Wenn alle Gerüchte stimmen würden, sagte der Käser von Buchegg, dann hätte er seinen Betrieb längst dichtmachen müssen. So gravierend ist es nicht, was man sich derzeit im Bucheggberg erzählt. Aber eben doch so wichtig für den Betrieb und seine Kundschaft, dass wir nachfragen: Der Käser und seine lokalen Milchlieferanten lägen im Streit, die Bauern seien ausgestiegen und brächten ihre Milch nun woanders hin. Soweit, so richtig. Wie es dazu kam, ist indes nicht ganz einfach nachzuvollziehen.

Fakt ist: Die drei verbliebenen Produzenten aus der unmittelbaren Umgebung liefern ihre Milch nicht mehr in die Käserei Buchegg. Hansueli Wyss aus Brügglen, ehemaliger Präsident der inzwischen aufgelösten Käsereigenossenschaft Buchegg, bestätigt, seine Lieferungen eingestellt zu haben. Es habe Probleme mit Bakterien gegeben. Dieser Schaden werde aber durch die Versicherung gedeckt. Zudem sei der Käser ihm noch einen Teil des Milchpreises schuldig. Mehr will Wyss nicht sagen, der Fall sei derzeit vor dem Friedensrichter.

Lieferung seit April eingestellt

Auch Christoph Rufer bringt seine Milch nicht mehr in die Dorfkäsi. Stattdessen beliefert er die Industrie. Konkret geht die Milch von seinem Hof in Kyburg-Buchegg nun an die Genossenschaft Mooh, die vergangenes Jahr aus dem Zusammenschluss der Nordostmilch AG und der Genossenschaft Miba hervorging. Knapp 53 Rappen erhält er dort gemäss Monitoring der Schweizer Milchproduzenten für den Liter. Das ist markant weniger als in Buchegg, wo er gemäss Marc Jakob 72 Rappen erhielt. Über die Hintergründe des Streits will Rufer mit Verweis auf das laufende Verfahren nichts sagen. Nur so viel: Der Milchpreis sei ihm immer bezahlt worden.

Zu den drei lokalen Milchlieferanten zählte schliesslich Fritz Ramseier. Der Bauer aus Kyburg-Buchegg hat seine Lieferungen per 1. April ebenfalls eingestellt.

Keine Absatzschwierigkeiten

Besuch in Buchegg. Die Vitrinen und Regale sind gefüllt, der angestellte Käser wirbelt durch den Produktionsraum, eine Verkäuferin bereitet sich auf die Ladenöffnung vor. In der Käserei, dem Laden und dem Büro werden 350 Stellenprozente angeboten. Hier sieht es nicht so aus, als ob Lieferengpässe zu beklagen wären. Im Gegenteil: «Das Geschäft läuft sehr gut», sagt Marc Jakob. Der 35-Jährige hatte den Familienbetrieb 2005 von seinem Vater übernommen.

Damals gehörte die Käserei noch der Genossenschaft. Jakob begann, statt Emmentaler Spezialitätenkäse zu produzieren. Die Ware verkaufte sich gut, 2010 wurde der Käser für seinen Innovationsgeist mit dem Meilenstein-Preis der Migros Aare ausgezeichnet. Weiterhin beliefert er Manor Food, Coop, Migros, Lanz sowie andere Detaillisten.

Wie steht es also nun um die Qualität des Rohstoffs beziehungsweise seiner Produkte? Diese sei einwandfrei, versichert Jakob. Amtliche Laborkontrollen würden ihm vorbildliche Werte attestieren. Tatsache sei, dass ihm regelmässig fehlerhafte Milch geliefert worden sei, weshalb es beim Käse im Keller immer wieder zu Spätblähungen kam. «Diesen konnte ich nicht mehr verkaufen oder weiterverarbeiten und musste ihn entsorgen.»

Den Bauern macht Jakob keinen direkten Vorwurf, doch habe er das Schadensrisiko auch finanziell nicht mehr tragen können. Stattdessen bezieht Jakob die Milch von der Käsereigenossenschaft Utzenstorf. Dort würden die Kühe ebenfalls mit frischem Gras und Heu statt mit Silofutter gefüttert. Für die Qualität der Milch und später auch für den Käse sei dies entscheidend. Zudem brauche er keine Anlagen für die Milchabnahme mehr.

Gelobt wird Jakob von Urs Bucher. Der Gastronom aus Kriegstetten bezieht wöchentlich Produkte aus dem Bucheggberg, etwa für das Restaurant Pisoni oder für die Authentica-Spezialitätenmesse. «Seine Produkte sind spitze», so Bucher. Von Problemen mit der Milchqualität habe er noch nie gehört.

Lieber klein bleiben

Für die Zukunft sei sein Betrieb sehr gut aufgestellt, sagt Jakob. Absatzprobleme kenne er bei guter Käsequalität nicht – im Gegenteil, er könne die Nachfrage mit seinen Kapazitäten gar nicht bedienen. Ein millionenteurer Ausbau der Produktions- und Lagerkapazitäten komme derzeit sicher nicht infrage. Stetes Wachstum, so ist er überzeugt, würde den Preisdruck noch verstärken. Lieber wolle er klein bleiben und auf Spezialitäten setzen. «Nachdem mir die Bauern vor Ort jeweils mehr Milch lieferten, als ich verarbeiten konnte, kann ich nun genauso viel beziehen, wie ich brauche, um meine Lager zu füllen.»

Von den einst 100 Käsereien im Kanton Solothurn ist Jakob neben jenem im Reckenkien bei Mümliswil noch der letzte Produzent. «Und das möchte ich bis zu meiner Pensionierung bleiben.» Die Voraussetzungen dafür hat er geschaffen. Nach Auflösung der Käsereigenossenschaft Buchegg hat er die Käserei gekauft und den Betrieb in eine Aktiengesellschaft überführt.