Theaterwoche in Zuchwil
Kleine Taucher entdecken die Abenteuer auf dem Grund der «Wasser Welten»

Im Schulhaus Unterfeld in Zuchwil wird diese Woche Theater gespielt. 34 Kinder entwickeln ein Stück zum Motto «Wasser Welten».

Alexandra Just
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Proben in der Kindertheaterwoche im Schulhaus Unterfeld
14 Bilder
In spielerischen Szenen erarbeiten die Kinder ihre Theateraufführung
Die Teilnehmenden zeichnen als Einstieg Wasserwesen
Bei Künstlerin Nadja Lerch werden die Kostüme für die Aufführung gebastelt.
Die Kinder können wünschen, welches Wasserwesen sie sein möchten

Proben in der Kindertheaterwoche im Schulhaus Unterfeld

Hansjörg Sahli

Nun heisst es Luft anhalten und abtauchen. Die 34 Kinder, die bei der diesjährigen Kindertheater-Woche im Schulhaus Unterfeld in Zuchwil teilnehmen, tauchen unter dem Motto «Wasser Welten» in die Untiefen der Theaterwelt ab. Die kleinen Taucher entdecken auf dem Trockenen die Abenteuer und Geheimnisse, die auf dem Grund der «Wasser Welten» verborgen liegen.

Welche Sprache sprechen Tintenfische? Wie kratzt sich ein Krebsfisch am Kopf? Wie schnell schwimmt ein Hai? Solche Fragen und viele mehr stellen sich die Kinder im Alter von sechs bis zwölf Jahren zu Beginn der Theaterwoche. Nach den Antworten müssen sie selber fischen. Die Kinder sind nicht nur die Schauspieler, sondern gleichzeitig auch die Regisseure der geplanten Werkstattaufführung von Freitag.

Sind die Antworten, die die Kinder an Land ziehen, spannend genug, so entsteht vielleicht eine neue Theaterszene. Was am Ende der Woche auf der Bühne gezeigt wird, liegt nämlich in den Händen oder besser in den Köpfen der Kinder. Theaterpädagoginnen Simone Wyss, Manuela Glanzmann sowie Theaterpädagoge Jospeh Nicolet bieten dabei lediglich spielerische Hilfestellungen, um die vielen Ideen der Kinder in bühnenreife Szenen zu verwandeln.

Es gäbe viele Techniken, mit denen man als Theaterpädagoge die Kinder auf eine Szene hinlenken könne, ohne dabei gleich Vorschlagshammer oder Mahnfinger zu gebrauchen, so Simone Wyss, Leiterin der Kindertheaterwoche. «Wir gehen meistens von der Bewegung aus, um vom ‹Verkopften› wegzukommen», erklärt Wyss. Oftmals stelle man bei den Kindern am Anfang gewisse Barrieren fest, die die Fantasie einschränken.

Beim Theater spielen gehe es darum, diese Einschränkungen wegzubekommen. Zu imitieren, wie sich eine Schildkröte, eine Qualle oder ein Seestern bewegt, benötigt nicht nur Vorstellungskraft, sondern auch Körpergefühl. «Für die Kinder ist es anfangs ungewohnt, etwas Bestimmtes mit ihrem Körper auszudrücken.»

«Ich will ein Calamarikostüm basteln», «Ich möchte eine coole Haiflosse haben», ertönt es aus dem Werkraum der Schule. Mithilfe der Künstlerin Nadja Lerch stellen die jungen Schauspieler und Schauspielerinnen Kostüme und Masken selber her. Die Ideen stammen teils von der Künstlerin, teils von den fantasievollen Zeichnungen, die die Kinder gleich zu Beginn der Woche anfertigten. Die Bilder zeigen sowohl existierende Meeresbewohner, wie auch fantasievolle Fabeltiere. «In der Unterwasserwelt geht es nicht nur um Fische, es geht auch um Wesen, die es nicht gibt. Wir halten uns da jede Möglichkeit offen», erklärt Simone Wyss, warum das Thema «Wasser Welten» so gut geeignet für die Theaterwoche sei.

Ständige Interaktion

«Theater spielen ist ebenso wichtig wie Sport, Musik oder bildnerisches Gestalten», sagt Wyss. Für die langjährige Theaterpädagogin und ehemalige Primarschullehrerin ist es daher umso wichtiger, dass Theaterspielen zumindest als Freikurs an jeder Schule angeboten wird. «Wir wollen die Kinder in ihrem theatralen Ausdruck weiterbringen. Dazu gehört Förderung der Körpersprache und Weiterbildung der Stimme», so Simone Wyss.

Die Kinder würden etwa lernen, lauter und deutlicher zu sprechen. Zudem sei Theaterspielen immer eine Interaktion. «Wann muss ich meine Position einnehmen? Wann muss ich still sein? Wann muss ich mein Stichwort geben? Auf diese Dinge müssen die Kinder achten, wenn sie auf die Bühne treten. Sie lernen, hellhörig zu werden und mit anderen zu interagieren.»

Für die Kinder selber sei die abschliessende Aufführung an sich das grosse Highlight. «Sie zeigen den Eltern und Geschwistern gerne, was sie in dieser Woche gemacht haben», meint Wyss. Obwohl die Kindertheaterwoche mit der diesjährigen Durchführung ihr fünfjähriges Jubiläum feiert, ist die Werkstattaufführung für die erfahrenen Theaterpädagogen noch immer aufregend. «Wir sind zwar alle alte Hasen, aber wenn es darum geht, ob alles klappt, kommt das Adrenalin trotzdem. Aber für diese Momente leben wir und der Applaus am Schluss ist auch immer schön», schliesst Simone Wyss.

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