Nicht in der Gemeindestube des bewohnten Gemeindehauses, sondern im Haus von Lutz von Fischer fand die diesjährige Budgetgemeindeversammlung von Kammersrohr statt. Grund dafür ist, dass der in Hamburg aufgewachsene Deutsche, der 2001 in die Schweiz kam und sich 2012 schliesslich in Kammersrohr niederliess, eingebürgert wurde. Ein aussergewöhnliches Ereignis für die kleinste Gemeinde des Kantons: «Das ist ein Novum. Ich kann mich nicht erinnern, dass während meiner Zeit als Gemeindepräsident und zuvor als Gemeinderat, je ein Bewohner ein Gesuch zur Einbürgerung gestellt hat», erklärt Gemeindepräsident Ueli Emch. Das Einbürgerungsgesuch stellte von Fischer vor rund zwei Jahren – handschriftlich, so wie es verlangt wurde.

Den Stein dazumal ins Rollen gebracht habe der frühzeitig verstorbene Gemeindepräsident Terry Spillmann. «Terry hat mich angefragt, ob ich mir vorstellen könnte Kammersrohrer zu werden», erklärt von Fischer. Die Idee habe er mit Begeisterung aufgenommen. Dafür sei er Spillmann sehr dankbar. Von seinen neuen Rechten konnte der Neo-Kammersrohrer sogleich Gebrauch machen und mit den weiteren sieben Stimmberechtigten über das Budget 2019 entscheiden.

Steuergünstigste Gemeinde

«Das Budget 2019 wirft sicher keine hohen Wellen, denn wir haben ungefähr die gleichen Einnahmen und Ausgaben wie in anderen Jahren auch», sagte Finanzverwalterin Isabella Howald. Budgetiert ist ein voraussichtlicher Aufwandüberschuss von 15'550 Franken. Dies ist eine Besserstellung um rund 8400 Franken gegenüber dem Budget 2018. Verantwortlich für das bessere Abschneiden ist vor allem der kantonale Finanzausgleich. Während Kammersrohr im laufenden Jahr noch über 10'000 Franken in den Topf einzahlen musste, kann die Gemeinde 2019 mit einem Beitrag von 400 Franken rechnen.

Dies weist aber auch darauf hin, dass die Steuerkraft infolge geringerer Steuereinnahmen weiter gesunken ist. Im Jahr 2017 zahlte die Gemeinde noch über 18'000 Franken ein. Eigene Investitionen sind grundsätzlich keine vorgesehen. Aufgenommen in die Investitionsrechnung wurde aber der Investitionsanteil des Zweckverbandes ZAUL in der Höhe von 1425 Franken. Mit Blick in die Zukunft erklärt Howald, dass die Finanzplanung angepasst werden muss. Denn die laufende Finanzplanung rechnet mit einem jährlichen Defizit von rund 22'000 Franken.

Unverändert beliess die Gemeinde den Steuersatz. Mit weiterhin 65 Prozent sowohl für natürliche als auch juristische Personen befindet sich Kammersrohr nun allein an der Spitze des Kantons. Emch begründete den Entscheid dadurch, dass eine Erhöhung um zwei bis drei Prozent keine nennenswerte Verbesserung bringen würde. «Wenn das Finanzloch grösser wäre, dann müssten wir, wenn schon, einen richtig grossen Schritt machen», so der Gemeindepräsident. Sowohl das Budget 2019 als auch die Beibehaltung des Steuersatzes wurde vom Souverän einstimmig gutgeheissen.

Unter Varia verkündete Emch mit Bedauern die Abmeldung eines Einwohners. Somit schrumpft die Einwohnerzahl auf nur noch 28 Personen.