Biberist
Kleine Anfrage wegen «unsäglichen, steilen Auf- und Abgängen» auf Velowegen

In einer kleinen Anfrage an den Regierungsrat kritisiert Kantonsrätin Barbara Wyss Flück die neue Praxis im Strassenbau für den Langsamverkehr.

Urs Byland
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Die neue Situation beim Fliederweg. Die Velofahrer Richtung Solothurn fahren ohne Hopserei über die Kreuzung.

Die neue Situation beim Fliederweg. Die Velofahrer Richtung Solothurn fahren ohne Hopserei über die Kreuzung.

hanspeter baertschi

In einer kleinen Anfrage erkundigte sich Kantonsrätin Barbara Wyss Flück (Grüne, Solothurn) beim Regierungsrat zu den Radwegsanierungen auf der Hauptstrasse Solothurn–Biberist. Erfreut stelle sie fest, dass die Verkehrsführung im Bereich der Einmündung Fliederweg korrigiert worden sei. Für ihren Arbeitsweg benutzt sie diese Verbindung mit dem Fahrrad. Zuerst habe es im Mai nach der Freigabe der Strecke für Fahrradnutzer eine «schikanöse Hopserei» über schräge Randsteine gegeben (ähnlich Bild links). Dies sei beim Fliederweg, wie erwähnt, korrigiert worden. Aber: Nach den Herbstferien wurde der Strassenabschnitt vor dem Kreisel für den Veloverkehr freigegeben und: «Die Auf- und Abgänge sind wieder mit denselben gefährlichen steilen und sicher nicht velofreundlichen Randsteinen ausgeführt», so Barbara Wyss Flück.

Sie wolle vom Regierungsrat wissen, weshalb nach den Erfahrungen im Bereich «Enge» nicht die gesamte Veloführung nochmals überprüft und nach Alternativen für die «unsäglichen, steilen Auf- und Abgänge» gesucht wurde.

Barbara Wyss Flück ärgert sich über die schrägen Steine in der Fahrbahn des Velostreifens, und: «Die Aufnahme zeigt, dass hier der Schneepflug auch Schneereste hinterlässt.

Barbara Wyss Flück ärgert sich über die schrägen Steine in der Fahrbahn des Velostreifens, und: «Die Aufnahme zeigt, dass hier der Schneepflug auch Schneereste hinterlässt.

Steine sind für Sehbehinderte

In seiner Stellungnahme bemerkt der Regierungsrat vorneweg, dass die Kritik exemplarisch die sich zum Teil widersprechenden Anforderungen an die Ausführungen von Strassenbauten illustriere. Konkret entspreche der sanierte Radweg Biberist–Solothurn den Vorgaben der neuen VSS-Norm «Hindernisfreies Bauen». VSS ist ein Verein, der Forschung und Normierung im Strassen- und Verkehrswesen betreibt. Velofahrer und Rollstuhlfahrer erachten die gemäss der VSS-Norm zwingend vorgegebene Fahrbahnabtrennung mit Randsteinen als absolut schikanös, so der Regierungsrat. Sehbehinderte dagegen sind unbedingt darauf angewiesen, mit dem Stock ertastbare Absätze vorzufinden, damit sie sich im Raum orientieren können. Sie könnten sonst vom geschützten Gehwegbereich unbeabsichtigt auf die Fahrbahn gelangen.

Die Korrektur beim Fliederweg, sei aufgrund der Kritik von Velofahrern erfolgt. In einer Interessenabwägung habe der Kanton zusammen mit der Bauverwaltung Biberist sowie der solothurnischen Facharbeitsgruppe Fuss- und Veloverkehr die sogenannte Lösung «Trottoirüberfahrt» gewählt. Vorteil: Der Velofahrer könne nun niveaulos die Kreuzung passieren. Nachteil: Ein wartendes Fahrzeug aus Fahrtrichtung Fliederweg könne die Durchfahrt versperren. Zudem sei mit dieser Lösung eine Schneeräumung erschwert.

Diese Antwort hat Barbara Wyss Flück verärgert. Sie spricht von Schreibtischtätern. «Beim Fliederweg habe ich noch nie wegen eines haltenden Autos warten müssen.» Sie sei begeistert von der Situation beim Fliederweg. «Aber weiter Richtung Biberist wurde wieder die Lösung mit den abgeschrägten Randsteinen gewählt. Und hier klappt die Schneeräumung auch nicht.» Dazu lieferte sie ein Foto an die Redaktion (siehe oben links). «Ein kleinerer Absatz würde auch schon genügen.»

Wenig Spielraum

Doch die weitere Antwort des Regierungsrates auf die kleine Anfrage verheisst für Barbara Wyss Flück und die Velofahrer wenig Gutes. Weitere Anpassungen zugunsten der Velofahrer könnten nicht vorgenommen werden. «Der Spielraum für mögliche Lösungen ist aufgrund der verbindlichen Normvorgaben beschränkt», begründet der Regierungsrat.

Bei verkehrsorientierten Strassen sei die Trennung zwischen Gehweg oder Rad-/Gehweg und der Fahrbahn gemäss der VSS-Norm zu gestalten, so die Richtlinie des Regierungsrates. Bei untergeordneten Strassen oder bei Radwegen ausserorts mit geringen Fussgängerzahlen könne im Einzelfall auf dieses Trennelement verzichtet werden.

Die neue Norm führe im Übrigen, so der Regierungsrat, nicht nur im Kanton Solothurn, sondern auch in anderen Kantonen zu «hitzigen und emotional» geführten Diskussionen.

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