im Haus konstruiert, zusammengefügt und ausprobiert und dementsprechend teuer. Von 200'000 Franken bis mehrere Millionen Franken kostet eine Anlage. 54 Mitarbeiter sorgen für einen Umsatz von 14 Millionen Franken. Jährlich werden zirka 20 Anlagen bei den Kunden montiert. «Aktuell sind etwa 600 Systeme von uns weltweit im Einsatz», erklärt Geschäftsführer Thomas Ganz.

Dass das Automationsgeschäft «kein Zuckerschlecken» ist, beleuchtet Frauenfelder in seiner kurzen Rede. Konkurrenten wie Lanco in Bellach oder Amax in Burgdorf mussten aufgeben. «Wir bauen heute auch zwei Anlagen, die normalerweise von der Lanco hergestellt worden wären.» Früher habe die Firma 50 Prozent des Umsatzes in Euro generiert. Die Wechselkursdramatik der letzten Jahre habe ihn dazu bewogen, das Geschäftsmodell zu ändern. Bisher habe die Paro AG robuste Anlagen etwas günstiger als die Konkurrenz produziert. «Nach dem 15. Januar 2015 war das nicht mehr möglich.» Heute wird verstärkt auf Leistung, also Geschwindigkeit gesetzt. «Und wir haben uns gesagt, wer in der Schweiz eine Automation braucht und in Schweizer Franken zahlt, den versuchen wir für uns zu gewinnen.»

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