Kriegstetten
Musik und Malerei werden bei einem Konzert in der Kirche verbunden

Der Singkreis Wasseramt spielte Joseph Haydns «Die Jahreszeiten», die Kammerphilharmonie Europa begleitete. Die Zuhörerinnen und Zuhörer hörten Klänge und konnten die Bilder dazu sehen, denn und Daphne Oberholzer malte während des Konzerts.

Gundi Klemm
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Konzertlokal war die St.Mauritius-Kirche in Kriegstetten. (Archiv)

Konzertlokal war die St.Mauritius-Kirche in Kriegstetten. (Archiv)

Guido Schenker

Zwei Mal war die katholische Kirche als Konzertlokal gut besucht. Gross war das Interesse für die Arbeit des Singkreises Wasseramt, der seit seiner Gründung 1957 immer wieder klassische und moderne Werke zur Aufführung bringt. Vielschreiber Joseph Haydn (1732–1809) hatte in «Die Jahreszeiten», uraufgeführt 1801, in seinem liebenswürdigen und bedächtigen Erzählerton über einen bäuerlichen Jahresverlauf nach einer englischen Textvorlage berichtet.

Der Chor (das Landvolk), Bauer Simon (Markus Volpert, Bass), Jungbauer Lukas (Reto Hofstetter, Tenor) und die ihm innig zugetane Hanne (Anne-Florance Marbot, Sopran) bestritten die stimmungsvolle Handlung, die ihre Kraft aus einer Fülle idyllischer Einzelheiten und musikalischer Einfälle bezieht.

Unterstützung vom Komponisten

Vor den Zuhörenden breitete sich farbenreiches Leben aus. Man nimmt in der musikalischen Sprache Landschaft, Schönheit und Urgewalten der Natur, feine Vogelstimmen, Tanzrhythmen und Jagdvergnügen sowie menschliches Liebesglück wahr. Mit seiner fantasievollen Symphonik, die volkstümliche Melodik einschliesst, hat Haydn dieses musikalisch wie auch erzählerisch plastische Werk geschaffen. Es gleicht in seiner epischen Breite einem Theaterstoff, der durch Musik zusätzlich motivisch verdichtet ist. Im übertragenen Sinn weist der Komponist mit den vier Jahreszeiten auf die Lebensalter des Menschen hin. Erst am Ende dieses weltlichen Oratoriums öffnet die Beschreibung des irdischen Daseins mit Dankes-Chören ein Fenster zur Ewigkeit.

Unterstützung aus Köln

Mit dem Wasserämter Singkreis und seinem Leiter Markus Oberholzer lag diese Komposition in kundigen Händen. Leichtigkeit und Eleganz zeichneten die Chorsätze aus. Artikulation und Intonation wirkten überzeugend bei dieser umsichtig geschulten Laiengesangsgruppe, die ihre Partien stimmlich kompakt, gleichzeitig weich und wunderbar steigerungsfähig gestaltete.

Gänzlich zu begeistern wusste der Vortrag der Kammerphilharmonie Europa aus der Nähe von Köln, die mit ihren Bläsern und weiteren Instrumentalsolisten das Publikum geradezu entzückte. Unvergesslich das effektreiche orchestrale «Chaos», mit dem ein Sommergewitter und die Angst der Menschen davor erfahrbar wurden. Für die drei Solisten rollte die Kammerphilharmonie einen betörenden Klangteppich aus.

Den drei Vokalisten blieb genügend Raum zur Interpretation ihrer Rollen in Rezitativen, Arien, Duetten und Terzetten. Sehr gefällig der heiterhelle Sopran, ausstrahlend die beiden Männerstimmen, bei denen der Tenor kurzzeitig von orchestraler Klangpracht bedrängt war. Nicht vergessen werden dürfen die sechs jugendlichen Sängerinnen (Vokalensemble der Kantonsschule), die gemeinsam mit dem Solosopran das von Haydn eingefügte reizende Spinnerlied, gedichtet von Gottfried August Bürger, sangen. Musikalisch machte dieses mit atmosphärischem Kolorit ausgestattete Werk als «Ohrenfänger» überaus glücklich.

Unterstützung aus der Familie

Die suggestive Wirkung von «Die Jahreszeiten» interpretierte Daphne Oberholzer, Tochter des Dirigenten, mit einer Bilderfolge. Den musikalischen Szenen verlieh sie Ausdruck mit ihrer Malerei auf einer dafür hinter dem Chor installierten Wand. Das Bild veränderte sich über die musikalischen Interpretationen der Jahreszeiten hinweg ständig und verschwand am Schluss im Nebel des Winters. Als Experiment war die Verbindung von Musik, Malerei und Bewegung interessant.