Lohn-Ammannsegg

«Lothar»: Vor 20 Jahren wütete der Orkan und verwüstete die Wälder in der Region

In Lohn-Ammannsegg fällte der Sturmwind am Stephanstag 1999 2000 Kubikmeter Holz.

Am 26. Dezember 1999 verwüstete der Orkan Lothar, der über West- und Mitteleuropa hinweg zog, auch in grossem Ausmass den Hubelwald in Lohn. Schon am 25. Dezember, am Weihnachtstag, hatten von Blitz und Donner begleitete Sturmböen Bäume entwurzelt, Dächer abgedeckt, Bahnlinien und die Stromversorgung unterbrochen.

Am Stephanstag 1999 tobte dann «Lothar». Wunden schlug er nicht nur an Gebäuden und in Feld und Wald sondern auch in die Herzen der Menschen, die wegen des Sturms Angehörige oder Arbeitskollegen verloren. Auch in der Schweiz kamen Menschen direkt oder indirekt als Folge des Sturms ums Leben.

Im Flachland betrugen die Windgeschwindigkeiten bis zu 160 Stundenkilometer, in den Bergen über 250. Es wurden zahlreiche Verkehrswege aufgrund umgestürzter Bäume unterbrochen. Es kam vermehrt zu Strom- und Telefonausfällen.

Eine Schneise in den Fichtenwald geschlagen

«Lothar» hat im Wald der Bürgergemeinde Lohn 2000 Kubikmeter Holz gefällt, die Baumstämme wurden wie Streichhölzer grossflächig geknickt. Davon waren allein auf der Lohner-Wald Höhe Hubel, dem zweithöchsten Punkt des Wasseramts, 1300 Kubikmeter Holz betroffen. Es wurde eine richtige Schneise in den schönen Fichtenwald geschlagen.

Wo einst majestätisch hohe Bäume das Bild beherrschten, sah es aus wie nach einem Bombenangriff. Mächtige Wurzelballen lagen entblösst, zersplitterte Stämme ragten anklagend in den Himmel. Der Wald war nicht mehr wiederzuerkennen. Das Aufräumen der Schadensfläche erfolgte durch den Forstdienst Lohn. Frondienst leitete dabei auch die Zivilschutzorganisation Lohn-Ammannsegg in einem einwöchigen Wiederholungskurs.

Einfache Gedenkstätte erinnert an den Orkan

Die Holzpreise brachen sofort um über 30 Prozent ein und erholten sich erst ab 2005 wieder. Nach den Aufräumarbeiten wurden 2001 und 2002 auf der Hubelfläche 3100 Rottannen, 100 Douglasien, 450 Kirschbäume und 180 Ahorne angepflanzt.

Da die Kosten trotz minimalen Subventionen durch Bund und Kantone ein beträchtliches Loch in das Budget der Bürgergemeinde Lohn riss, wurde im Jahre 2002 ein Komitee «Vereinigung Hubel-Freunde» gegründet. Zweck der Vereinigung war es, mit Spenden und Verkauf von Pflanzenbündeln die durch den Lothar erzwungenen Neuaufforstungen zu finanzieren.

Es wurde eine einfache Gedenkstätte «Lothar, 26.12.1999» geschaffen, die noch heute an den immensen Schaden am Wald durch den Orkan erinnert und darauf hinweist, dass durch eine Solidaritätsaktion die gepflanzten Bäume in einer einmaligen Aktion gespendet wurden.

Sämtliche Spender wurden auf einer Tafel mit Namen, Vorname und der nummerierten örtlich bezeichneten Pflanzen verewigt. Regelmässig fanden während acht Jahren im Oktober Versammlungen vor Ort statt und aus der Vereinigung gingen später die «Hubel-Meteorologen» als Wettervorhersager hervor, die für 2019 letztmals das Hubel-Wetter prognostizierten.

Heute, zwanzig Jahre später, ist vieles überwachsen und schön aufgeholzt. Die Narben, die «Lothar» hinterlassen hat, sind kaum mehr sichtbar. Zu den positiven Folgen zählt die grössere Artenvielfalt, die sich auf den betroffenen Waldflächen über die Jahre entwickelt hat.

Im Hubel steht heute ein gesunder Mischwald, der von den drei alten Douglasien, die der Lohner Förster Stuber vor 140 Jahren als Samen von Amerika nach Lohn brachte, überragt wird. Diese haben mehrere Orkanstürme überstanden.

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