Bellach
Ortsplanung mit Bauboom: Lediglich Dorfwiese wird nicht angetastet

Die Revision der Ortsplanung hat die Mitwirkungsphase erreicht. Die Gemeinde organisierte einen Informationsanlass im Turbensaal.

Urs Byland (Text und Foto)
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Die Wiese mitten im Dorf bleibt auch künftig eine grüne Oase.

Die Wiese mitten im Dorf bleibt auch künftig eine grüne Oase.

Urs Byland

Gut 40 Personen kamen in den Turbensaal und liessen sich von den Behörden und den Planern das Wesentliche erklären. Das ist ein Zehntel der Stimmberechtigten, die im Sommer 2013 das Räumliche Leitbild genehmigten und damit das geplante Marti Recycling Center ablehnten.

Das Räumliche Leitbild ist Voraussetzung und Grundlage der Ortsplanung. Eine weitere Grundlage ist der kantonale Richtplan, der nach der Annahme des Raumplanungsgesetzes überarbeitet wird.

Bis der Richtplan voraussichtlich 2018 vom Bundesrat unterschrieben wird, sind kaum Neueinzonungen realisierbar. Im Gegensatz müsste nicht mehr benötigtes Bauland ausgezont werden.

Darauf wies Gemeindepräsident Anton Probst in seiner Begrüssung hin. Beat Späti, Präsident der Ortsplanungskommission wies insbesondere auf die Bevölkerungsentwicklung hin, die die Pläne natürlich entscheidend beeinflusse.

Gerechnet wird mit 6000 Einwohnerinnen und Einwohner in den nächsten 15 bis 20 Jahren. Der Kanton rechnet Bellach zum urbanen Raum, der wachsen darf und wird. Zählt die Gemeinde doch aktuell nur 5300 Einwohnerinnen und Einwohner.

Kommt hinzu, dass Bellach in den letzten 15 Jahren nur um 100 Personen gewachsen ist, wie Beat Späti ausführte. Dieser Zuwachs ging einher mit einem Wachstum der bebauten Fläche von 16 Prozent. Für Bellach Ost und Spitzallmend ist bereits ein Kontingent von 500 Neuzuzügern vergeben.

Diverse Umzonungen geplant

Bleiben noch knapp 200 prognostizierte Zuzüger für das Wachstum der restlichen Gemeinde. Hier will die Ortsplanungskommission Siedlungslücken im Dorf schliessen. So sollen der Mühlacker aus der Reservezone in Wohnzone, das Turbenloch aus der Reservezone in die Zone «Wohnen im Alter», der Henzirain aus der Landwirtschaftszone in Wohnzone und auch die Hintermatt aus der Reservezone entlassen werden.

Wie weit der Kanton diesen Wünschen aber entsprechen wird, steht auf einem anderen Blatt. Wohl setzt dieser auf eine innere Verdichtung, aber auch auf weitere Massnahmen, wie Planer Thomas Ledermann weiss.

Er erläuterte den Anwesenden die thematischen Schwerpunkte. Neben der inneren Verdichtung sind dies Massnahmen gegen Baulandhortung, der Raumbedarf der Fliessgewässer sowie die Harmonisierung der Baubegriffe.

Neben dem Einzonen von Baulücken kann auch mit einer Umzonung, einer Erhöhung der zulässigen Ausnützung oder einer Aufstockung von Gebäuden an geeigneter Lage eine innere Verdichtung erreicht werden.

Der Baulandhortung will man mit einer Bauverpflichtung nicht nur für Neueinzonungen, sondern auch für unbebaute Grundstücke in der bestehenden Bauzone entgegenwirken.

Wer nicht spurt, muss mit Nichteinzonung, Auszonung oder Umzonung rechnen. Die Fliessgewässer erhalten mehr Uferraum. Wo sinnvoll soll eine Uferschutzzone ausgeschieden werden.

Im Siedlungsgebiet werden die Gewässerbaulinien klar definiert. Bleibt noch der Schwerpunkt Harmonisierung der Baubegriffe. Die Ausnützungsziffer wird aus dem Zonenreglement verabschiedet. Neu wird mit minimalen und maximalen Überbauungsziffern gerechnet. Diese wird mit anrechenbare Gebäudefläche geteilt durch anrechenbare Grundstücksfläche definiert.

Konkret werden im Bauzonenplan die Einfamilienhauszonen als Wohnzone 2 ausgewiesen. Neue Zonen wie W2 mit speziellen Zonenvorschriften (Aufstockung), Zentrumszone 3-geschossig entlang Strassenachsen, Spezialzone Wohnen im Alter und Ortsbildschutzzone sollen den diversen Anliegen dienen, ebenso Neueinzonungen (wie erwähnt), Einzonungen (ehemalige Ökonomiegebäude) und Umzonungen (Blumenweg). Heute gilt eine Baulinie von 5 bis 6 Meter. Neu sollen Baulinien mit Abständen von 3 bis 4 Meter gelten.

Keine Änderung erfährt die grüne Wiese (Landwirtschaftsland) mitten in Bellach nördlich der Gemeindeverwaltung. Sie wird in den nächsten 15 Jahren nicht angerührt. Laut Späti seien mit dem Besitzer Gespräche geführt worden. Dieser habe keine Absichten geäussert.

An der Versammlung wurde am Ende auch gefragt, welchen Sinn es mache, das Land, das am nahesten zum Dienstleistungsangebot ist, unbebaut zu lassen.

Die Mitwirkung endet am 6. Juli. Die Unterlagen zur Ortsplanungsrevision sind auf der Internetseite der Gemeinde abrufbar.

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