Absagen von Veranstaltungen

Nach Absage von Muni-Jass, Fasnacht und Co: Das Corona-Virus bringt Vereine finanziell ins Trudeln

Am Maskenball in Lüterkofen herrscht immer ausgelassene Stimmung. (Archivbild von 2019)

Am Maskenball in Lüterkofen herrscht immer ausgelassene Stimmung. (Archivbild von 2019)

Am Wochenende mussten diverse Vereine ihre Anlässe absagen. Das hat auch finanzielle Folgen für deren Kasse.

Im Halbstundentakt konnte man am Wochenende Meldungen lesen, dass Veranstaltungen wegen des Coronavirus abgesagt werden mussten.

So traf es auch die Uslumpete der Ventil-Blöterler, die am Freitagabend im P9 in Biberist durchgeführt werden sollte. Dabei waren die Ventil-Blöterler am Freitagmorgen noch guter Hoffnung. Erst kurz vor 18 Uhr gaben sie dann nach Absprache mit den kantonalen Behörden unter anderem via Facebook die Absage bekannt. Sieben Guggen waren eingeladen, am Anlass selbst rechneten die Verantwortlichen mit rund 200 Personen. Der Saal war bereits dekoriert, rund 300 Portionen Essen vorbereitet, Brötchen und Würste für Hotdogs ebenfalls. «Das Essen haben wir uns selbst serviert, nach Hause mitgenommen  und verteilt», erklärt Fabienne Heri (Präsidentin Ventil-Blöterler).

Das Brot wurde zu einem Bauern gebracht, der es an seine Tiere verfüttern kann. Ein Teil der Getränke konnte retourniert werden, der Rest wird für die nächste Uslumpete 2021 gebraucht. «Wir müssen nun im Vorstand besprechen, was wir machen sollen», so Heri weiter. Für die Uslumpete haben die Ventil-Blöterler Sponsorengelder erhalten. «Da der Anlass nicht stattgefunden hat, konnten wir natürlich auch die Werbung der Sponsoren nicht aufhängen.» Man werde nun beraten, ob man die Beiträge zurückgeben soll oder ob die Sponsoren bereit sind, sie für die nächste Uslumpete einzusetzen.

Nach dem ersten Schock machten die Ventil-Blöterler aber das Beste aus der Situation. «Nach dem Auf- und Abräumen am Samstag haben die Verantwortlichen des P9 die Lichtanlage einfach nur für uns angelassen und wir haben so unser Schlusskonzert gespielt.»

Handballer spielten in Biberist ohne Zuschauer

Am Samstag waren erneut Anlässe in Biberist betroffen. Schon am Freitagnachmittag musste das Schüler-Handball-Turnier vom Samstagmorgen abgesagt werden. Nach dem Mittag wurde dann entschieden, dass auch die Handball-Spiele am späteren Nachmittag ohne Publikum durchgeführt werden.  «Vor allem die Absage des Schülerturniers fiel uns schwer», erklärt Oliver Glutz (Präsident Handball Biberist aktiv). Rund 200 Kinder und Jugendliche, die nicht in einem Verein engagiert sind, hatten sich für den Anlass angemeldet. Sie hatten sich im Rahmen von «Handball macht Schule» mit dieser Sportart auseinandergesetzt. Schade natürlich auch, dass das Nationalliga B-Handballspiel des TV Solothurn ohne Zuschauer stattfinden musste. «Darauf hatten wir uns in Biberist gefreut.»

«Einen grossen Teil der Esswaren, die wir für die Events am Samstag eingekauft hatten, konnten wir einfrieren», erklärt Glutz. Er hofft, dass diese Lebensmittel am U-13-Turnier Mitte März verwertet werden können. «Sofern das stattfinden wird.» Was nicht eingefroren werden konnte, wurde am Samstagnachmittag vor Ort an die Anwesenden verkauft. Ganz ohne Zuschauer verliefen die beiden Handballspiele dann doch nicht, da noch Mannschafts-Betreuer und Spieler vor Ort waren. Gar keinen Mehraufwand gab es für die Biberister Handballer für die Getränke. «Hier mussten wir nur bezahlen, was konsumiert wurde.»

Einen versöhnlichen Abschluss gab es dann am Abend: Alle Spieler trafen sich schliesslich noch bei einem gemeinsamen Nachtessen.

Fasnacht in Lüterkofen komplett abgesagt

Weit herum bekannt sind die Fasnachtsanlässe in Lüterkofen. Auch diese mussten aber abgesagt werden. «Wir haben schon am Freitagabend mit dem Räumen der Mehrzweckhalle begonnen», meint Mario Eggenschwiler (Präsident Turnverein) auf Anfrage. Bereits im Dezember wird jeweils mit den Vorbereitungen für den Maskenball begonnen. Denn die Mehrzweckhalle wird jeweils komplett dekoriert. Vor knapp einer Woche begannen die Verantwortlichen dann vor Ort damit. «Die Diele wird abgedeckt, der Boden natürlich auch, wir stellen mehrere Bars auf und haben die Küche eingerichtet.»

Wie viele Arbeitsstunden investiert werden, kann Eggenschwiler nicht beziffern. Das Material: Farbe und Papier beispielsweise, das bekomme der TV in der Regel gratis. «Die Einwohnergemeinde hat bereits reagiert und uns Miete und andere Aufwendungen erlassen. Auch die Bürgergemeinde hat anerboten, uns einen Beitrag zu sponsern, damit wir nicht ein allzu grosses Loch in der Kasse haben.» Was Getränke und Essen anging, hätten die meisten Lieferanten recht grosszügig gehandelt und die Waren zurückgenommen. Die Werbeausgaben würden durch die Plaketten gedeckt, die verkauft wurden. «Am Freitag waren wir doch ziemlich gefrustet. Aber in der Zwischenzeit sind wir überzeugt, dass die Absage richtig war», meint Eggenschwiler weiter.

Teilnehmer am Munijass telefonisch informiert

In Oekingen wurde die Gemeindeverwaltung am Freitagabend kurzerhand zu einer Telefonzentrale umfunktioniert. 13 Personen versuchten, die 424 angemeldeten Teilnehmerinnen und Teilnehmer, die aus der ganzen Schweiz für den Munijass anreisen, zu erreichen und sie über die Absage zu informieren. «Wir kannten nicht alle Telefonnummern. So mussten wir uns teilweise in Detektivarbeit versuchen oder hinterliessen die Nachricht bei Nachbarn», meint Walter Guldimann (Jassleiter). Die Arbeit hat sich gelohnt. Am Samstag reisten nur noch 20 Personen vergebens an. Informiert wurden natürlich auch die rund 50 Helfer, die jeweils vor Ort sind.

«Die Getränke konnten wir alle zurückgeben», so Guldimann. Auch bei den weiteren bestellten Esswaren zeigten sich die Händler kulant. «Einzig das Fleisch für das Geschnetzelte zum Znacht war bereits eingekauft.» Aber auch hier haben die Verantwortlichen bereits eine gute Lösung gefunden. Ein Teil davon wird zu Würsten verarbeitet, die dann am Schützenfest gebraucht werden können. Und die Hammen oder andere Fleischpreise, werden zum Einkaufspreis weiterverkauft. «Die nimmt der Metzger natürlich nicht mehr zurück.»  Es sei ein rechter Betrag, der wegen der Absage für den Verein wegfalle. «Aber wir können das Defizit tragen.» Auch das Startgeld soll zurückbezahlt werden. Viele würden den Betrag einfach stehen lassen und ihn für den nächsten Munijass einsetzen.

Never come back Airline durfte spielen

Zittern musste auch die Never come Back Airline. Doch die Dernière konnte - unter strikten Auflagen - am Samstagabend durchgeführt werden. «Es war speziell», erklärt Christian Loose, der Kopf der Truppe. Alle Gäste wurden bereits vor dem Saalbau Bad in Derendingen abgefangen und mussten als erstes einen Fragebogen ausfüllen. «Wir wollten in erster Linie wissen, ob sie in einem Risikogebiet waren oder krank sind.» An der Kasse mussten zudem alle ihre Hände desinfizieren. Nur weil es möglich war die Gäste der Dernière strikt in zwei Gruppen zu trennen, war die Durchführung möglich. Die knapp 100 sogenannten «Business-Gäste» fanden ihren Platz normal im Saal, die rund 70 «Economie-Gäste» nahmen auf der Galerie Platz. «Die beiden Gruppen nutzten auch andere Toiletten und in der Pause eine andere Bar.»

Ein Grossteil der Besucher habe verständnisvoll reagiert. Bemängelt wurde allerdings die Akkustik auf der Galerie. «Diesen Besuchern haben wir versprochen, wenn sie nächstes Jahr wieder kommen, werden wir ihnen ein Nachtessen offerieren.» Eine Person musste übrigens zuhause bleiben: Sie hatte sich kürzlich in Hongkong aufgehalten.

«Wir mussten einigen Aufwand betreiben um die Show durchführen zu können», so Loose. Bei einer Absage hätte die Never come back Airline den Gewinn, der in den ersten sechs Vorstellungen erspielt wurde,  als Ganzes verloren.

Gemeindeversammlung Derendingen wird verschoben

In Derendingen wird die Gemeindeversammlung vom kommenden 9. März verschoben und zwar auf den 5. Mai. Es geht um die Neuorganisation der Behörden- und Verwaltungsstrukturen. «Wir möchten nicht, dass irgendjemand nicht teilnehmen kann, weil er Angst hat, sich anzustecken», so Kuno Tschumi. Zudem könne man die Teilnehmerzahl bei einer Gemeindeversammlung schlecht auf 100 Menschen beschränken. Abgesagt wurde auch der Seniorenanlass der am 11. März angesagt war. Die Jungbürgerfeier hingegen wird wie geplant am 13. März durchgeführt. «Da können wir alle Teilnehmenden vorgängig anschreiben und sie  auf die Regeln aufmerksam machen», erklärt Kuno Tschumi diesen Entscheid.

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